Wortverwendungen geben Bedeutung wieder

In diesem Beitrag wollen wir aufzeigen, dass der jeweils in den Versen verwendete Begriff eine absolute Synchronität mit der zu übermittelnden Bedeutung bildet.
Es wird der Begriff ausgewählt, welcher mit seiner Charakteristik auf den zu übermittelnden Inhalt deutet.

  1. Punkt: „Widerspiegeln des Satzinhaltes mit kontextualer Wortverwendung“
  2. Beispiele:
    Als Allah aufzeigen wollte, wie sehr Jakob um seinen Sohn trauerte (es war eine ungewöhnlich starke Trauer in den Augen seiner Söhne, weil dies so lange anhielt), sagte Allah folgendes, um diesen Zustand der Trauer Jakobs zu beschreiben:

Sure 12, Vers 85:

قَالُوا تَاللَّهِ تَفْتَأُ تَذْكُرُ يُوسُفَ حَتَّى تَكُونَ حَرَضًا أَوْ تَكُونَ مِنَ الْهَالِكِينَ

„Sie sagten: „Bei Allah, du hörst nicht auf, von Yusuf zu sprechen, bis du dich ganz verzehrt hast oder zu denen gehörst, die zugrunde gehen. [12:85]

In diesem Vers sind ungewöhnliche Synonyme des Arabischen gewählt worden.
Das Wort تَاللَّهِ „Tallah“, ein Schwur, ist normalerweise im Arabischen mit einem „B“ versehen oder mit einem „W“ besetzt, also بالله (Billah) oder والله (Wallah).

Das „Ta“ wird in den seltensten Fällen verwendet. Es wird nur bei absolut befremdlichen Anlässen verwendet, hier in diesem Vers, um diese außergewöhnliche Trauer von Jakob (a.s.) festzuhalten. Deswegen wird die Form „تَاللَّهِ“ als Schwur von den Söhnen Jakobs verwendet.

Deswegen kommentierte At-Tibi (Korankommentar) dazu den Schwur „Tallah“ als einen Schwur, der zusätzlich eine spezifische Bedeutung beinhaltet. Neben einem gewöhnlichen Schwur trägt er die Verwunderung in sich. Da Verwunderung selten geschieht, ist auch das Vorkommen dieses Schwurs selten. Der Schwur kommt nur als Verstärkung in Verbindung mit dem Namen Gottes „Allah“ vor.

Der Begriff „تَفْتَأُ“ „Tafta“ ist auch ein seltener Begriff, welcher hier für „immer noch“ benutzt wird. Die Konjugation des Begriffs sowie dessen Bedeutung sind selten. Dies geschieht, um eine inhaltliche Fremde dieser Tat auszudrücken. Dieser Begriff taucht im gesamten Koran nur einmal auf, genau hier in diesem Vers, wo es um die Befremdlichkeit der Trauer geht.

Das Wort „حَرَضًا“ „Haradhan“ ist ein Begriff für den Tod. Er bedeutet nicht wie „Halak“ lediglich „sterben“, sondern ist ein Infinitiv, welcher auf das „durch den Zustand der Trauer sterben“ hindeutet. Auch der Begriff „حَرَضًا“ kommt im gesamten Koran nur einmal in diesem Vers vor. In dem Vers, in dem der äußerst seltene und einmalige Zustand Jakobs beschrieben wird. Hier sehen wir, wie die verwendeten Begriffe sozusagen durch ihre Verwendung die Bedeutung widerspiegeln, weil diese so selten ist.

  1. Beispiel:
    Ein weiteres Beispiel, in dem wir aufzeigen, dass die Verwendung der Wörter und Konjunktionen, also die Syntax, Suffixe und der Begriffe die Bedeutung des Inhalts widerspiegeln.

Sure 21, Vers 46:

„Und wenn sie ein Hauch von der Strafe deines Herrn berührt, dann werden sie sicher sagen: „O wehe uns, wir waren wahrlich Frevler!“

وَلَئِن مَّسَّتْهُمْ نَفْحَةٌ مِّنْ عَذَابِ رَبِّكَ لَيَقُولُنَّ يَا وَيْلَنَا إِنَّا كُنَّا ظَالِمِينَ

وَلَئِن (Iin) „und wenn“ bezeichnet in der arabischen Sprache eine konditionelle Phrase. Dieses Stilmittel deutet darauf hin, dass man das Eintreten einer Sache nicht erwartet.

Es wird erwähnt für وَإِن طَائِفَتَانِ مِنَ الْمُؤْمِنِينَ اقْتَتَلُوا فَأَصْلِحُوا بَيْنَهُمَا ۖ „und wenn zwei Gruppen der Gläubigen sich töten“. Dies ist eine Sache, die man nicht erwartet. Im Gegensatz dazu steht „إذا“, was auch soviel wie „und wenn“ heißt, nur ist die Charakteristik von „إذا“ eine zusichernde ist, eine Sache, die definitiv geschehen wird. Deswegen wird sie für die Hilfe Allahs gegenüber den Gläubigen verwendet wird. إِذَا جَاءَ نَصْرُ اللَّهِ وَالْفَتْحُ „Wenn Allahs Hilfe kommt und der Sieg“, weil dies eine Sache ist, die definitiv geschehen wird. Also die Konditionalpräposition in unserem Vers ist eine, welche eine schwache Charakteristik besitzt und auf das „Nichtgeschehen“ einer Sache deutet.

Das Wort „مَّسَّتْهُمْ“ steht für die niedrigste, kleinste Form der Berührung. Es heißt nicht „اصابكم“, welches für das Treffen eines Unglücks verwendet wird, da es kontextual passender ist.

Das Wort „نَفْحَةٌ“ beschreibt einen Hauch, also hier im Vers den Hauch einer Strafe. Der Begriff „نَفْحَةٌ“ ist die schwächste Form von Hauch. Die etwas stärkere Form wäre نفخه „nafcha“, weil es ein „ch“ statt einem leichten „hä“ besitzt. Darüber hinaus ist نَفْحَةٌ in seiner grammatikalischen Form „einzig“ und verkörpert demnach einen einzigen Hauch, was wiederrum die geringste Form in Wort, Bedeutung und Konjugation darstellt.

Das Wort „رَبِّكَ“, also der Begriff von Allahs Namen, welcher einen erziehenden Faktor beinhaltet und auf die Gaben hinweist, wird hier genutzt. Es heißt nicht Adhab „Djabber“ oder „Al Qahar“ (der Allbezwinger). Durch die Verwendung dieses Namen Allahs, welcher für Erziehung und Gaben steht, wird also wieder auf eine leichte Form der Strafe hingedeutet.

Wir sehen in den Verwendungen von Präposition und Begriff und der Eigenschaft Allahs, wie sich ein Gesamtbild ergibt, welches die generelle Bedeutung des Gesagten wiedergibt. Dass sie, sobald sie die kleinste Form der Strafe Allahs trifft, sofort verstehen werden, was sie falsch gemacht haben. Der Vers nochmal zur Wiederholung:
وَلَئِن مَّسَّتْهُمْ نَفْحَةٌ مِّنْ عَذَابِ رَبِّكَ لَيَقُولُنَّ يَا وَيْلَنَا إِنَّا كُنَّا ظَالِمِينَ

„Und wenn sie ein Hauch von der Strafe deines Herrn berührt, dann werden sie sicher sagen: „O wehe uns, wir waren wahrlich Frevler!“

Punkt 2:
Jetzt eine weitere Form der Rhetorik, in der ein verwendeter Begriff auf eine ganz besondere Bildlandschaft hindeutet.

وَأَغْطَشَ لَيْلَهَا وَأَخْرَجَ ضُحَاهَا

„Und Er hat seine Nacht finster gemacht und seine Morgenhelle hervorkommen lassen. “

Der Begriff وَأَغْطَشَAghtascha“:
Die Verwendung „aghtascha“ trägt in sich die Bedeutung des Verdunkelns “adhlama“. Darüber hinaus trägt es die Charakteristika der Stille und des Ausbreitens. Zusammengefasst also die Eigenschaft einer verdunkelnden Nacht, welche sich in Stille ausbreitet.

Wir sehen, wie die Verwendung eines Begriffes eine ganze Bildlandschaft widerspiegelt, wie die verdunkelnde Nacht eintritt und sich stillschweigend ausbreitet. Dadurch wird ein romantisches Bild aufgrund dieses Begriffes wiedergegeben. Weiterhin gibt auch der Wortklang dieses Begriffes genauestens dieses Szenario wider. Und zwar geht es mit einem أَ „Aa“ los, einem Klang, der sich dann in einem tiefen غْ „Gha“ einhängt auf dem durch ein „sukun“ (Ruhepunkt) stehen geblieben wird. Ein phonetisches Ruhen auf dem Buchstaben, sodass er ausklingt, was das Verdunkeln klanglich darstellt. Die letzte Silbe ist ein شَ „Scha“, welches einen verbreitenden Klang enthält. daher wird für das Wort „verbreiten“ auch dieser Buchstabe verwendet „naschr“.
فَلَمَّا سَمِعَتْ بِمَكْرِهِنَّ أَرْسَلَتْ إِلَيْهِنَّ وَأَعْتَدَتْ لَهُنَّ مُتَّكَأً

Der Begriff „Mutakaan مُتَّكَأً ist von den koranischen Wortneuschöpfungen wie die Sprachwissenschaftler sagen. Er stammt von dem Wort „itaka“, welches „anlehnen“ bedeutet.
Damit ist gemeint, dass die Frau des Königs (in der Geschichte von Joseph) den Frauen, welche in der Runde saßen, einige köstliche Kleinigkeiten wie Obst brachte, welche man im angelehnten Zustand verzehrt. Als die Frauen den wunderschönen Joseph erblickten, schnitten sie sich mit den Messern in die Handflächen, da sie seine Schönheit nicht anders ertragen konnten.
Deswegen wurde das Wort verwendet bzw. erfunden, um die Art des Essens darzustellen, welches angelehnt verzehrt wird und vorher geschält werden muss.
Also bildet das Wort مُتَّكَأً „Mutakaan“ eine ganze Bildlandschaft in dem ein ganzes Szenario festgehalten wird, welches einen, in die Pointe der Geschichte, einleitenden Faktor besitzt.
Ein Wort, welches ein Kopfkino erzeugt – der Koran erfindet das Wort – welches ohne jegliche Anstrengung ein Szenario wiedergibt, das den Leser in die Situation versetzt und Abläufe nachvollziehen lässt. Ein Bild angelehnter Frauen, die Fingerfood vorbereiten und sich bei dem Eintreten von Joseph in die Hände schneiden. Darüber hinaus ist der Begriff für das Schneiden قَطَّعْنَ „Qatt’an“. Aus morphologischer Sicht deutet es auf das Wiederholen eines Vorgangs hin.
Es stellt dar wie die Frauen von der Schönheit Josephs geblendet sind, sich wie in Trance befinden, betäubt immer wieder in die Hände schneiden.

Punkt 3: Die Wechselartige Verwendung von Begriffen
Der Koran nutzt einmal einen Begriff, welchen er dann aber an anderer Stelle wieder wechselt, um eine besondere Frequenz der bildlichen Eigenschaft hervorzurufen.
Da ein gewisser Faktor hinzukommt, wechselt der Koran das Synonym zu dem in diesem Fall passenderen Synonym.

Einige Beispiele werden wir hier erwähnen, um das erwähnte Prinzip aufzuzeigen

Beispiel:

Im Koran wird einmal unter anderem das Wort القريه (Qariya) für die Beschreibung eines Ortes erwähnt und einmal das Wort مدينه (Medina).
Das Wort القريه „Qariya“ beinhaltet in der Wortwurzel das Q und das R, welches in seiner Bedeutung auf das Kollektiv bzw. die Ansammlung einer Sache deutet. Deswegen wird es für ein Wassersammelbecken verwendet oder auch für den Koran selbst, weil das Prinzip dahinter die Ansammlung von Buchstaben einer Lesung ergibt. (Ein weiterer Grund nach Abu Hayyan ist, dass der Koran eine Ansammlung an Geschichten, Gesetzen, Weisheit, etc. sei. Als sammle der Koran alles für den Menschen Notwendige in sich.)

Nun sehen wir, dass dieser Begriff auf die Ansammlung einer Sache hindeutet. Wenn wir verstehen wie er für die Beschreibung eines Ortes verwendet wird, erkennen wir, dass der Ort eine Ansammlung von Menschen darstellt. Außerdem die Charakteristik der Ansammlung von Ideen und Gedanken. Sozusagen ein Gedankengut – ein Einheitsgedanke – bei dem man sich auf einen Gedanken bzw. eine Idee geeinigt hat, was in kleinen Dorfgemeinden meist der Fall ist.
Deswegen hat der Begriff „Qariya“ auch die Charakteristik bzw. wird für eine kleine Ortschaft genutzt.

Der Begriff „Medina“ مدينه ,der andere Begriff für den Ort, kommt von „madana“, der die Bedeutung von Materie in sich trägt. Wenn etwas aufgebaut wird und den Eigenschaft des Errichtens beinhaltet. Die Idee dahinter ist, dass wenn eine Stadt sich ausbereitet, bebaut wird, die Gebäude errichtet werden und die Materie zunimmt, dann spricht man von einer „Medina“, was man mit Stadt bzw. Metropole übersetzten kann.
Also hat es nicht den kleinen dörflichen Charakter, wo ein Gedankengut vorherrschend ist.
Es deutet gegenteilig auf Größe und Weite. Wie Großstadt bzw. Metropole.

So heißt es hier in Sura 18, Vers 77:

فَانْطَلَقَا حَتَّى إِذَا أَتَيَا أَهْلَ قَرْيَةٍ اسْتَطْعَمَا أَهْلَهَا فَأَبَوْا أَنْ يُضَيِّفُوهُمَا فَوَجَدَا فِيهَا جِدَارًا يُرِيدُ أَنْ يَنْقَضَّ فَأَقَامَهُ

„Da zogen sie beide weiter, bis, als sie dann zu den Bewohnern einer Stadt قَرْيَةٍ (Qariya) kamen, sie ihre Bewohner um etwas zu essen baten; diese aber weigerten sich, sie gastlich aufzunehmen. Da fanden sie in ihr eine Mauer, die einzustürzen drohte, und so richtete er sie auf. Er (Mūsā) sagte: »Wenn du wolltest, hättest du dafür wahrlich Lohn nehmen können.«
Wir sehen das alle Dorfbewohner sich darauf einigten ihnen nichts zu geben.
Also wurde hier das Wort „Qariya“ verwendet, weil dies wie wir sagten auf eine Einstimmigkeit hindeutet.

Aber dann in den nächsten Versen wird diese Stadt قَرْيَةٍ “Qariya”als Medina betitelt.
Wie wir hier sehen:

وَأَمَّا ٱلْجِدَارُ فَكَانَ لِغُلَٰمَيْنِ يَتِيمَيْنِ فِى ٱلْمَدِينَةِ وَكَانَ تَحْتَهُۥ كَنزٌ لَّهُمَا وَكَانَ أَبُوهُمَا صَٰلِحًا فَأَرَادَ رَبُّكَ أَن يَبْلُغَآ أَشُدَّهُمَا وَيَسْتَخْرِجَا كَنزَهُمَا رَحْمَةً مِّن رَّبِّكَ ۚ وَمَا فَعَلْتُهُۥ عَنْ أَمْرِى ۚ ذَٰلِكَ تَأْوِيلُ مَا لَمْ تَسْطِع عَّلَيْهِ صَبْرًا

„Was aber die Mauer angeht, so gehörte sie zwei Waisenjungen in der Stadt ٱلْمَدِينَةِ (Medina), und unter ihr befand sich ein für sie bestimmter Schatz. Ihr Vater war rechtschaffen, und da wollte dein Herr, daß sie (erst) ihre Vollreife erlangen und (dann) ihren Schatz hervorholen – aus Barmherzigkeit von deinem Herrn. Ich tat es ja nicht aus eigenem Ermessen.
Das ist die Deutung dessen, was du nicht aushalten konntest.“

Was ist der Grund hierfür? Dieser liegt wie wir sehen in der Geschichte von Moses und dem rechtschaffenden Diener, der die eingestürzte Mauer wieder aufbaute. Dies ist eine materielle Komponente, die der Stadt hinzugefügt wurde und durch die Ergänzung bzw. Erwähnungen dieser Mauer wird die Qariya zu einer Medina bzw. bekommt die Charakteristik einer größeren Stadt.

Eine weiteres Bespiel der Verwendung von den Begriffen Qariya und Medina verdeutlicht folgendes

In Sure 36, Vers 13:

وَاضْرِبْ لَهُمْ مَثَلا أَصْحَابَ الْقَرْيَةِ إِذْ جَاءَهَا الْمُرْسَلُونَ إِذْ أَرْسَلْنَا إِلَيْهِمُ اثْنَيْنِ فَكَذَّبُوهُمَا فَعَزَّزْنَا بِثَالِثٍ

“Und präge ihnen als Gleichnis die (Geschichte der) Bewohner der Stadt الْقَرْيَةِ (Qariya), als die Gesandten zu ihr kamen.”

Hier sehen wir, dass die ganze Dorfgemeinschaft auf dem Gedanken des Unglaubens waren.

Danach heißt es nur einige Verse später:

وَجَاءَ مِنْ أَقْصَى الْمَدِينَةِ رَجُلٌ يَسْعَىٰ قَالَ يَا قَوْمِ اتَّبِعُوا الْمُرْسَلِينَ (20)“
“Und es kam vom äußersten Ende der Stadt الْمَدِينَةِ ein Mann gelaufen. Er sagte: „O mein Volk, folgt den Gesandten.”

Hier finden wir für die Verwendung desselben Ortes die Bezeichnung der “Medina”, weil hier auf die Weite dieser Stadt angespielt wird und sie dadurch eine andere Charakteristik bekam.
Deswegen heißt es “äußersten Ende”, um aufzuzeigen, wie weit sich die Nachricht über das Kommen der Gesandten verbreitet hat. Darüber hinaus ist jetzt ein Gläubiger in der Stadt und das bricht den Einheitsgedanken der “Qariya”.

Wir sehen also wie aus der “Qariya” eine “Medina” wird, wenn kontextuell der Inhalt auf Weite deutet und Verbreitung bzw. Vergrößerung einer Sache und durch das Auftauchen eines Gläubigen der Einheitsgedanke des Unglaubens gebrochen wird.

Wir wollen noch ein weiteres Beispiel anführen.

Sure 12, Vers 82:

واسأل القرية التي كنا فيها والعير التي أقبلنا فيها وإنا لصادقون

“Frage nur in der Stadt القرية nach, in der wir waren, und in der Karawane, mit der wir kamen; gewiß, wir sagen die Wahrheit.“

Hier können wir sehen, dass die Stadt „Qariya“ genannt wird.
Als es hingegen um den Klatsch und Tratsch bzw. den „Gossip“ ging, welcher sich bis über die Stadtmauern hinaus verbreitete, hieß es wie im Folgenden zu sehen الْمَدِينَةِ Medina.

Sure 12, Vers 30:

وَقَالَ نِسْوَةٌ فِي الْمَدِينَةِ امْرَأَةُ الْعَزِيزِ تُرَاوِدُ فَتَاهَا عَنْ نَفْسِهِ قَدْ شَغَفَهَا حُبًّا إِنَّا لَنَرَاهَا فِي ضَلالٍ مُبِينٍ (30)

„(Einige) Frauen in der Stadt الْمَدِينَةِ (Medina) sagten: „Die Frau des hohen Herrn versucht, ihren Burschen zu verführen. Er hat sie in leidenschaftliche Liebe versetzt. Wir sehen wahrlich, sie befindet sich in deutlichem Irrtum.“

Hier wurde das Wort Medina für Stadt erwähnt, weil es auf die Verbreitung bzw. Reichweite deutet und auf die Größe der Stadt angespielt wird. Deswegen wird auf diese Charakteristik eingegangen und der Begriff الْمَدِينَةِ wird für Stadt ausgewählt, um zu verdeutlichen, dass sie die Nachrichten aus dem Herrschaftspalast wie ein Lauffeuer über die Stadtmauern hinaus weit verbreitete.
Wir sehen wie durch die Verwendung alleine von Synonymen bzw. genauen Wortverwendungen ganze Bildlandschaften, Umstände und eine Transformation in eine gesellschaftliche Psychologie entstehen und geprägt werden.
Der Effekt, dass sich diese Nachricht aus dem Königshaus, welches in der Regel immer darauf bedacht ist, dass nichts den Palast verlässt, bis in die am weit entferntesten Stadtteile verbreitet,
ergibt sich allein durch die Verwendung des Begriffes الْمَدِينَةِ (Medina). Bei dem Begriff „Qariya“ jedoch wäre diese dramatische Visualisierung der Geschehnisse, dass sich die Nachricht wie ein Lauffeuer verbreitet, nicht zustande gekommen.

Ein weiteres Beispiel für die unterschiedlichen Worte, die im Koran für das Wort Grab benutzt werden. Einmal القبر(Qubur) und an anderer Stelle ( Adjdath) أجداث .

Das Wort „Adjdath“ أجداث trägt eine spezielle Charakteristik in sich von dem nahen Wort الجَدَثة.
Dies deutet auf einen Laut bzw. Geräusch hin, welches die Hufen eines Pferdes oder Kamels verursachen, wenn sie auf den Erdboden treten.
Darüberhinaus wird der Begriff الجَدَثة auch für das Zerkauen von Fleisch benutzt. Dies ist hier so passend, weil die Erde an ihrem Fleisch genagt und sie aufgegessen hat, sodass ihre Leichen als Skelett aus ihren Gräbern herauskommen.

Jetzt wollen wir sehen wie der Begriff „Djadath“ für das Grab nur in diesem Kontext verwendet wird:

[وَنُفِخَ فِي الصُّورِ فَإِذَا هُمْ مِنَ الأَجْدَاثِ إِلَى رَبِّهِمْ يَنْسِلُونَ] {يس: 51
„Es wird ins Horn geblasen werden, und da laufen sie sogleich schnell aus den Gräbern الأَجْدَاثِ (Ajdath) zu ihrem Herrn herbei.“

[خُشَّعًا أَبْصَارُهُمْ يَخْرُجُونَ مِنَ الأَجْدَاثِ كَأَنَّهُمْ جَرَادٌ مُنْتَشِرٌ] {القمر:7}
„werden sie mit gedemütigten Blicken aus den Gräbern الأَجْدَاثِ herauskommen wie ausschwärmende Heuschrecken.“

[يَوْمَ يَخْرُجُونَ مِنَ الأَجْدَاثِ سِرَاعًا كَأَنَّهُمْ إِلَى نُصُبٍ يُوفِضُونَ] {المعارج:43}

Wir sehen in den Versen, dass jedes Mal, wenn es darum geht, dass die Menschen in einer schnellen physischen, sprich körperlichen Art und Weise am Tag der Auferstehung aus ihren Gräbern kommen, dieser Begriff الأَجْدَاثِ (adjdath) für das Grab benutzt wird. Er trägt die akustische Bedeutung des Umgrabens der Erde in sich.

Durch die Verwendung des Begriffs „Adjdath“ wird ein hörbares, knisterndes Szenario geschaffen, das die Akustik des Moments vermittelt sowie visualisiert, wenn die Menschen am Tag der Auferstehung aus ihren Gräbern kommen und die Erde umgraben und durchwühlen.
Wir sehen wie der Koran anhand der Verwendung von Synonymen filmreife Szenarien einfängt.

Auf der anderen Seite:

Der Begriff القبر (Qubur) hingegen wird für das Grab an sich benutzt, wie wir in den folgenden Versen sehen:

Sure 22, Vers 7:
[وَأَنَّ السَّاعَةَ آَتِيَةٌ لَا رَيْبَ فِيهَا وَأَنَّ اللهَ يَبْعَثُ مَنْ فِي القُبُورِ] {الحج:7}
„und weil die Stunde kommt, an der es keinen Zweifel gibt, und weil Allah (all) diejenigen auferwecken wird, die in den Gräbern القبر(Qubur) sind.“

Sure 35, Vers 22:
[وَمَا يَسْتَوِي الأَحْيَاءُ وَلَا الأَمْوَاتُ إِنَّ اللهَ يُسْمِعُ مَنْ يَشَاءُ وَمَا أَنْتَ بِمُسْمِعٍ مَنْ فِي القُبُورِ] {فاطر:22}
„Und nicht gleich sind auch die Lebenden und die Toten. Allah läßt hören, wen Er will. Und du vermagst nicht, diejenigen hören zu lassen, die in den Gräbern القبر(Qubur) sind.“

Sure 60, Vers 13:
[يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آَمَنُوا لَا تَتَوَلَّوْا قَوْمًا غَضِبَ اللهُ عَلَيْهِمْ قَدْ يَئِسُوا مِنَ الآَخِرَةِ كَمَا يَئِسَ الكُفَّارُ مِنْ أَصْحَابِ القُبُورِ] {الممتحنة:
„O die ihr glaubt, nehmt nicht Leute zu Schutzherren, denen Allah zürnt. Sie haben ja die Hoffnung auf das Jenseits aufgegeben, so wie die Ungläubigen die Hoffnung (auf Wiederauferstehung) der (Toten) in den Gräbern القبر (Qubur) aufgegeben haben.“

Sure 100, Vers 9:
[[أَفَلَا يَعْلَمُ إِذَا بُعْثِرَ مَا فِي القُبُورِ] {العاديات
“Weiß er denn nicht? Wenn durchwühlt wird, was in den Gräbern القبر (Qubur) ist.“

Wir sehen also, dass in den Versen, wo es ausschließlich (nicht um das Auferstehen aus Ihnen) um die Gräber geht, der Begriff القبر(Qubur) für die Gräber benutzt wird.

Zusammengefasst:

Wir sehen, dass der Koran jedesmal, wenn es um die Gräber an sich geht, den Begriff القبر (Qubur) verwendet. Immer, wenn es um das Herauseilen der Menschen aus diesen Gräbern am Tag der Auferstehung geht, wird der Begriff الأَجْدَاثِ(djdath) für die Gräber verwendet, der auf die Geräuschkulisse hindeutet, welche dabei entsteht.
Darüber hinaus wird das visuelle Szenario eines Körpers erzeugt. Von Skeletten, bei denen sich das Fleisch von den Knochen gelöst hat und die wie Zombies aus ihren Gräbern eilen. Dies alles geschieht durch die Verwendung dieses Begriffs.

Quellen:
Mabahith fi 3djaz al Qur‘an, Dr. Mustafa Muslim
Dr. Fadhil Samarai, Lamosot bayaniya