Adaption von Symboliken der Altarabischen Prosa

Der Koran zeichnet sich durch die Beschreibung seiner Quelle aus. Die Beschreibung Allahs ist eine essentielle Lehre des Korans. 

Wenn wir im Deutschen die Einfachheit einer Sache beschreiben wollen nutzten wir Redensarten wie z.b 

„Es gibt Mütter, die das Kindererziehen im Griff haben wie das Salzen einer Suppe.“[1] 

Das „Im Griff haben“ einer Sache deutet auf die volle Kontrolle.

وَمَا قَدَرُوا اللَّـهَ حَقَّ قَدْرِهِ وَالْأَرْضُ جَمِيعًا قَبْضَتُهُ يَوْمَ الْقِيَامَةِ وَالسَّمَاوَاتُ مَطْوِيَّاتٌ بِيَمِينِهِ ۚ سُبْحَانَهُ وَتَعَالَىٰ عَمَّا يُشْرِكُونَ 

Sie haben Allah nicht eingeschätzt, wie es Ihm gebührt‘, wo die ganze Erde am Tag der Auferstehung in Seiner Hand gehalten wird und (auch) die Himmel in Seiner Rechten zusammengefaltet sein werden. Preis sei Ihm! Erhaben ist Er über das, was sie (Ihm) beigesellen. [39:67]

Der Begriff für „in Seiner Hand Gehalten bzw. im Griff haben“ in diesem Vers ist auf Arabisch  قَبْضَتُهُ (Qabdatuh). Aus morphologischer Sicht ist dies ein „Ism al-marra „اسم المرّة: Das Einzel-Substantiv.

Die Form dieses Begriffes, wurde bei den Arabern in folgendendem rhetorischem Still verwendet.

So sagten sie  الجزور أكلة لقمان  (Das Kamel ist der Eklatuh „Happen“von Luqman).
Der Begriff „Eklatuh“ ist hier der Präzedenzfall.

(Luqman ibn Aad war ein Mann, welcher von den Arabern in übertriebener Art und Weise für seine Gefräßigkeit beschrieben wurde. So sagte man, dass er zum Frühstück und  Abendbrot ein Kamel verschlingen würde. Als er dann den Beischlaf mit seiner Frau verrichten wollte, erreichte er sie nicht wegen der Fülle seines Bauches. Er sagt zu ihr: “Wie soll ich dich erreichen wenn zwischen mir und dir zwei Kamele sind?” Womit er auf die Fülle seines Bauches deutete.) [2]

So wie das Kamel nur ein Happen für den unersättlichen Luqman ist, so ist der gesamte Kosmos nur ein winzig kleiner Griff für den Schöpfer von Himmel und Erde.

“In der Milchstraße, unserer Heimatgalaxie, gibt es 100-300 Milliarden Sterne. Es gibt hunderte Milliarden Galaxien wie die Milchstraße, die in Haufen auftreten, und diese Haufen wiederum in Superhaufen. Und so kommen wir dann hochgerechnet auf diese große Zahl von 10 hoch 22 Sternen im Universum” [3].  

Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete:

Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: „Allah, der Segensreiche und Erhabene, wird (am Tag der Auferstehung) die Erde in Seinen Griff nehmen, die Himmel mit Seiner Rechten zusammenrollen und sprechen: „Ich bin Der König. Wo sind die Könige der Erde?““[4]

[1] Redensarten-Index „im Griff haben“ 

[2] Kaschaf von AL-Zamakschari

[3] https://www.phyx.at/gibt-es-unendlich-viele-sterne/  

[4] [Sahih Muslim, Hadithnr. 4994/Kapitel 51]

„Wächter-Funktion“

Der Koran interagiert in vielen Versen mit der jüdisch-christlichen Tradition und hat eine Art „Wächter-Funktion“. So heißt es „Und Wir haben zu dir das Buch mit der Wahrheit hinabgesandt, das zu bestätigen, was von dem Buch vor ihm (offenbart) war, und als Wächter darüber.“[5:48]
Und in einem anderen Vers „Dieser Koran erzählt den Kindern Israels das meiste von dem, worüber sie uneins sind.“ [27:26]

Wie bereits erwähnt, wollen wir skriptural anhand jüdisch-christlichen Traditionen aufzeigen, wie die koranische narrative Fehler anspricht und diese korrigiert.

Geschichtliche Hintergrund Information:
In der babylonischen Gemara heißt es:
„Ein Zeugnis über Jesus und die Kreuzigung“
„a) Sanhedrin 43ab
וכרוז יוצא לפניו לפניו אין מעיקרא לא והתניא בערב הפסח תלאוהו לישו והכרוז יוצא לפניו מ‘ יום ישו יוצא ליסקל על שכישף והסית והדיח את ישראל כל מי שיודע לו זכות יבא וילמד עליו ולא מצאו לו זכות ותלאוהו בערב הפסח

„On Passover Eve they hung the corpse of Jesus the Nazarene after they killed him by way of stoning. And a crier went out before him for forty days, publicly proclaiming: Jesus the Nazarene is going out to be stoned because he practiced sorcery, incited people to idol worship, and led the Jewish people astray. Anyone who knows of a reason to acquit him should come forward and teach it on his behalf. And the court did not find a reason to acquit him, and so they stoned him and hung his corpse on Passover eve.“*1

Übersetzung:
„Am Vorabend des Pesahfestes hängte man Jeschu den Nazarener, nach dem man ihn durch Steinigung tötete. Vierzig Tage zuvor hatte der Herold ausgerufen: Er wird zur Steinigung hinausgeführt, weil er Zauberei getrieben und Jisrael verführt und abtrünnig gemacht hat; wer etwas zu seiner Verteidigung zu sagen hat, der komme und sage es. Da aber nichts zu seiner Verteidigung vorgebracht wurde, so hängte man ihn am Vorabend des Pesahfestes.“

Peter Schäfer kommentierte dieses talmudische Zeugnis in seinem Buch „Jesus und das Talmud“ folgendermaßen:
„Ich halte dies für eine vorsätzliche Fehldeutung des Neuen Testamentes und eine jüdische narrative bezüglich Jesus. Und eine Legimitation im Bezug auf dass Jesus vollen rechtens exekutiert würde, weil er ein jüdischer Ketzer war.“*3

Jakob von Sarug nannte in seinem Buch „Jesus in the Talmud“ die damaligen Juden als:

„Menschen die damit prahlten einen Mann ans Kreuz geschlagen zu haben.“*4

Wir sehen nun im Folgenden, wie die koranischen Verse diese talmudische narrative aufgreift und korrigiert:

وَقَوْلِهِمْ إِنَّا قَتَلْنَا الْمَسِيحَ عِيسَى ابْنَ مَرْيَمَ رَسُولَ اللَّـهِ وَمَا قَتَلُوهُ وَمَا صَلَبُوهُ وَلَـٰكِن شُبِّهَ لَهُمْ ۚ
„und dafür, daß sie sagten: „Gewiß, wir haben al-Masīḥ ʿĪsā, den Sohn Maryams, den Gesandten Allahs getötet.“ – Aber sie haben ihn weder getötet noch gekreuzigt, sondern es erschien ihnen so.“[4:156]

In diesem Vers heißt es „weder getötet noch gekreuzigt.“ Also sie töten ihn weder durch die Steinigung, noch kreuzigten sie ihn post mortem – sprich nach einem Tode.
Wir können somit eine semantische Verbindung feststellen, denn der Koran erwähnt erst das Töten – welches auf die Steinigung deutet – und danach die Kreuzigung. Also entspricht die koranische Reihenfolge ein direkte Anspielung auf die Aussage im Talmud, um diese in einer paraphrasierenden Weise zu negieren.
(Semantische: Teilgebiet der Linguistik, das sich mit den Bedeutungen sprachlicher Zeichen und Zeichenfolgen befasst.)
Im selben talmudischen Traktat finden wir eine Anschuldigung gegen über Maryam a.s, welche sie mit der Hurerei beschuldigt und das Jesus a.s einen leiblichen Vater habe.
בן סטדא בן פנדירא הוא אמר רב חסדא בעל — סטדא בועל — פנדירא בעל פפוס בן יהודה הוא אלא אֵימא אמו סטדא אמו מרים מגדלא נשיא הואי כדאמרי בפומדיתא סטת דא מבעלה:]
*5

„Hat denn nicht ben Stada Zauberei aus Ägypten gebracht durch Einritzungen/Tätowierungen in sein/auf seinem Fleisch?“ Zum Familienhintergrund dieses Narren wird dann mitgeteilt: „(War er) der Sohn von Stada (und nicht ganz im Gegenteil) der Sohn von Pandera? Rav Chisda sagte: ‚Der Ehemann war Stada, (und) der Liebhaber war Pandera.‘ ‚(Aber war nicht) der Ehemann Pappos ben Jehuda und vielmehr seine Mutter Stada? Seine Mutter war Mirjam, (die Frau, die ihr) Frauen[haar] lang wachsen ließ. Dies ist, was man über sie [Mirjam] in Pumbeditha sagt: Diese ist abgewichen von (war untreu) ihrem Ehemann.‘“6

In diesem Dialog wird die Frage erörtert, wie ein Widerspruch zwischen zwei Überlieferungen aufzuklären ist. Die eine Überlieferung nennt den Zauberer „Sohn von Stada“, die andere „Sohn von Pandera“. Es wird offenbar als allgemein bekannt vorausgesetzt, wer der Zauberer war. Der Gelehrte Rav Chisda erklärt, Stada sei als Gatte der Kindesmutter der rechtliche Vater gewesen, Pandera der leibliche Vater. Ein ungenannter Gesprächspartner schlägt eine alternative Lösung vor: Der Ehemann sei Pappos ben Jehuda gewesen, ein Gelehrter aus der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts, und Stada sei ein Beiname Mirjams gewesen, der auf ihre Untreue Bezug nahm. Offenbar bestand zwischen den beiden Erklärern Übereinstimmung darüber, dass der Ehebrecher Pandera hieß.*7

Auch diese Anschuldigung aus dem selben talmudischen Traktat wird im Koran im selben Vers behandelt und wieder mit dem Begriff قَوْلِهِمْ, was soviel wie „ihr Ausspruch“ bedeutet, bezeichnet. Denn dieser Begriff hat eine lügnerische Konnotation, im Sinne dass es nur Wörter ohne jeglichen Wahrheitsgehalt sind, welche sie selber sagen.
Deshalb das possessiv Pronomen „ihr“, was aufzeigen soll, dass es nichts anderes, als ihre Wörter sind.
Sure 4 Vers156

وَبِكُفْرِهِمْ وَقَوْلِهِمْ عَلَىٰ مَرْيَمَ بُهْتَانًا عَظِيمًا
„und daß sie ungläubig waren und gegen Maryam gewaltige Verleumdung aussprachen.“
Abschließend:
Die Errettung Jesus a.s ist in seinem Namen, Bibel und Koran festgehalten.

Der Name Jesus:

„Jesus ist die lateinische Form des altgriechischen Ιησούς. Dieses ist im antiken hellenisierten Judentum die Transkription des hebräisch-aramäischen Vornamens Jehoschua (יהושע) mit seinen Kurzformen Jeschua oder Jeschu, erweitert um die griechische Nominativ-Endung -s, die in den anderen Kasus entfällt bzw. ersetzt wird.

Die Etymologie und eine damit mögliche Bedeutung des Namens sind unsicher. Das Matthäusevangelium (Mt 1,21 EU) leitet ihn von der hebräischen Wurzel „jaša“ (retten) ab und wurde damit für die altchristliche Deutung des Namens bestimmend.
Neuere Lexika schließen die Abstammung des Namens aus dem Verb „jaša“ aus. [5] Die traditionelle Deutung des Namens als „Gott ist Rettung/Hilfe/Erlösung“ rechnet mit einer Abstammung des Namens aus der Zusammensetzung von jhw und šuaʿ.“*4

Wir können deutlich sehen, dass Jesus in seiner ursprünglichen Bedeutung einen Zusammenhang mit dem „von Gott errettet werden“, also den Yahwe errettend, aufweist. Auch Dr. Raouf Sa’da ist der Ansicht, dass Jesus derjenige, „den Allah errettete“, bedeutet.
Im Koranvers wird diese Bedeutung im Folgenden ausgedrückt.

Bibel:
Auch in den Psalmen sehen wir den Hinweis auf die Errettung von Jesus.
„Nun merke ich, daß der HERR seinem Gesalbten hilft und erhöht ihn in seinen heiligen Himmel; seine rechte Hand hilft mit Macht.“ [Psalm 20:6]

Koran:
وَإِذْ كَفَفْتُ بَنِي إِسْرَائِيلَ عَنكَ إِذْ جِئْتَهُم بِالْبَيِّنَاتِ
„Und als Ich die Kinder Isra’ils von dir zurückhielt, als du mit den klaren Beweisen zu ihnen kamst.“ [5:110]

Ein weiterer koransicher Vers mit dem wir diesen Beitrag abschließen:
بَل رَّفَعَهُ اللَّـهُ إِلَيْهِ ۚ وَكَانَ اللَّـهُ عَزِيزًا حَكِيمًا
„Nein! Vielmehr hat Allah ihn zu Sich erhoben. Allah ist Allmächtig und Allweise.“[ 4:158]
*1 Sanhedrin 43a
The William Davidson Talmud

*3 Jesus in the Talmud S. 12

*4 Homélies contre les juifs, 44, l. 17

* 5 Sanhedrin 67a
The William Davidson Talmud

*6 Übersetzung nach Peter Schäfer: Jesus im Talmud, 3., durchgesehene Auflage, Tübingen 2017, S. 31–33.

* 7 Peter Schäfer: Jesus im Talmud, 3., durchgesehene Auflage, Tübingen 2017, S. 34–36.

*8 Martin Noth: Dieiu israelitischen Personennamen im Rahmen der gemeinsemitischen Namengebung; Stuttgart: Kohlhammer, 1928. Zitiert bei
Köhler/Baumgartner, Eintrag zu יְהוֹשׁוּעַ; Artikel Joshua in der Encyclopedia

Adaption von Symboliken der Altarabischen Prosa

Adaption von Symboliken der Altarabischen Prosa

Der Koran zeichnet sich durch die Beschreibung seiner Quelle aus. Die Beschreibung Allahs ist eine essentielle Lehre des Korans. 

Wenn wir im Deutschen die Einfachheit einer Sache beschreiben wollen nutzten wir Redensarten wie z.b 

„Es gibt Mütter, die das Kindererziehen im Griff haben wie das Salzen einer Suppe.“[1] 

Das „Im Griff haben“ einer Sache deutet auf die volle Kontrolle.

وَمَا قَدَرُوا اللَّـهَ حَقَّ قَدْرِهِ وَالْأَرْضُ جَمِيعًا قَبْضَتُهُ يَوْمَ الْقِيَامَةِ وَالسَّمَاوَاتُ مَطْوِيَّاتٌ بِيَمِينِهِ ۚ سُبْحَانَهُ وَتَعَالَىٰ عَمَّا يُشْرِكُونَ 

Sie haben Allah nicht eingeschätzt, wie es Ihm gebührt‘, wo die ganze Erde am Tag der Auferstehung in Seiner Hand gehalten wird und (auch) die Himmel in Seiner Rechten zusammengefaltet sein werden. Preis sei Ihm! Erhaben ist Er über das, was sie (Ihm) beigesellen. [39:67]

Der Begriff für „in Seiner Hand Gehalten bzw. im Griff haben“ in diesem Vers ist auf Arabisch  قَبْضَتُهُ (Qabdatuh). Aus morphologischer Sicht ist dies ein „Ism al-marra „اسم المرّة: Das Einzel-Substantiv.

Die Form dieses Begriffes, wurde bei den Arabern in folgendendem rhetorischem Still verwendet.

So sagten sie  الجزور أكلة لقمان  (Das Kamel ist der Eklatuh „Happen“von Luqman).
Der Begriff „Eklatuh“ ist hier der Präzedenzfall.

(Luqman ibn Aad war ein Mann, welcher von den Arabern in übertriebener Art und Weise für seine Gefräßigkeit beschrieben wurde. So sagte man, dass er zum Frühstück und  Abendbrot ein Kamel verschlingen würde. Als er dann den Beischlaf mit seiner Frau verrichten wollte, erreichte er sie nicht wegen der Fülle seines Bauches. Er sagt zu ihr: “Wie soll ich dich erreichen wenn zwischen mir und dir zwei Kamele sind?” Womit er auf die Fülle seines Bauches deutete.) [2]

So wie das Kamel nur ein Happen für den unersättlichen Luqman ist, so ist der gesamte Kosmos nur ein winzig kleiner Griff für den Schöpfer von Himmel und Erde.

“In der Milchstraße, unserer Heimatgalaxie, gibt es 100-300 Milliarden Sterne. Es gibt hunderte Milliarden Galaxien wie die Milchstraße, die in Haufen auftreten, und diese Haufen wiederum in Superhaufen. Und so kommen wir dann hochgerechnet auf diese große Zahl von 10 hoch 22 Sternen im Universum” [3].  

Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete:

Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: „Allah, der Segensreiche und Erhabene, wird (am Tag der Auferstehung) die Erde in Seinen Griff nehmen, die Himmel mit Seiner Rechten zusammenrollen und sprechen: „Ich bin Der König. Wo sind die Könige der Erde?““[4]

[1] Redensarten-Index „im Griff haben“ 

[2] Kaschaf von AL-Zamakschari

[3] https://www.phyx.at/gibt-es-unendlich-viele-sterne/  

[4] [Sahih Muslim, Hadithnr. 4994/Kapitel 51]

Adam und Eva, Scham und Pornographie

Adam und Eva, Scham und Pornographie
In diesem Beitrag wollen wir auf einen Aspekt der koranischen Erzählung eingehen.
Die Erzählung, insbesondere die der Propheten, enthalten für die Menschen zahlreiche Lehren.
Sie dienen als eine Art Manifestierung der menschlichen Natur, d.h, dass die psychologischen Zustände, sprich die Verhaltensmerkmale des Menschen in diesen Geschichten dargestellt werden. Die koranische Erzählung dient als ein Leitfaden für Gutes, für Ambitionen der seelischen Selbstverwirklichung, unabhängig von Ort und Zeit.

Sure 7,Vers 27

يَٰبَنِىٓ ءَادَمَ لَا يَفْتِنَنَّكُمُ ٱلشَّيْطَٰنُ كَمَآ أَخْرَجَ أَبَوَيْكُم مِّنَ ٱلْجَنَّةِ يَنزِعُ عَنْهُمَا لِبَاسَهُمَا لِيُرِيَهُمَا سَوْءَٰتِهِمَآ ۗ إِنَّهُۥ يَرَىٰكُمْ هُوَ وَقَبِيلُهُۥ مِنْ حَيْثُ لَا تَرَوْنَهُمْ ۗ إِنَّا جَعَلْنَا ٱلشَّيَٰطِينَ أَوْلِيَآءَ لِلَّذِينَ لَا يُؤْمِنُونَ
„O Kinder Ādams, der Satan soll euch ja nicht der Versuchung aussetzen, wie er eure (Stamm)eltern aus dem (Paradies)garten vertrieben hat, indem er ihnen ihre Kleidung wegnahm, um ihnen ihre Blöße zu zeigen. Gewiß, er sieht euch, er und sein Stamm, von wo ihr sie nicht seht. Gewiß, Wir haben die Satane zu Schutzherren für diejenigen gemacht, die nicht glauben“

Dieser Vers ist eine Warnung Allahs für die Menschen bzw. für die Kinder Adams, deswegen wurde in diesem Kontext, welcher sich um die Geschichte von Adam und Eva handelt, die Verwendung „Kinder Adams“ benutzt, sprich für die Menschen gewählt, um eine Relation und eine Echo in die Atmosphäre dieser Ereignisses zu schaffen, als der Satan unsere Großeltern Adam und Eva verführte und die somit aus den Paradiesgärten vertrieb, wurde nicht der Begriff „Insan“ oder „Bäschar“ für den Menschen ausgewählt, sondern das absolut passende Synonym, um eine Orientierung an diese Geschichte zu schaffen. Also wurde anhand des Begriffes eine Atmosphäre geschaffen, welche den Leser in das Szenario der Schöpfungsgeschichte versetzt.

Die Taktik bzw. die List, welche der Satan dafür (aus dem Paradies vertreiben) anwendete, war die Entkleidung von Adam und Eva, sodass deren Schambereich sichtbar wurde.

Rhetorischer Aspekt

In diesem Vers haben wir den Begriff لِبَاسَهُمَا „Libas“ (ihre Kleidung), dieser Begriff deutet auf die Kleidung, welche nah am Körper liegt hin bzw. sich mit der Haut vermischt und diese bedeckt. Diese Wortwurzel wird auch für das Unkenntlichmachen bzw. Vermischen einer Sache benutzt, التلبيس „Talbis“, das Prinzip dahinter ist, dass wenn eine Sache sich mit einer anderen vermischt, sie unkenntlich wird.
Dazu dient nämlich die Kleidung, die die Scham und Konturen des Körpers unkenntlich zumachen bzw. bedecken, indem sich der Stoff an die Haut legt. In unserer heutigen Zeit stellen wir leider fest, wie die Kleidung für genau das Gegenteil benutzt wird, um gewisse Körperstellen hervorzuheben und zu betonen und somit den Reiz hervorzuheben, statt sie zu bedecken.
Der Sprachwissenschaftler Ibn Faris sagt über das Wort ,,Libas“, das die Wortwurzel „L B S“ hat, dass diese auf die Vermischung hindeutet. Und in diesem Fall ist es die Vermischung des Kleidungsstücks mit dem Körper bzw. das Anziehen.*1
Ebenfalls deutet das Wort auf das Bedecken und das Unkenntlichmachen hin.

Wie man sieht, wurde in diesem Vers genau dieser Begriff für die Kleidung benutzt, statt الثياب Thiyab“, welcher die Wortwurzel, „Th W B“ hat und laut Ibn Faris deutet dieses Wort auf die Wiederkehr hin und deshalb wurde die Kleidung so genannt, weil sie immer wieder zu einem zurückkehrt bzw. weil das Gewand nach dem Ablegen immer wieder an den Körper zurückkehrt.*2

Und dann sehen wir noch den Begriff „sarabil“ والسرابيل, welcher auf ein komplett bedeckendes Gewand hindeutet mit einer schütztenden Charakterstik.

Wir sehen also, in unserem Vers wurde der Begriff Libas لِبَاسَ für die Bekleidung ausgewählt mit der Charakteristik des Bedeckens, des Unkenntlichmachens und des Vermischens einer Sache, weil genau dieser eine Harmonie wiedergibt in Anbetracht, dass der Vers darauf deutet, dass der Satan den Menschen von seiner schamhütenden und bedeckenden Kleidung entblößen will. Deswegen wurde genau dieses Synonym, welche die Charakteristik festhält, für die Kleidung ausgewählt, welche der Satan versucht den Menschen zu nehmen.

Auch das Wort für Entblößen bzw. Ausziehen يَنزِعُ „Yänzi’a“ wählt der Koran genauestens aus, um ein Komplettbild der satanischen Anstrengung und Besträbnisses wiederzuspielgeln. Der Begriff النَّزْع deutet auf das Herausziehen einer Sache, durch Stärke von ihrem festgesetzten Platz.3 So wird das Wort für das Entwurzeln eines Baumes benutzt. Und so sehen wir, dass die Charakteristik dieses Wortes in einem anderen Koranvers verwendet wird: تَنزِعُ الناس كَأَنَّهُمْ أَعْجَازُ نَخْلٍ مُّنقَعِرٍ „der die Menschen „entzog“( تَنزِعُ) , als wären sie Stämme entwurzelter Palmen.“4

Das bedeutet, dass durch die Verwendung dieses Begriffes auf die Stärke angedeutet wird, da der Schaytan versucht die Gewänder von Adam und Eva, welche symbolisch für die ganze Menschheit stehen, zu entreißen. Sein Ziel ist es, mit aller Kraft die Kleidung der Menschheit vom Leibe zu reißen, um das Schamgefühl zu entziehen und somit die Scham mit aller Kraft zu entblößen.

Der Koran spiegelt diese teuflische Entblößung anhand einer Metapher wieder, damit der Leser dies verbildlicht. Das Zusammenspiel der ausgewählten Begriffe spiegelt einen Schaytan wieder, welcher mit gesamter Kraft versucht den Menschen, welcher durch die schambedeckendenden Kleidung geschützt ist, der Bekleidung zu entledigen und seine Scham aufzuzeigen.

Gesellschaftliches

Nachdem wir die sprachliche und allgemeine Bedeutung des Verses analysiert haben, wollen wir nun schauen, wie diese satanische Methodik im heutigen Zustand wiedergespiegelt wird.

So wie der Schaytan mit seiner Ur-List versuchte den Mensch zu entblößen bzw. dessen Scham aufzuzeigen, versucht er es heute immer noch mit exakt derselben Methodik, und zwar, indem er die Menschen entkleiden will und die Schamlosigkeit verbreiten will. Denn ein Schlüssel für die Sünden und den Unheil in der Gesellschaft ist das Verschwinden der Schamhaftigkeit. Wenn die Scham gefallen ist, ist der Weg zum Frevel und Verbotenem sehr leicht.
Dass Frauen sich in hautenge, „alles offenbarende“ Kleidungstücke werfen, ist eine dieser Methoden.
Der nackte Frauenkörper wird dahingehend instrumentalisiert, sodass man von Limonaden bis hin zu Bohrmaschinen alles damit verkaufen kann. Es heißt nicht umsonst „Sex Sales“. Ob es Reklame, Tv-Serien, Kleidung oder andere Sachen sind. Nichts von alldem wäre heute denkbar, ohne das Aufzeigen von „Haut“ und weiblichen Reizen.

Viele Frauen kleiden sich reizend, aufgrund des Verlangens nach Anerkennung, welche sie ertrachten. Ob es 13 Jährige Mädchen auf Instagram sind oder ältere Frauen. Viele Frauen versuchen sich durch ihre Reize zu bestätigen bzw. Anerkennung zu erlangen.

Pornographie und das Hirn

Ein weiteres sehr verbreitetes Mittel des Schaytans, um das Schamgefühl aus der Gesellschaft zu entziehen ist die Pornographie, welche mittlerweile genauso wie Kaffe oder Zigaretten eine Volksdroge darstellt. Auch hier arbeitet der Satan mit dem Mittel der Nacktheit bzw. der Schamlosigkeit, eine sehr intensive Form der Nacktheit.
Der Großteil der in Deutschland lebenden Männer ist von dieser Epidemie betroffen. Gerade bei Gläubigen tötet diese Pornographie die Spiritualität, bei vielen jungen Muslimen besonders. Es entsteht eine Entfernung von Allah, dessen Grund die Schamlosigkeit ist.
So wie Adam und Eva die Nähe zu Gott im Paradies verloren, aufgrund der Enthüllung ihrer Scham, welche die Folge der satanischen Einflüsterung war, so verliert der Gläubige heute diese Nähe zu Gott, indem seine Spiritualität getötet wird. Dies geschieht, weil er sich den Götzten der eigenen Triebseele ergibt und in Anbetung vor den pornographischen Bildern zu Boden fällt. Im Koran wird die Sünde des Mordens oft im selben Atemzug mit der Sünde der Unzucht genannt und der Grund dafür ist, wie die Koraninterpreten sagten: „Dass so wie der Mord der Tot des Körpers ist, so ist die Unzucht das Töten der Seele“ und es besteht kein Zweifel darin, dass die Pornographie eine Form der Unzucht ist. Dies sagte der Prophet Mohammed, dass auch die Augen „Zina“ (Unzucht) begehen.

Hirnforscher enthüllen beunruhigende Fakten über die Art und Weise, wie die Pornografie die Schaltkreise des Gehirns neu verkabeln kann. Dies kann in eine tiefe Sucht und zu Verhaltensweisen führen, die früher nie in Betracht gezogen worden wären.

«Wenn man sich Pornografie ansieht, verändert das alles», erklärt William Struthers. «Es verändert die Art und Weise, wie du Frauen ansiehst. Es verändert die Art und Weise, wie du Männer ansiehst. Es verändert die Art und Weise, wie du über dich selbst denkst.»
Struthers ist Professor für Psychologie am Wheaton College und Autor von «Verdrahtete Intimität: Wie die Pornografie das männliche Gehirn entführt».
Das Gehirn ist ein Instrument mit empfindlichen Schaltungen, die durch Signale, die es empfängt, verändert werden, erklärt Struthers: «Das Gehirn ist eines der wenigen Organe, das sich selbst verändert. Die Pornografie nutzt diese sensiblen Schaltkreise im Gehirn bei Männern und auch Frauen aus.»
«Das Gehirn wird vergewaltigt»
In der Vergangenheit gingen die Menschen nicht durchs Leben und sahen Tausende unterschiedlicher Menschen, die die ganze Zeit vor ihnen Sex hatten. «Wenn man Hunderte Männer und Hunderte Frauen und Hunderte von verschiedenen sexuellen Handlungen mit einem Mausklick betrachtet, ist das nicht das, was das Gehirn erwartet. Historisch gesehen ist das nicht das, was das Gehirn erwarten soll.»
Weiter fügt er an: «Wir sind jetzt durch die Technologie an einem Punkt angelangt, an dem das Gehirn durch Pornografie vergewaltigt wird. Es ist wirklich eine Vergewaltigung des Geistes.»
Er vergleicht Pornografie mit dem Passivrauchen unserer Kultur. Menschen können versuchen, davon wegzukommen, den Ärger zu ertragen, oder sie machen mit und werden selbst zu Rauchern.

Adrenalin im Hirn

Wenn man durch Pornos erregt wird, wird Adrenalin im Körper freigesetzt, zusammen mit der Version des Adrenalin im Gehirn, das Noradrenalin genannt wird. «Noradrenalin ist der Neurotransmitter, der dir hilft, morgens aufzustehen und lang anhaltende Erinnerungen zu bilden.»
Ein weiterer Neurotransmitter, der freigesetzt wird, ist Dopamin, das den Menschen hilft, sich zu konzentrieren. Dieses werde auch bei Suchtmitteln freigesetzt. Und bei Pornografie. «Man verliert den Überblick über alles andere. So wird eine Person, die Pornografie betrachtet, in sie hineingezogen. Dabei geht alles andere vergessen, was um einen herum vor sich geht. Man verliert die Zeit aus den Augen.»

Gute Bindungen, schlechte Bindungen

Wenn der sexuelle Bedarf gedeckt ist, wird ein drittes Neuropeptid freigesetzt, «nämlich endogene Opiate, die auch Endorphine genannt werden. Wenn sie freigegeben werden, spürt die Person Euphorie und eine Auflösung aller Spannungen im Körper.»
Weiter hält Struthers fest: «Zwei kleinere Hormone, Oxytocin und Vasopressin, dienen dazu, eine Person an das zu binden, was auch immer es war, das ihren Bedürfnissen entsprach. Es ist Gottes Plan, aneinander gebunden zu sein, und das ist eine gute Sache, wenn diese Bedürfnisse angemessen erfüllt werden.»
Bei Pornos ist die Person aber an die Darstellungen anderer Personen gebunden. «Es ist schwierig, sich mit Bildern ausreichend zu erregen, also wird die Person normalerweise viele verschiedene Bilder ansehen müssen.»
Da die Befriedigung immer schwieriger zu erreichen ist, streben Süchtige nach Neuheit und sind letztendlich an eine Reihe von Verhaltensweisen gebunden. Deswegen werden die pornographischen Inhalte, die konsumiert werden, immer extremer. Dies kann auch das Intimleben mit dem Partner gefährden, da der Partner allein für den Konsumenten nicht mehr reicht, um „genug“ erregt zu werden.

Fazit

Wir sehen an diesen Versen, dass der Ausgangspunkt des Menschen die Bekleidung und die Bedeckung ist und das Hüten der Scham, obwohl immer suggeriert wird, dass das Adamskleid die Nacktheit darstellt.
So heißt es in einem anderen Vers

Sure 20, Vers 121
فَأَكَلَا مِنْهَا فَبَدَتْ لَهُمَا سَوْءَٰتُهُمَا وَطَفِقَا يَخْصِفَانِ عَلَيْهِمَا مِن وَرَقِ ٱلْجَنَّةِ ۚ وَعَصَىٰٓ ءَادَمُ رَبَّهُۥ فَغَوَىٰ
„So aßen sie beide davon, und da zeigte sich ihnen ihre Blöße offenkundig, und sie begannen, Blätter des (Paradies)gartens auf sich zusammenzuheften. So widersetzte Ādam sich seinem Herrn, und da fiel er in Verirrung.“

Also die Nacktheit, in welche sie gerieten, war für Adam und Eva unangenehm, daher beeilten sie sich und nahmen sich Blätter, um sich zu bedecken, sodass keiner ihre nackten Körper zu sehen bekam. Der nackte Körper ist kein natürlicher Zustand, wie manche Naturalisten heute behaupteten.

Wir sehen also, dass der Koran in seiner narrative die Zustände von Adam und Eva bezüglich ihrer Scham wiedergibt und dass diese durch das Befolgen der satanischen Einflüsterung ihre Kleider verloren und deren Scham sich entblößte. Und dies ist die Hauptaufgabe des Satans, nämlich dem Menschen die Schamhaftigkeit zu entziehen bzw. die Schamlosigkeit zu verbreiten, damit die Gesellschaft sich von Allah entfernt. Und wir wissen letztendlich, dass die Scham zur natürlichen Veranlagung gehört, deshalb nahmen sich Adam und Eva Blätter, um ihren Scham zu bedecken.

Diese tiefenpsychologische Nuance, und zwar, dass die Scham im Menschen verankert ist und ein natürlicher Zustand ist, ist am besten bei Kleinkindern zu beobachten, welche noch auf ihrer gesunden Natur sind bis gesellschaftliche Umstände diese verändern.

*1 Maqais allugha, Ibn Faris
*2 Maqais allugha, Ibn Faris
*3 Aldur al masun, Samin al halabi
*4 Sure 54, Vers 20

Das Schlechte gebührt Ihm nicht

E wollen wir hier anführen, um zu verstehen, dass dies eine Art Gesetzmäßigkeit ist, welche im Koran auftaucht.

Das „Schlechte“ wird im ganzen Koran nie Allah zugeschrieben.
Immer wenn das Schlechte erwähnt wird, wird es im Passiv erwähnt bzw. jemand anderem zu geschrieben.
Nun folgen einige Beispiele, um dieses Prinzip zu verdeutlichen

In der Geschichte in der Suret al Kahf, in der es um Khidr und Moses geht und um das Schlechte, was passierte, werden folgende Ausdrücke verwendet.

Sure 18, Vers 79

أَمَّا السَّفِينَةُ فَكَانَتْ لِمَسَاكِينَ يَعْمَلُونَ فِي الْبَحْرِ فَأَرَدتُّ أَنْ أَعِيبَهَا وَكَانَ وَرَاءهُم مَّلِكٌ يَأْخُذُ كُلَّ سَفِينَةٍ غَصْبًا
„Was das Schiff angeht, so gehörte es Armen, die auf dem Meer arbeiteten. Ich wollte es schadhaft machen, denn ein König war hinter ihnen her, der jedes Schiff mit Gewalt wegnahm.“

Hier heißt es
أردت
„ich wollte ….“

Sure 18, Vers 80

أَمَّا السَّفِينَةُ فَكَانَتْ لِمَسَاكِينَ يَعْمَلُونَ فِي الْبَحْرِ فَأَرَدتُّ أَنْ أَعِيبَهَا وَكَانَ وَرَاءهُم مَّلِكٌ يَأْخُذُ كُلَّ سَفِينَةٍ غَصْبًا
„Was den Jungen angeht, so waren seine Eltern gläubige (Menschen). Da fürchteten wir, daß er sie durch (seine) Auflehnung und durch (seinen) Unglauben bedrücken würde.
So wollten wir, daß ihr Herr ihnen zum Tausch einen gebe, – besser als er an Lauterkeit und näher kommend an Güte.“

Hier heißt es:
أردنا
„Wir wollten….“

„Was aber die Mauer angeht, so gehörte sie zwei Waisenjungen in der Stadt, und unter ihr befand sich ein für sie bestimmter Schatz. Ihr Vater war rechtschaffen, und da wollte dein Herr, daß sie (erst) ihre Vollreife erlangen und (dann) ihren Schatz hervorholen – aus Barmherzigkeit von deinem Herrn. Ich tat es ja nicht aus eigenem Ermessen. Das ist die Deutung dessen, was du nicht aushalten konntest.“

Hier heißt es:
أراد ربك
„Dein Herr wollte…“

Wir können also aus den Kontexten der Verse nachvollziehen, dass, wenn in der Erzählung eine „schlechte Sache“ passiert ist, Alkhidr sich diese schlechte Tat selbst zuschrieb. Wie das Durchlöchern des Schiffes, deswegen heißt es أردت „ich wollte ….“, weil es nicht angebracht wäre das Personalpronomen, welches auf Allah deutet, in Zusammenhang mit einer schlechten Sache zu erwähnen.

Wenn in der Geschichte eine gute und eine schlechte Sache erwähnt wird, wird das duale Plural erwähnt, um das Schlechte Khidr zuzuschreiben, was in diesem Fall das Töten des Kindes wäre.
Wohingegen das Gute Allah zugeschrieben wird, also das Hervorbringen eines neuen Kindes. Deswegen heißt es أردنا „Wir beide wollten….“.

Und wenn in der erwähnten Geschichte nur Positives geschieht, wird dies Allah alleine zugeschrieben, sodass es heißt أراد ربك „Dein Herr wollte…“, wie es der Fall ist, nämlich, als Khidr und Moses die brüchige Wand hochzogen, was einfach nur eine gute Tat ist.
In der Geschichte Abrahams mit seinem Volk zeigt Abraham seinem Volk, dass der einzig Anbetungswürdige Allah allein ist, wie wir in Sure 26 sehen können.

قالَ أَفَرَأَيْتُم مَّا كُنتُمْ تَعْبُدُونَ
Er sagte: „Was meint ihr wohl zu dem, was ihr zu verehren pflegt,
أَنتُمْ وَآبَاؤُكُمُ الأَقْدَمُونَ
ihr und eure Vorväter?
فَإِنَّهُمْ عَدُوٌّ لِّي إِلاَّ رَبَّ الْعَالَمِينَ
Gewiß, sie sind mir (alle) Feinde, außer dem Herrn der Weltenbewohner,
الَّذِي خَلَقَنِي فَهُوَ يَهْدِينِ
Der mich erschaffen hat und mich (nun) rechtleitet,
وَالَّذِي هُوَ يُطْعِمُنِي وَيَسْقِينِ
und Der mir zu essen und zu trinken gibt
وَإِذَا مَرِضْتُ فَهُوَ يَشْفِينِ
und Der, wenn ich krank bin, mich heilt,
وَالَّذِي يُمِيتُنِي ثُمَّ يُحْيِينِ
und Der mich sterben läßt und hierauf wieder lebendig macht,
وَالَّذِي أَطْمَعُ أَن يَغْفِرَ لِي خَطِيئَتِي يَوْمَ الدِّينِ
und von Dem ich erhoffe, daß Er mir am Tag des Gerichts meine Verfehlung vergeben wird.

Wir sehen in diesen Versen, dass Abraham alles Allah zuschrieb, „der mich erschaffen hat“, „der mich leitet“, „der mir zu essen und trinken gibt“, „der mich sterben lässt und wieder lebendig macht“.
Bis auf eine Sache, und zwar die Krankheit, dort heißt es „wenn ich krank bin“, er schrieb Allah nicht die Krankheit zu, obwohl Allah derjenige ist, der seine Diener mit der Krankheit prüft, trotzdem ist die koransiche Methodik bzw. die prophetische Moral, Allah das Schlechte nicht zuzuschreiben, wohingegen, als es dann im selben Vers um die Heilung geht, welche was Gutes ist, wird diese wieder Allah zugeschrieben, „Allah mich heilt“.
Wir sehen in diesen Versen eine weitere Gesetzmäßigkeit, nämlich, dass wir das Schlechte Allah nicht zuschreiben und dass das perfekte koranische Konstrukt dies akribisch bewusst festhält.

In unserem letzten Beispiel wollen wir aufzeigen, dass nicht nur Propheten, ja sogar die Djinn, sprich die Geisterwesen, vorzügliches Benehmen besitzen und Allah nicht das Schlechte zuschreiben.

So heißt in der Sure 72, Vers 10

وَأَنَّا لا نَدْرِي أَشَرٌّ أُرِيدَ بِمَن فِي الأَرْضِ أَمْ أَرَادَ بِهِمْ رَبُّهُمْ رَشَدًا

„Und wir wissen doch nicht, ob für diejenigen auf der Erde Schlechtes gewollt wird oder ob ihr Herr sie zur Besonnenheit (führen) will.“

In diesem Vers sehen wir, als es um das Schlechte geht, dass das Passiv benutzt wurde, „auf der Erde Schlechtes gewollt wird“, aber als es dann um das Gute ging, wird der Name Allah رَبُّهُمْ (Herr) erwähnt, so heißt es „oder ob ihr Herr sie zur Besonnenheit (führen) will.“

Abschließendes Fazit:
Wir sehen hier an diesen Beispielen, dass die koranische Philosophie bezüglich dem Schlechten eine der Ergebung ist, indem wir das Schlechte annehmen und darüber hinaus es Allah nicht zuschreiben, wie es in einem überlieferten Bittgebet heißt „und das Schlechte steht dir nicht zu“.
Außerdem sehen wir im Koran eine Gesetzmäßigkeit, nämlich, dass das Passiv verwendet wird, sprich, Allah wird in schlechten Dingen nicht involviert, weil es seiner Erhabenheit nicht geziemt in Verbindung mit etwas Schlechtem gebracht zu werden. Wir sehen, wie dieses rhetorische Stillmittel eine tiefgründige Theologie enthält, und zwar, dass Allah, dem Erhabenen, nicht zugeschrieben werden darf, was vermeintlich schlecht ist und dass er damit nicht in Verbindung gebracht werden soll. Dieses Bild zeichnet einen absoluten, über alle Autorität erhabenen Gott ab. Welchen man sich in allen Belangen zu ergeben hat.

Quellen
Dr.Fadhil Sämäray, Lamasat Bayyaniah

Semantische Paraphrasur der Kreuzigung

Der Koran interagiert in vielen Versen mit der jüdisch-christlichen Tradition und hat eine Art „Wächter-Funktion“. So heißt es „Und Wir haben zu dir das Buch mit der Wahrheit hinabgesandt, das zu bestätigen, was von dem Buch vor ihm (offenbart) war, und als Wächter darüber.“[5:48]
Und in einem anderen Vers „Dieser Koran erzählt den Kindern Israels das meiste von dem, worüber sie uneins sind.“ [27:26]

Wie bereits erwähnt, wollen wir skriptural anhand jüdisch-christlichen Traditionen aufzeigen, wie die koranische narrative Fehler anspricht und diese korrigiert.

Geschichtliche Hintergrund Information:
In der babylonischen Gemara heißt es:
„Ein Zeugnis über Jesus und die Kreuzigung“
„a) Sanhedrin 43ab
וכרוז יוצא לפניו לפניו אין מעיקרא לא והתניא בערב הפסח תלאוהו לישו והכרוז יוצא לפניו מ‘ יום ישו יוצא ליסקל על שכישף והסית והדיח את ישראל כל מי שיודע לו זכות יבא וילמד עליו ולא מצאו לו זכות ותלאוהו בערב הפסח

„On Passover Eve they hung the corpse of Jesus the Nazarene after they killed him by way of stoning. And a crier went out before him for forty days, publicly proclaiming: Jesus the Nazarene is going out to be stoned because he practiced sorcery, incited people to idol worship, and led the Jewish people astray. Anyone who knows of a reason to acquit him should come forward and teach it on his behalf. And the court did not find a reason to acquit him, and so they stoned him and hung his corpse on Passover eve.“*1

Übersetzung:
„Am Vorabend des Pesahfestes hängte man Jeschu den Nazarener, nach dem man ihn durch Steinigung tötete. Vierzig Tage zuvor hatte der Herold ausgerufen: Er wird zur Steinigung hinausgeführt, weil er Zauberei getrieben und Jisrael verführt und abtrünnig gemacht hat; wer etwas zu seiner Verteidigung zu sagen hat, der komme und sage es. Da aber nichts zu seiner Verteidigung vorgebracht wurde, so hängte man ihn am Vorabend des Pesahfestes.“

Peter Schäfer kommentierte dieses talmudische Zeugnis in seinem Buch „Jesus und das Talmud“ folgendermaßen:
„Ich halte dies für eine vorsätzliche Fehldeutung des Neuen Testamentes und eine jüdische narrative bezüglich Jesus. Und eine Legimitation im Bezug auf dass Jesus vollen rechtens exekutiert würde, weil er ein jüdischer Ketzer war.“*3

Jakob von Sarug nannte in seinem Buch „Jesus in the Talmud“ die damaligen Juden als:

„Menschen die damit prahlten einen Mann ans Kreuz geschlagen zu haben.“*4

Wir sehen nun im Folgenden, wie die koranischen Verse diese talmudische narrative aufgreift und korrigiert:

وَقَوْلِهِمْ إِنَّا قَتَلْنَا الْمَسِيحَ عِيسَى ابْنَ مَرْيَمَ رَسُولَ اللَّـهِ وَمَا قَتَلُوهُ وَمَا صَلَبُوهُ وَلَـٰكِن شُبِّهَ لَهُمْ ۚ
„und dafür, daß sie sagten: „Gewiß, wir haben al-Masīḥ ʿĪsā, den Sohn Maryams, den Gesandten Allahs getötet.“ – Aber sie haben ihn weder getötet noch gekreuzigt, sondern es erschien ihnen so.“[4:156]

In diesem Vers heißt es „weder getötet noch gekreuzigt.“ Also sie töten ihn weder durch die Steinigung, noch kreuzigten sie ihn post mortem – sprich nach einem Tode.
Wir können somit eine semantische Verbindung feststellen, denn der Koran erwähnt erst das Töten – welches auf die Steinigung deutet – und danach die Kreuzigung. Also entspricht die koranische Reihenfolge ein direkte Anspielung auf die Aussage im Talmud, um diese in einer paraphrasierenden Weise zu negieren.
(Semantische: Teilgebiet der Linguistik, das sich mit den Bedeutungen sprachlicher Zeichen und Zeichenfolgen befasst.)
Im selben talmudischen Traktbat finden wir eine Anschuldigung gegen über Maryam a.s, welche sie mit der Hurerei beschuldigt und das Jesus a.s einen leiblichen Vater habe.
בן סטדא בן פנדירא הוא אמר רב חסדא בעל — סטדא בועל — פנדירא בעל פפוס בן יהודה הוא אלא אֵימא אמו סטדא אמו מרים מגדלא נשיא הואי כדאמרי בפומדיתא סטת דא מבעלה:]
*5

„Hat denn nicht ben Stada Zauberei aus Ägypten gebracht durch Einritzungen/Tätowierungen in sein/auf seinem Fleisch?“ Zum Familienhintergrund dieses Narren wird dann mitgeteilt: „(War er) der Sohn von Stada (und nicht ganz im Gegenteil) der Sohn von Pandera? Rav Chisda sagte: ‚Der Ehemann war Stada, (und) der Liebhaber war Pandera.‘ ‚(Aber war nicht) der Ehemann Pappos ben Jehuda und vielmehr seine Mutter Stada? Seine Mutter war Mirjam, (die Frau, die ihr) Frauen[haar] lang wachsen ließ. Dies ist, was man über sie [Mirjam] in Pumbeditha sagt: Diese ist abgewichen von (war untreu) ihrem Ehemann.‘“6

In diesem Dialog wird die Frage erörtert, wie ein Widerspruch zwischen zwei Überlieferungen aufzuklären ist. Die eine Überlieferung nennt den Zauberer „Sohn von Stada“, die andere „Sohn von Pandera“. Es wird offenbar als allgemein bekannt vorausgesetzt, wer der Zauberer war. Der Gelehrte Rav Chisda erklärt, Stada sei als Gatte der Kindesmutter der rechtliche Vater gewesen, Pandera der leibliche Vater. Ein ungenannter Gesprächspartner schlägt eine alternative Lösung vor: Der Ehemann sei Pappos ben Jehuda gewesen, ein Gelehrter aus der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts, und Stada sei ein Beiname Mirjams gewesen, der auf ihre Untreue Bezug nahm. Offenbar bestand zwischen den beiden Erklärern Übereinstimmung darüber, dass der Ehebrecher Pandera hieß.*7

Auch diese Anschuldigung aus dem selben talmudischen Traktat wird im Koran im selben Vers behandelt und wieder mit dem Begriff قَوْلِهِمْ, was soviel wie „ihr Ausspruch“ bedeutet, bezeichnet. Denn dieser Begriff hat eine lügnerische Konnotation, im Sinne dass es nur Wörter ohne jeglichen Wahrheitsgehalt sind, welche sie selber sagen.
Deshalb das possessiv Pronomen „ihr“, was aufzeigen soll, dass es nichts anderes, als ihre Wörter sind.
Sure 4 Vers156

وَبِكُفْرِهِمْ وَقَوْلِهِمْ عَلَىٰ مَرْيَمَ بُهْتَانًا عَظِيمًا
„und daß sie ungläubig waren und gegen Maryam gewaltige Verleumdung aussprachen.“
Abschließend:
Die Errettung Jesus a.s ist in seinem Namen, Bibel und Koran festgehalten.

Der Name Jesus:

„Jesus ist die lateinische Form des altgriechischen Ιησούς. Dieses ist im antiken hellenisierten Judentum die Transkription des hebräisch-aramäischen Vornamens Jehoschua (יהושע) mit seinen Kurzformen Jeschua oder Jeschu, erweitert um die griechische Nominativ-Endung -s, die in den anderen Kasus entfällt bzw. ersetzt wird.

Die Etymologie und eine damit mögliche Bedeutung des Namens sind unsicher. Das Matthäusevangelium (Mt 1,21 EU) leitet ihn von der hebräischen Wurzel „jaša“ (retten) ab und wurde damit für die altchristliche Deutung des Namens bestimmend.
Neuere Lexika schließen die Abstammung des Namens aus dem Verb „jaša“ aus. [5] Die traditionelle Deutung des Namens als „Gott ist Rettung/Hilfe/Erlösung“ rechnet mit einer Abstammung des Namens aus der Zusammensetzung von jhw und šuaʿ.“*4

Wir können deutlich sehen, dass Jesus in seiner ursprünglichen Bedeutung einen Zusammenhang mit dem „von Gott errettet werden“, also den Yahwe errettend, aufweist. Auch Dr. Raouf Sa’da ist der Ansicht, dass Jesus derjenige, „den Allah errettete“, bedeutet.
Im Koranvers wird diese Bedeutung im Folgenden ausgedrückt.

Bibel:
Auch in den Psalmen sehen wir den Hinweis auf die Errettung von Jesus.
„Nun merke ich, daß der HERR seinem Gesalbten hilft und erhöht ihn in seinen heiligen Himmel; seine rechte Hand hilft mit Macht.“ [Psalm 20:6]

Koran:
وَإِذْ كَفَفْتُ بَنِي إِسْرَائِيلَ عَنكَ إِذْ جِئْتَهُم بِالْبَيِّنَاتِ
„Und als Ich die Kinder Isra’ils von dir zurückhielt, als du mit den klaren Beweisen zu ihnen kamst.“ [5:110]

Ein weiterer koransicher Vers mit dem wir diesen Beitrag abschließen:
بَل رَّفَعَهُ اللَّـهُ إِلَيْهِ ۚ وَكَانَ اللَّـهُ عَزِيزًا حَكِيمًا
„Nein! Vielmehr hat Allah ihn zu Sich erhoben. Allah ist Allmächtig und Allweise.“[ 4:158]

*1 Sanhedrin 43a
The William Davidson Talmud

*3 Jesus in the Talmud S. 12

*4 Homélies contre les juifs, 44, l. 17

  • 5 Sanhedrin 67a
    The William Davidson Talmud

*6 Übersetzung nach Peter Schäfer: Jesus im Talmud, 3., durchgesehene Auflage, Tübingen 2017, S. 31–33.

  • 7 Peter Schäfer: Jesus im Talmud, 3., durchgesehene Auflage, Tübingen 2017, S. 34–36.

*8 Martin Noth: Dieiu israelitischen Personennamen im Rahmen der gemeinsemitischen Namengebung; Stuttgart: Kohlhammer, 1928. Zitiert bei
Köhler/Baumgartner, Eintrag zu יְהוֹשׁוּעַ; Artikel Joshua in der Encyclopedia