Adam und Eva, Scham und Pornographie

Adam und Eva, Scham und Pornographie
In diesem Beitrag wollen wir auf einen Aspekt der koranischen Erzählung eingehen.
Die Erzählung, insbesondere die der Propheten, enthalten für die Menschen zahlreiche Lehren.
Sie dienen als eine Art Manifestierung der menschlichen Natur, d.h, dass die psychologischen Zustände, sprich die Verhaltensmerkmale des Menschen in diesen Geschichten dargestellt werden. Die koranische Erzählung dient als ein Leitfaden für Gutes, für Ambitionen der seelischen Selbstverwirklichung, unabhängig von Ort und Zeit.

Sure 7,Vers 27

يَٰبَنِىٓ ءَادَمَ لَا يَفْتِنَنَّكُمُ ٱلشَّيْطَٰنُ كَمَآ أَخْرَجَ أَبَوَيْكُم مِّنَ ٱلْجَنَّةِ يَنزِعُ عَنْهُمَا لِبَاسَهُمَا لِيُرِيَهُمَا سَوْءَٰتِهِمَآ ۗ إِنَّهُۥ يَرَىٰكُمْ هُوَ وَقَبِيلُهُۥ مِنْ حَيْثُ لَا تَرَوْنَهُمْ ۗ إِنَّا جَعَلْنَا ٱلشَّيَٰطِينَ أَوْلِيَآءَ لِلَّذِينَ لَا يُؤْمِنُونَ
„O Kinder Ādams, der Satan soll euch ja nicht der Versuchung aussetzen, wie er eure (Stamm)eltern aus dem (Paradies)garten vertrieben hat, indem er ihnen ihre Kleidung wegnahm, um ihnen ihre Blöße zu zeigen. Gewiß, er sieht euch, er und sein Stamm, von wo ihr sie nicht seht. Gewiß, Wir haben die Satane zu Schutzherren für diejenigen gemacht, die nicht glauben“

Dieser Vers ist eine Warnung Allahs für die Menschen bzw. für die Kinder Adams, deswegen wurde in diesem Kontext, welcher sich um die Geschichte von Adam und Eva handelt, die Verwendung „Kinder Adams“ benutzt, sprich für die Menschen gewählt, um eine Relation und eine Echo in die Atmosphäre dieser Ereignisses zu schaffen, als der Satan unsere Großeltern Adam und Eva verführte und die somit aus den Paradiesgärten vertrieb, wurde nicht der Begriff „Insan“ oder „Bäschar“ für den Menschen ausgewählt, sondern das absolut passende Synonym, um eine Orientierung an diese Geschichte zu schaffen. Also wurde anhand des Begriffes eine Atmosphäre geschaffen, welche den Leser in das Szenario der Schöpfungsgeschichte versetzt.

Die Taktik bzw. die List, welche der Satan dafür (aus dem Paradies vertreiben) anwendete, war die Entkleidung von Adam und Eva, sodass deren Schambereich sichtbar wurde.

Rhetorischer Aspekt

In diesem Vers haben wir den Begriff لِبَاسَهُمَا „Libas“ (ihre Kleidung), dieser Begriff deutet auf die Kleidung, welche nah am Körper liegt hin bzw. sich mit der Haut vermischt und diese bedeckt. Diese Wortwurzel wird auch für das Unkenntlichmachen bzw. Vermischen einer Sache benutzt, التلبيس „Talbis“, das Prinzip dahinter ist, dass wenn eine Sache sich mit einer anderen vermischt, sie unkenntlich wird.
Dazu dient nämlich die Kleidung, die die Scham und Konturen des Körpers unkenntlich zumachen bzw. bedecken, indem sich der Stoff an die Haut legt. In unserer heutigen Zeit stellen wir leider fest, wie die Kleidung für genau das Gegenteil benutzt wird, um gewisse Körperstellen hervorzuheben und zu betonen und somit den Reiz hervorzuheben, statt sie zu bedecken.
Der Sprachwissenschaftler Ibn Faris sagt über das Wort ,,Libas“, das die Wortwurzel „L B S“ hat, dass diese auf die Vermischung hindeutet. Und in diesem Fall ist es die Vermischung des Kleidungsstücks mit dem Körper bzw. das Anziehen.*1
Ebenfalls deutet das Wort auf das Bedecken und das Unkenntlichmachen hin.

Wie man sieht, wurde in diesem Vers genau dieser Begriff für die Kleidung benutzt, statt الثياب Thiyab“, welcher die Wortwurzel, „Th W B“ hat und laut Ibn Faris deutet dieses Wort auf die Wiederkehr hin und deshalb wurde die Kleidung so genannt, weil sie immer wieder zu einem zurückkehrt bzw. weil das Gewand nach dem Ablegen immer wieder an den Körper zurückkehrt.*2

Und dann sehen wir noch den Begriff „sarabil“ والسرابيل, welcher auf ein komplett bedeckendes Gewand hindeutet mit einer schütztenden Charakterstik.

Wir sehen also, in unserem Vers wurde der Begriff Libas لِبَاسَ für die Bekleidung ausgewählt mit der Charakteristik des Bedeckens, des Unkenntlichmachens und des Vermischens einer Sache, weil genau dieser eine Harmonie wiedergibt in Anbetracht, dass der Vers darauf deutet, dass der Satan den Menschen von seiner schamhütenden und bedeckenden Kleidung entblößen will. Deswegen wurde genau dieses Synonym, welche die Charakteristik festhält, für die Kleidung ausgewählt, welche der Satan versucht den Menschen zu nehmen.

Auch das Wort für Entblößen bzw. Ausziehen يَنزِعُ „Yänzi’a“ wählt der Koran genauestens aus, um ein Komplettbild der satanischen Anstrengung und Besträbnisses wiederzuspielgeln. Der Begriff النَّزْع deutet auf das Herausziehen einer Sache, durch Stärke von ihrem festgesetzten Platz.3 So wird das Wort für das Entwurzeln eines Baumes benutzt. Und so sehen wir, dass die Charakteristik dieses Wortes in einem anderen Koranvers verwendet wird: تَنزِعُ الناس كَأَنَّهُمْ أَعْجَازُ نَخْلٍ مُّنقَعِرٍ „der die Menschen „entzog“( تَنزِعُ) , als wären sie Stämme entwurzelter Palmen.“4

Das bedeutet, dass durch die Verwendung dieses Begriffes auf die Stärke angedeutet wird, da der Schaytan versucht die Gewänder von Adam und Eva, welche symbolisch für die ganze Menschheit stehen, zu entreißen. Sein Ziel ist es, mit aller Kraft die Kleidung der Menschheit vom Leibe zu reißen, um das Schamgefühl zu entziehen und somit die Scham mit aller Kraft zu entblößen.

Der Koran spiegelt diese teuflische Entblößung anhand einer Metapher wieder, damit der Leser dies verbildlicht. Das Zusammenspiel der ausgewählten Begriffe spiegelt einen Schaytan wieder, welcher mit gesamter Kraft versucht den Menschen, welcher durch die schambedeckendenden Kleidung geschützt ist, der Bekleidung zu entledigen und seine Scham aufzuzeigen.

Gesellschaftliches

Nachdem wir die sprachliche und allgemeine Bedeutung des Verses analysiert haben, wollen wir nun schauen, wie diese satanische Methodik im heutigen Zustand wiedergespiegelt wird.

So wie der Schaytan mit seiner Ur-List versuchte den Mensch zu entblößen bzw. dessen Scham aufzuzeigen, versucht er es heute immer noch mit exakt derselben Methodik, und zwar, indem er die Menschen entkleiden will und die Schamlosigkeit verbreiten will. Denn ein Schlüssel für die Sünden und den Unheil in der Gesellschaft ist das Verschwinden der Schamhaftigkeit. Wenn die Scham gefallen ist, ist der Weg zum Frevel und Verbotenem sehr leicht.
Dass Frauen sich in hautenge, „alles offenbarende“ Kleidungstücke werfen, ist eine dieser Methoden.
Der nackte Frauenkörper wird dahingehend instrumentalisiert, sodass man von Limonaden bis hin zu Bohrmaschinen alles damit verkaufen kann. Es heißt nicht umsonst „Sex Sales“. Ob es Reklame, Tv-Serien, Kleidung oder andere Sachen sind. Nichts von alldem wäre heute denkbar, ohne das Aufzeigen von „Haut“ und weiblichen Reizen.

Viele Frauen kleiden sich reizend, aufgrund des Verlangens nach Anerkennung, welche sie ertrachten. Ob es 13 Jährige Mädchen auf Instagram sind oder ältere Frauen. Viele Frauen versuchen sich durch ihre Reize zu bestätigen bzw. Anerkennung zu erlangen.

Pornographie und das Hirn

Ein weiteres sehr verbreitetes Mittel des Schaytans, um das Schamgefühl aus der Gesellschaft zu entziehen ist die Pornographie, welche mittlerweile genauso wie Kaffe oder Zigaretten eine Volksdroge darstellt. Auch hier arbeitet der Satan mit dem Mittel der Nacktheit bzw. der Schamlosigkeit, eine sehr intensive Form der Nacktheit.
Der Großteil der in Deutschland lebenden Männer ist von dieser Epidemie betroffen. Gerade bei Gläubigen tötet diese Pornographie die Spiritualität, bei vielen jungen Muslimen besonders. Es entsteht eine Entfernung von Allah, dessen Grund die Schamlosigkeit ist.
So wie Adam und Eva die Nähe zu Gott im Paradies verloren, aufgrund der Enthüllung ihrer Scham, welche die Folge der satanischen Einflüsterung war, so verliert der Gläubige heute diese Nähe zu Gott, indem seine Spiritualität getötet wird. Dies geschieht, weil er sich den Götzten der eigenen Triebseele ergibt und in Anbetung vor den pornographischen Bildern zu Boden fällt. Im Koran wird die Sünde des Mordens oft im selben Atemzug mit der Sünde der Unzucht genannt und der Grund dafür ist, wie die Koraninterpreten sagten: „Dass so wie der Mord der Tot des Körpers ist, so ist die Unzucht das Töten der Seele“ und es besteht kein Zweifel darin, dass die Pornographie eine Form der Unzucht ist. Dies sagte der Prophet Mohammed, dass auch die Augen „Zina“ (Unzucht) begehen.

Hirnforscher enthüllen beunruhigende Fakten über die Art und Weise, wie die Pornografie die Schaltkreise des Gehirns neu verkabeln kann. Dies kann in eine tiefe Sucht und zu Verhaltensweisen führen, die früher nie in Betracht gezogen worden wären.

«Wenn man sich Pornografie ansieht, verändert das alles», erklärt William Struthers. «Es verändert die Art und Weise, wie du Frauen ansiehst. Es verändert die Art und Weise, wie du Männer ansiehst. Es verändert die Art und Weise, wie du über dich selbst denkst.»
Struthers ist Professor für Psychologie am Wheaton College und Autor von «Verdrahtete Intimität: Wie die Pornografie das männliche Gehirn entführt».
Das Gehirn ist ein Instrument mit empfindlichen Schaltungen, die durch Signale, die es empfängt, verändert werden, erklärt Struthers: «Das Gehirn ist eines der wenigen Organe, das sich selbst verändert. Die Pornografie nutzt diese sensiblen Schaltkreise im Gehirn bei Männern und auch Frauen aus.»
«Das Gehirn wird vergewaltigt»
In der Vergangenheit gingen die Menschen nicht durchs Leben und sahen Tausende unterschiedlicher Menschen, die die ganze Zeit vor ihnen Sex hatten. «Wenn man Hunderte Männer und Hunderte Frauen und Hunderte von verschiedenen sexuellen Handlungen mit einem Mausklick betrachtet, ist das nicht das, was das Gehirn erwartet. Historisch gesehen ist das nicht das, was das Gehirn erwarten soll.»
Weiter fügt er an: «Wir sind jetzt durch die Technologie an einem Punkt angelangt, an dem das Gehirn durch Pornografie vergewaltigt wird. Es ist wirklich eine Vergewaltigung des Geistes.»
Er vergleicht Pornografie mit dem Passivrauchen unserer Kultur. Menschen können versuchen, davon wegzukommen, den Ärger zu ertragen, oder sie machen mit und werden selbst zu Rauchern.

Adrenalin im Hirn

Wenn man durch Pornos erregt wird, wird Adrenalin im Körper freigesetzt, zusammen mit der Version des Adrenalin im Gehirn, das Noradrenalin genannt wird. «Noradrenalin ist der Neurotransmitter, der dir hilft, morgens aufzustehen und lang anhaltende Erinnerungen zu bilden.»
Ein weiterer Neurotransmitter, der freigesetzt wird, ist Dopamin, das den Menschen hilft, sich zu konzentrieren. Dieses werde auch bei Suchtmitteln freigesetzt. Und bei Pornografie. «Man verliert den Überblick über alles andere. So wird eine Person, die Pornografie betrachtet, in sie hineingezogen. Dabei geht alles andere vergessen, was um einen herum vor sich geht. Man verliert die Zeit aus den Augen.»

Gute Bindungen, schlechte Bindungen

Wenn der sexuelle Bedarf gedeckt ist, wird ein drittes Neuropeptid freigesetzt, «nämlich endogene Opiate, die auch Endorphine genannt werden. Wenn sie freigegeben werden, spürt die Person Euphorie und eine Auflösung aller Spannungen im Körper.»
Weiter hält Struthers fest: «Zwei kleinere Hormone, Oxytocin und Vasopressin, dienen dazu, eine Person an das zu binden, was auch immer es war, das ihren Bedürfnissen entsprach. Es ist Gottes Plan, aneinander gebunden zu sein, und das ist eine gute Sache, wenn diese Bedürfnisse angemessen erfüllt werden.»
Bei Pornos ist die Person aber an die Darstellungen anderer Personen gebunden. «Es ist schwierig, sich mit Bildern ausreichend zu erregen, also wird die Person normalerweise viele verschiedene Bilder ansehen müssen.»
Da die Befriedigung immer schwieriger zu erreichen ist, streben Süchtige nach Neuheit und sind letztendlich an eine Reihe von Verhaltensweisen gebunden. Deswegen werden die pornographischen Inhalte, die konsumiert werden, immer extremer. Dies kann auch das Intimleben mit dem Partner gefährden, da der Partner allein für den Konsumenten nicht mehr reicht, um „genug“ erregt zu werden.

Fazit

Wir sehen an diesen Versen, dass der Ausgangspunkt des Menschen die Bekleidung und die Bedeckung ist und das Hüten der Scham, obwohl immer suggeriert wird, dass das Adamskleid die Nacktheit darstellt.
So heißt es in einem anderen Vers

Sure 20, Vers 121
فَأَكَلَا مِنْهَا فَبَدَتْ لَهُمَا سَوْءَٰتُهُمَا وَطَفِقَا يَخْصِفَانِ عَلَيْهِمَا مِن وَرَقِ ٱلْجَنَّةِ ۚ وَعَصَىٰٓ ءَادَمُ رَبَّهُۥ فَغَوَىٰ
„So aßen sie beide davon, und da zeigte sich ihnen ihre Blöße offenkundig, und sie begannen, Blätter des (Paradies)gartens auf sich zusammenzuheften. So widersetzte Ādam sich seinem Herrn, und da fiel er in Verirrung.“

Also die Nacktheit, in welche sie gerieten, war für Adam und Eva unangenehm, daher beeilten sie sich und nahmen sich Blätter, um sich zu bedecken, sodass keiner ihre nackten Körper zu sehen bekam. Der nackte Körper ist kein natürlicher Zustand, wie manche Naturalisten heute behaupteten.

Wir sehen also, dass der Koran in seiner narrative die Zustände von Adam und Eva bezüglich ihrer Scham wiedergibt und dass diese durch das Befolgen der satanischen Einflüsterung ihre Kleider verloren und deren Scham sich entblößte. Und dies ist die Hauptaufgabe des Satans, nämlich dem Menschen die Schamhaftigkeit zu entziehen bzw. die Schamlosigkeit zu verbreiten, damit die Gesellschaft sich von Allah entfernt. Und wir wissen letztendlich, dass die Scham zur natürlichen Veranlagung gehört, deshalb nahmen sich Adam und Eva Blätter, um ihren Scham zu bedecken.

Diese tiefenpsychologische Nuance, und zwar, dass die Scham im Menschen verankert ist und ein natürlicher Zustand ist, ist am besten bei Kleinkindern zu beobachten, welche noch auf ihrer gesunden Natur sind bis gesellschaftliche Umstände diese verändern.

*1 Maqais allugha, Ibn Faris
*2 Maqais allugha, Ibn Faris
*3 Aldur al masun, Samin al halabi
*4 Sure 54, Vers 20

Das satanische Versprechen

Koran und der Mensch

Das satanische Versprechen

In der Schöpfungsgeschichte von Adam und Eva sind viele tiefgründige Weisheiten enthalten, welche den Charakter des Menschen wiederspiegelt bzw. seine Urpsyche hier liegt. Neben dem Schöpfungscharakter, welcher diese Geschichte enthält, wird auch die metaphysischie Ebene angesprochen, also über das Verhalten des Menschen, seine Wünsche und Begierden. Darum geht es hier in diesem Beitrag, die tiefgründige Analyse der menschlichen Psyche, welche der Koran in der lehrreichen Geschichte von Adam und Eva sowie Satan wiedergibt.

Die Erzählung dieses Ereignisses ist ein Wunder des Korans, welcher eine Geschichte aus einer verborgenen Welt erzählt, von einem Ereignis, an dem niemand teilnahm. Wenn wir bedenken, dass der Prophet Muhammed ein einfacher Kaufmann war, dann war der Handel seine Beschäftigung und auch sein genereller Sprachgebrauch und Denkweise waren durch den Handel geprägt. Woher sollte somit diese Geschichte, welche auch in dieser Form nicht in der Bibel auftaucht, stammen, wenn es nicht die Offenbarung Gottes ist.

Es handelt sich um folgende Verse:

Sure 7 Vers 20-22

„Da flüsterte ihnen der Satan ein, um ihnen offen zu zeigen, was ihnen von ihrer Blöße verborgen war. Und er sagte: „Euer Herr hat euch diesen Baum nur verboten, damit ihr nicht Besitzt erlangt oder zu den Ewiglebenden gehört.

Und er schwor ihnen: „Ich gehöre wahrlich zu denjenigen, die euch guten Rat geben.“

So verführte er sie trügerisch. Als sie dann von dem Baum gekostet hatten, zeigte sich ihnen ihre Blöße offenkundig, und sie begannen, Blätter des (Paradies)gartens auf sich zusammenzuheften. Und ihr Herr rief ihnen zu: „Habe Ich euch nicht jenen Baum verboten und euch gesagt: Der Satan ist euch ein deutlicher Feind?“

Erkläung der Verse

Das hierbei für das Flüstern verwendete Wort lautet „waswas“. Laut Ibn Juzey und anderer Gelehrten ist das Wiederholen der Silbe eines Wortes in der Sprache ein Stilmittel, um die Fortwährigkeit einer Sache aufzuzeigen.*1

In Tafsir al Munir wird das „waswas“ als eine Sache definiert, welche das Reden mit einer leisen Stimme darstellt, die auch im metaphorischen Sinne Gedanken bzw. Ideen sein können, welche den Menschen immer wieder beschäftigen und stets auftauchen.*2

Somit ist das Einflüstern, sprich „waswas“, was auch im Wortklang ein flüsterndes und wiederholendes Bild darstellt, eine Methodik des Satans, um den Menschen zu verführen bzw. ihn auf schlechte Wege zu führen, entweder in Form von Gedanken oder einer leisen Stimme.

Mit dem Wort „Ihnen“, auf Arabisch „Lehume“, werden Adam und Eva als ein duales Plural erwähnt, um zu zeigen, dass Satan beiden einflüssterte. Generell geht es auch um die Anweisung von Gott bzw. in jeder Ansprache gegenüber Adam und Eva wird das duale Plural benutzt, um aufzuzeigen, dass beide als Mann und Frau in selber Verantwortung vor Gott stehen. Dies ist natürlich ein Korriegieren des Korans der biblichen Schöpfungsgeschichte, wo es laut Genesis 3:1-9 heißt, dass Eva vom Teufel verführt wurde und sie Adam veführte, was in kirchlichen Kreisen zur Degradierung der Frau, welche als Verführerin des Mannes galt, führte. Dies hatte später auch einen großen Einfluss auf das Verständnis über die Rolle der Frau.

Wir sehen alleine dadurch, wie wichtig die koranische Korrektion dieser falschen Prinzipien ist und dass durch Nutzung des dualen Plurals, dadurch, dass beide angesprochen werden und in Verantwortung stehen, die Gleichberechtigung von Mann und Frau vom ersten Tag an im wahrsten Sinne des Wortes angezeigt wird.

Weiter heißt es im Vers, dass Satan ihm und vielen anderen Gelehrten Folgendes einflüsterte*3

„Euer Herr hat euch diesen Baum nur verboten, damit ihr nicht Besitz erlangt oder zu den Ewiglebenden gehört.“

Und er schwor ihnen: „Ich gehöre wahrlich zu denjenigen, die euch guten Rat geben.“

Wenn wir sehen, was der Satan den Menschen versprochen hatte, und zwar sagte er, dass Allah ihnen nur von gerade diesem Baum abgehalten hatte, damit sie nicht ewig lebend seien oder zu viel Besitz erlangen würden.

Das Prinzip von Forever Young steht hier im satanischen Fokus. Der Mensch kann den Gedanken, eines Tages nicht mehr zu existieren, nicht ertragen. Dass wir ewig sein wollen, kann neben des eigenen Zustands auch durch die Geschichte nachvollzogen werden..

Ob es die Suche nach dem Jungbrunnen zu früherer Zeit ist oder die Beliebtheit der AntiAging Mittel zur heutigen Zeit, ist gleich. (Im Jahr 2016 betrug das Marktvolumen von Anti-Aging-Produkten in China rund 5,4 Milliarden US-Dollar). Auch das erhöhte Aufkommen der Fitnesskultur liegt daran, dass die Menschen jung bleiben wollen es hassen, älter zu werden. Milliardenumsätzte werden durch Anti-Aging-Produkte erzielt, da Altern als eine Schwäche erachtet wird. Die körperliche Form und Fitness soll ewig verbleiben und es soll eine „Legende hinterlassen werden, an die sich die Menschen immer erinnern. Diese zwei Prinzipen beschreiben den Menschen genaustens, vor allem will der Mensch den Leuten in Erinnerung bleiben und nicht sterben.

Der Satan sagte, dass Allah nicht will (aus Hass), dass Adam und Eva ewiglebend sind, nach Az Zamakschari und Sibaway at Tabari.*4 Dies enthält einen weiteren wichtigen Punkt, dass Satan einem einflüstert, dass Allah nichts Gutes für den Menschen will und ein Feind des Menschen ist.

Dieses Konzept wurde von vielen Philosophen aufgenommen, nämlich, dass es eine Konkurrenz zwischen Gott und dem Menschen gibt, eine Art Krieg. Dies ist alles satanische Propaganda, welche den Menschen eingeflüstert wird.

Der andere Punkt ist jener des Besitztens. So heißt es im Vers „damit ihr nicht Besitz erlangt“. Für die meisten Menschen ist der Besitz das Wichtigste überhaupt, der Materialisimus ist die Religion mit den meisten Anhängern und den Aufopferungsvollen, weil man durch Besitz profitiert und da man durch großes Eigentum eine Besonderheit ist und eine höhere Position im Diesseits erhält. Leute in unserer heutigen Gesellschaft werden nämlich nach dem Besitz gewertet.

Die Frage nach dem Beruf oder Einkommen ist letztendlich nur eine Frage, um sein Gegenüber zu bewerten, weil wir anhand materialistischen Werten Menschen beurteilen und ihnen ihren Wert zusprechen.

Also sehen wir zwei tiefpsychologische Merkmale, welche hier in diesem Vers von Satan angesprochen werden, um den Menschen zu verführen und zwar mit Dingen, mit denen sich die Menschen in allen Zeiten mehr oder weniger identifizieren können. Es sind die Punkte, welche den gemeinsamen Nenner der Menschheit reflektieren, nämlich Besitz und Ewigkeit sprich Legende, was einen in allen Gesellschaften unveränderlichen Wertemaßstab darstellt.

Weiter heißt es im Vers:

„Und er schwor ihnen: „Ich gehöre wahrlich zu denjenigen, die euch guten Rat geben.“

Hier kommentiert Al Alousi das Wort für Schwören „taqasamu“ im Arabischen, muf3ala, also eine Übertreibung im Schwur, was ein Bild eines stark schwörenden, immer wieder bezeugenden Satan, wiedergibt.

Der nächste Teil des Verses

„So verführte er (Satan) sie trügerisch. Als sie dann von dem Baum gekostet hatten, zeigte sich ihnen ihre Blöße offenkundig, und sie begannen, Blätter des (Paradies)gartens auf sich zusammenzuheften. Und ihr Herr rief ihnen zu: „Habe Ich euch nicht jenen Baum verboten und euch gesagt: Der Satan ist euch ein deutlicher Feind?“ “

Das arabische Wort für „So verführte er sie trügerisch“ heißt „Fädälehum bighurur“ im Arabischen und wurde für jemanden verwendet, der einen Eimer langsam in den Brunnen herunterlässt, um Wasser zu holen, und nach dem hochziehen feststellt, dass der Eimer bzw. der Brunnen leer ist.

Das ist das Sinnbild der satanischen List, sie führt dazu, dass man am Ende mit leeren Händen dasteht.

Dies ist sinnbildlich dafür, dass die meisten Menschen auf dieser Welt entweder dem Geld sprich dem Besitz hinterherlaufen oder der ewigen Jugend hinterhereifern oder sich selbst als eine Legende hinterlassen wollen. Am Ende stellen sie schließlich fest, dass all dies nicht der Sinn des Lebens ist und dass alles Materielle vergänglich ist, zu diesem Zeitpunkt ist es dann allerdings zu spät.

Ein weiterer wichtiger Aspekt dieses Verses ist „Als sie dann von dem Baum gekostet hatten, zeigte sich ihnen ihre Blöße offenkundig, und sie begannen, Blätter des (Paradies)gartens auf sich zusammenzuheften“

Die Gelehrten kommentierten diesen Vers so, dass das stärkste Mittel des Satans damals, wie auch heute, die Schamlosigkeit ist. Also die Nacktheit bzw. das Entblößen der Reize war sowohl das damalige als auch das heute Mittel des Satans, weil durch die Reize der Frau bzw. ihre Nackheit die Mehrheit der Männer ihren Schutz verlieren. Es ist das Kryptonit des Mannes, welches gezielt eingesetzt wird, ob es das Verkaufen von Produkten ist oder die Pornoindustrie, welche Milliarden umsetzt und der Grund für den Bruch vieler Ehen ist. Auch die Filmbranche oder die Kleidungsindustrie ebenso. In ausnahmslos allen Bereichen wird der Körper der Frau eingesetzt, um Gewinne zu erzielen. Dadurch soll eine Morallosigkeit in der Gesellschaft geschaffen werden, welche zu Sünden führen soll.

Im weiteren Verlauf heißt es im Zitat „und sie begannen, Blätter des (Paradies)gartens auf sich zusammenzuheften“. Dies zeigt uns, dass die Bedeckung der Scham zu der natürlichen Veranlagung (fitra) des Menschen gehört. Da Adam und Eva die ersten Menschen waren, gab es niemanden, welcher ihnen dieses Schamgefühl bezwecken bzw. das Bedecken der Scham lehrte. Dieses instiktive Greifen zu den Blätern seitens von Adam und Eva ist eine Lehre für die Menschheit. Es zeigt die psychologische Wahrheit, dass der Mensch ein Schamgefühl in sich trägt, welches wir sehr schön bei Kindern beobachten können, weil bei ihnen die natürliche Veranlagung besonders zu spüren ist, bevor sie durch äußere Einflüsse ihres Schamgefühles entraubt werden. Banal gesprochen bedeutet das, dass sich die Nacktheit durch soziale Medien oder die „Internetnacktheit so imense verbreitet.

Zusammengefasst

Sehen wir in diesen Versen eine Psychoanalye der Menschheit und tiefe innere Wünsche des Menschen. Der Satan ist der Feind des Menschen, welcher ihn mit falschen Versprechen in die Irre treibt, deswegen wird das Wort „schaytan“ für Satan im Arabischen verwendet und kommt von schatana“, was bedeutet dauerhauft anstrengen, um etwas zu erreichen. Das ist das satanische Ziel, die Menschheit mit falschen Versprechen in die Irre zu führen und ihn mit seinen eigenen Wunschvorstellungen sowie mit seiner stärksten Waffe die Nackheit des Menschen zu bezwecken bzw. das menschliche Schamgefühl, welches in der menschlichen Veranlagung liegt, zu berauben. Er malt dem Menschen ihre schlechten Taten schön aus und bringt diese somit dazu, schlechte Dinge zu tun.

*1 Tafsir Ibn djuzey Sure 7 Vers 20-22

* 2Tafsir al Munir Sure 7 Vers 20-22

*3 Tafsir Attabari Sure 7 Vers 20-22

*4Tafsir Attabari Sure 7 Vers 20-22

Aktiv – Passiv

Aktiv – Passiv

In diesem Beitrag wollen wir eine weitere rhetorische Feinheit im Koran aufzeigen. Im Koran gibt es folgenden Fall, dass an einigen Stellen, sich Allah gewisse Dinge zuschreibt, indem Er zum Beispiel sagt „Wir gaben ihnen das Buch“ und an anderen Stellen steht der Satz mit „ihnen wurde das Buch gegeben“ im Passiv.

Die Frage, die sich nun stellt, ist, warum steht die Aussage, dass den Menschen, die Offenbarung Gottes gegeben wurde im Passiv und an anderen Stellen verbindet Allah die Vergabe des Buches mit sich selbst bzw. spricht in der Ich/Wir-Form.

Die Antwort ergibt sich aus dem Kontext heraus: Wann immer der lobende Aspekt bezüglich der Menschen, denen das Buch gegeben wurde, gegeben ist, Allah die Gabe auf sich bezieht, da er zufrieden mit ihnen ist.
Aber wenn der Ausspruch einen Kontext der Kritik beinhaltet, so steht der Verslaut im Passiv, als denjenigen, denen das Buch gegeben wurde.

Der Sinn dahinter ist ein einfacher: Wenn wir jemanden oder etwas ehren bzw. als positiv betrachten, beziehen wir eine Art Verbindung zu dieser Sache/Person. Und genauso ist es andersrum, wenn wir eine Sache verabscheuen, trennen wir uns von ihr bzw. erwähnen nicht die Verbundenheit zu ihr.

Nun wollen wir uns die Verse diesbezüglich anschauen, um zu sehen, wie dieses Prinzip bestätigt wird.

Sure 2, Vers 101

وَلَمَّا جَاءهُمْ رَسُولٌ مِّنْ عِندِ اللّهِ مُصَدِّقٌ لِّمَا مَعَهُمْ نَبَذَ فَرِيقٌ مِّنَ الَّذِينَ أُوتُواْ الْكِتَابَ كِتَابَ اللّهِ وَرَاء ظُهُورِهِمْ كَأَنَّهُمْ لاَ يَعْلَمُونَ
„Und als (nun) zu ihnen ein Gesandter von Allah gekommen ist, das bestätigend, was ihnen (an Offenbarungen) bereits vorlag, da hat eine Gruppe von denjenigen, denen die Schrift gegeben wurde, das Buch Allahs hinter ihren Rücken geworfen, als ob sie nicht Bescheid wüßten.“

Darin sehen wir, es heißt أُوتُواْ الْكِتَابَ „denen die Schrift gegeben wurde.“
Da der Kontext einen Ausspruch der Kritik beinhaltet, steht dieser Vers im Passiv.

Ein weiterer Vers:

Sure 2, Vers 145

‎وَلَئِنْ أَتَيْتَ الَّذِينَ أُوْتُواْ الْكِتَابَ بِكُلِّ آيَةٍ مَّا تَبِعُو
„Selbst wenn du zu denjenigen, denen die Schrift gegeben wurde, mit jeglichen Zeichen kämest, würden sie doch nicht deiner Gebetsrichtung folgen; noch folgst du ihrer Gebetsrichtung. Und auch untereinander folgen sie nicht der Gebetsrichtung der anderen.“

Auch in diesem Vers sehen wir eine Kritik über die Leute, denen das Buch gegeben wurde. Weswegen die entsprechende Verwendung des Verses im Passiv steht.

Ein weiterer Vers:

‎يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوَاْ إِن تُطِيعُواْ فَرِيقًا مِّنَ الَّذِينَ أُوتُواْ الْكِتَابَ يَرُدُّوكُم بَعْدَ إِيمَانِكُمْ كَافِرِينَ
„Sag: O Leute der Schrift, warum haltet ihr die, die glauben, von Allahs Weg ab, indem ihr danach trachtet, ihn krumm zu machen, wo ihr doch Zeugen seid? Doch Allah ist nicht unachtsam dessen, was ihr tut.
O die ihr glaubt, wenn ihr einer Gruppe von denen gehorcht, denen die Schrift gegeben wurde, werden sie euch, nachdem ihr den Glauben (angenommen) habt, wieder zu Ungläubigen machen.“

Wie wir sehen, ist der Kontext wieder ein deutlicher Ausdruck von Kritik, nämlich des Abwenden und Abhalten von dem Wege Gottes, weswegen diejenigen, denen das Buch gegeben wurde, wieder in der Passiv-Form steht.

Sure 98, Vers 4

‎وَمَا تَفَرَّقَ الَّذِينَ أُوتُوا الْكِتَابَ إِلَّا مِن بَعْدِ مَا جَاءتْهُمُ البينة
„Und diejenigen, denen die Schrift gegeben wurde, haben sich nicht eher gespalten, als bis der klare Beweis zu ihnen gekommen ist.“

Wieder sehen wir einen Kontext der Kritik im obigen Vers und zwar, dass die Leute der Schrift sich aufgespalten haben und dementsprechend wurde auch in diesem Fall die Passiv-Form verwendet.

Sure 4, Vers 44

‎أَلَمْ تَرَ إِلَى الَّذِينَ أُوتُواْ نَصِيبًا مِّنَ الْكِتَابِ يَشْتَرُونَ الضَّلاَلَةَ وَيُرِيدُونَ أَن تَضِلُّواْ السَّبِيلَ
„Siehst du nicht jene, denen ein Teil der Schrift gegeben wurde? Sie erkaufen das Irregehen und wollen, dass (auch) ihr vom Weg abirrt.“

Auch in diesem Vers geht es um das Verkaufen der Religion Gottes für einen niedrigen Preis, welches natürlich eine kritische Beschreibung darlegt. Von daher macht die Verwendung des Passives, um eine Entfernung aufzuzeigen, absolut Sinn.

Nachdem wir aufgezeigt haben, dass jedesmal wenn der Kontext eine kritischen Charakter gegenüber den Leuten der Schrift verdeutlicht, wird „das Geben des Buches“ im Passiv verwendet, also أُوتُوا الْكِتَابَ / (denen, die die Schrift gegeben wurde). Um eine Distanz aufzuzeigen, welche durch das Passiv vermittelt wird.

Nun werden wir aufzeigen das jedes Mal, wenn im Kontext ein Lob bzw. eine positive Erwähnung vorhanden ist, Allah das Geben des Buches auf sich bezieht, also mit dem Ausspruch „denjenigen, denen Wir das Buch gegeben haben.“

Es folgen einige Verse:

Sure 2, Vers 121

‎الَّذِينَ آتَيْنَاهُمُ الْكِتَابَ يَتْلُونَهُ حَقَّ تِلاَوَتِهِ
„Diejenigen, denen Wir die Schrift gegeben haben, lesen sie, wie es ihr zusteht; sie glauben daran. Wer sie jedoch verleugnet, das sind die Verlierer.“

Hier handelt es sich um diejenigen denen, das Buch gegeben wurde, die daran glauben und es verlesen, wie es dem Buche gebührt. Also sehen wir ein Kontext des Lobes für die besagten Personen, denen das Buch gegeben wurde. Deshalb bezieht Allah das Geben des Buches auf sich bzw. spricht in der Form der Ehrung „diejenigen, denen Wir die Schrift gegeben haben.“

Ein weiterer Vers:

Sure 6, Vers 89

‎أُوْلَـئِكَ الَّذِينَ آتَيْنَاهُمُ الْكِتَابَ وَالْحُكْمَ وَالنُّبُوَّةَ
„Das sind diejenigen, denen Wir die Schrift, das Urteil und das Prophetentum gegeben haben. Wenn aber diese es verleugnen, so haben Wir damit schon (andere) Leute betraut, die dem gegenüber nicht ungläubig sind.“

In diesem Vers handelt es um die Gläubigen, welche sich gegen die Ungläubigen stellen und somit Gottes Lob verdienen.
Somit stellen wir auch hier ein klares Lob fest, weswegen Allah das Geben des Buches auf sich bezieht, um die benannten Gläubigen zu ehren.

Sure 13, Vers 39

‎وَالَّذِينَ آتَيْنَاهُمُ الْكِتَابَ يَفْرَحُونَ بِمَا أُنزِلَ إِلَيْكَ
„Diejenigen, denen Wir die Schrift gegeben haben, sind froh über das, was (als Offenbarung) zu dir herabgesandt worden ist. Unter den Gruppierungen gibt es manche, die einen Teil davon nicht anerkennen. Sag: Mir ist befohlen worden, Allah zu dienen und Ihm nicht(s) beizugesellen. Zu Ihm rufe ich, und zu Ihm ist meine Heimkehr.“

Auch hier geht es im Kontext um die Gläubigen, welche sich freuen, dass ihnen das Buch gegeben wurde.

Sure 29, Vers 47

‎وَكَذَلِكَ أَنزَلْنَا إِلَيْكَ الْكِتَابَ فَالَّذِينَ آتَيْنَاهُمُ الْكِتَابَ يُؤْمِنُونَ بِهِ
„Und so haben Wir das Buch zu dir hinabgesandt. Diejenigen, denen Wir die Schrift gaben, glauben daran. Und auch unter diesen da gibt es manche, die daran glauben. Nur die Ungläubigen verleugnen Unsere Zeichen.“

Zusammenfassung:
Wir sehen also, dass immer dann, wenn im Kontext ein Lob, für die Gläubigen ausgedrückt wird, Allah stetig das Geben des Buches auf sich bezieht, als eine Art Ehrung. Und jedes Mal, wenn im Kontext eine Kritik ausgesprochen wird, so wird das Geben des Buches im Passiv erwähnt, um eine gewisse Distanz zwischen Allah und diejenigen Menschen aufzuzeigen.

Dem Untergang geweiht

Dem Untergang geweiht

In diesem Beitrag wollen wir auf die geschichtliche Erwähnung von untergegangen Völkern eingehen, welche als Mahnmal fungieren. Diese Ruinen der früheren Völker sollten den Quraisch also den mekkanischen Götzendienern, welche sich gegen die Muslime und den Propheten ﷺ auflehnten, eine Lehre sein.
Diejenige Lehre, wie doch das Ende der vorigen Völker war, welche sich gegen ihren Propheten auflehnten. Die Araber kannten die Geschichten vom Propheten Ṣālīh und seinem Volk Thāmūd oder die Geschichte von Lot.

Sure 30, Vers 9

أَوَلَمْ يَسِيرُوا فِي الأَرْضِ فَيَنظُرُوا كَيْفَ كَانَ عَاقِبَةُ الَّذِينَ مِن قَبْلِهِمْ كَانُوا أَشَدَّ مِنْهُمْ قُوَّةً وَأَثَارُوا الأَرْضَ وَعَمَرُوهَا أَكْثَرَ مِمَّا عَمَرُوهَا وَجَاءَتْهُمْ رُسُلُهُم بِالْبَيِّنَاتِ فَمَا كَانَ اللَّهُ لِيَظْلِمَهُمْ وَلَكِن كَانُوا أَنفُسَهُمْ يَظْلِمُونَ
„Sind sie denn nicht auf der Erde umhergereist, so dass sie schauen (konnten), wie das Ende derjenigen war, die vor ihnen waren? Sie hatten eine stärkere Kraft als sie, pflügten und bevölkerten das Land noch mehr, als sie es bevölkerten. Und ihre Gesandten kamen zu ihnen mit den klaren Beweisen. Aber nimmer ist es Allah, der ihnen Unrecht getan hat, sondern sie selbst haben sich Unrecht zugefügt.“

Die klassischen Koran-Exegeten erwähnen hier, dass Allah die die Götzendiener von Mekka auffordert, auf der Erde einher zu gehen, nachzudenken. Sie sollen eine Lehre daraus zu ziehen, wie das Ende vor der Menschen vor ihnen war, welche hochentwickelte Zivilisationen hatten, architektonische Meisterleistungen besaßen und sich zum Höhepunkt der damaligen Gesellschaften hoch arbeiteten.

All dies schützte sie trotzdem nicht vor dem Untergang.
Im selben Vers heißt es danach: „Sie hatten eine stärkere Kraft als sie.“ Gemeint ist hier, dass diese Gesellschaften den Mekkanern militärisch überlegen waren, also was die Größe der Arme und das Waffenarsenal angeht.

Danach sagt Allah: „Sie pflügten und bevölkerten das Land noch mehr, als sie (die Mekkaner) es bevölkerten“, d.h. im Sinne von Landwirtschaft. Denn das Wort „pflügten“, deutet sowohl auf die Ökonomie, als auch auf die Bebauung und Produktion hin. Darüber hinaus kann auch der Rohstoffabbau gemeint sein, sprich das Extrahieren von Rohstoffen aus der Erde, wie Erdöl, Metalle usw., wie es Abū ʿUbaida (gest. 209 n.H.) in [Maǧāz al-Qurʾān] sagte.

Wir sehen diese kulturgeschichtliche Nuance in diesem Koranvers Vers, welcher eine Zusammenfassung des Bestrebens von Zivilisationen darstellt. Diese galt als Drohung für die Quraisch, denn selbst die fortgeschritteren und stärkeren Zivilisationen konnten sich vor dem Untergang nicht schützen.
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Viele Zivilisationen glaubten durch die hohe Bevölkerungsanzahl, der Militärmacht und Produktion unsterblich zu sein. Trotzdem ist jede Zivilisation dem Untergang geweiht.

Rhetorisches

Einen sehr interessanten Punkt erwähnt Maḥmūd b. Ḥamza al-Kirmānī in [Mutaschābih al-Qurʾān] hinsichtlich der Satzkonstruktionen von

Sure 6, Vers 11,
ثُمَّ انْظُرُوا كَيْفَ كَانَ عَاقِبَةُ الْمُكَذِّبِينَ

Sure 16, Vers 36,
فَانْظُرُوا كَيْفَ كَانَ عَاقِبَةُ الْمُكَذِّبِينَ

und Sure 30, Vers 9.
فَيَنظُرُوا كَيْفَ كَانَ عَاقِبَةُ

Die deutsche Übersetzung für diese Verse lautet:
„Sag: Reist auf der Erde umher und/ dann schaut, wie das Ende der Leugner war.“

Das Wort „ṯumma ثُمَّ“ wird in den Koranübersetzungen mit „und“ oder „dann“ übersetzt. In der arabischen Sprache hat es jedoch eine viel stärkere Aussagekraft: Es vermittelt einen Zeitabstand und dient als Einleitung in den nächsten Satz.
Der Buchstabe „fa فَ“, der in den zweit- und drittgenannten Koranversen vorkommt, hat die Funktion unmittelbar in das Verb zu münden.
Nochmal zum Vergleich فَانْظُرُوا und ثُمَّ انْظُرُوا.

Der zeitliche Abstand durch „ṯumma“ dient der Besinnung bzw. das Nachdenken über den Untergang der vorigen Völker. Warum wurde hier „ṯumma“ verwendet und nicht das „fa“? Nur in Sure 6 (al-Anʿām) kommt nämlich „ṯumma“ vor.

Grund ist der Kontext: In Sure 6 wurde die Strafe für die Völker beschrieben, während es bei den anderen beiden Koranversen nicht der Fall ist und zwar in Vers 6.

Sure 6, Vers 6

أَلَمْ يَرَوْا كَمْ أَهْلَكْنَا مِن قَبْلِهِم مِّن قَرْنٍ مَّكَّنَّاهُمْ فِي الأَرْضِ مَا لَمْ نُمَكِّن لَّكُمْ وَأَرْسَلْنَا السَّمَاء عَلَيْهِم مِّدْرَارًا وَجَعَلْنَا الأَنْهَارَ
تَجْرِي مِن تَحْتِهِمْ فَأَهْلَكْنَاهُم بِذُنُوبِهِمْ وَأَنشَأْنَا مِن بَعْدِهِمْ قَرْنًا آخَرِينَ
„Haben sie nicht gesehen, wie viele Geschlechter Wir vor ihnen vernichteten, denen Wir auf der Erde eine feste Stellung verliehen hatten, wie Wir sie euch nicht verliehen haben, und auf die Wir den Regen ergiebig (hinab)sandten, und unterhalb derer Wir Flüsse strömen ließen? Und da haben Wir sie für ihre Sünden vernichtet und nach ihnen ein anderes Geschlecht entstehen lassen.“

Deswegen müsste man sinngemäß den Koranvers wie folgt übersetzen: „Sodann denkt nach und lasst euch dabei Zeit diese ganzen erwähnte Szenarien zu analysieren (ṯumma) und zu einem Schluss zu kommen“.

Durch den Kontext bzw. die Erwähnung der Straf(en) hat dies eine unmittelbare Auswirkung auf den Syntax (ṯumma statt fā). Es visualisiert das Szenario und man soll tiefgreifender darüber nachdenken.

Bei der Verwendung von „فَانْظُرُوا“ („und schaut (bedenkt)“) ist dies nicht der Fall. Dort wird lediglich durch das erblickte zu bedenken gegeben, also eine schnellere Charakteristik, da in diesem Kontext der Verwendung keine detaillierte Beschreibung der Vernichtung erwähnt wird.

Ein weiter Punkt der Rhetorik in diesem Vers ist die Verwendung des Begriffes عاقبة (Das Ende), welches im Koran weiblich oder auch männlich vorkommt. كَانَ عَاقِبَةُ ist die maskuline Form und كانت عاقبة ist die feminine mit einem extra ت.

Wenn wir den Kontext des Vorkommens der männlichen und weiblichen Versionen dieses Wortes „Betrachten“ stellen wir fest das die männliche Version des Wortes wie sie in unserem Vers vorkommt nur im Zusammenhang mit der Strafe erwähnt wird, also das Ende, das ein Sinnbild für die Strafe darstellt, ist maskulin, weil die Strafe einen kraftvolle Charakteristik besitzt, welche sich deswegen durch die Verwendung des Maskulins definiert.

Jedes Mal wenn der Begriff „Ende“ im feminin genutzt wird (كانت عاقبة), ist hier mit dem „Ende“ das Paradies gemeint, welches eine schönen, weichen, versorgenden Charakter besitzt. Deswegen wird hier das feminine benutzt, welche all diese Charakteristiken ausstrahlt, um diese Bildlandschaft zu vermitteln.

(وَأَمْطَرْنَا عَلَيْهِمْ مَطَرًا فَانْظُرْ كَيْفَ كَانَ عَاقِبَةُ الْمُجْرِمِينَ (84) الأعراف)
„Und Wir ließen einen Regen auf sie niedergehen. So schau, wie das Ende der Übeltäter war!“

(فَانْظُرْ كَيْفَ كَانَ عَاقِبَةُ الْمُنْذَرِينَ (73) الصافّات
„So schau, wie das Ende der Gewarnten war.“

Jetzt im folgenden Vers ist das „Ende“ feminin und so wurde es mit Wohnstätte bzw. Paradies übersetzte.

قُلْ يَا قَوْمِ اعْمَلُواْ عَلَى مَكَانَتِكُمْ إِنِّي عَامِلٌ فَسَوْفَ تَعْلَمُونَ مَن تَكُونُ لَهُ عَاقِبَةُ الدِّارِ إِنَّهُ لاَ يُفْلِحُ الظَّالِمُونَ
„Sag: O mein Volk, handelt nach eurer Stellung! Ich werde ebenfalls (so) handeln. Dann werdet ihr (noch) erfahren, wem die letztendliche Wohnstätte (عَاقِبَةُ) gehören wird. Gewiss, den Ungerechten wird es nicht wohl ergehen.

Wir sehen die exakte Verwendung der Nutzung von feminin und maskulin:

maskulin: Zustände der Warnung und Angst
feminin: Hoffnung, Freude, Sehnsucht

Die Symbolik (Bedeutungen) von Ruinen und dessen geschichtliche Entstehung

Eine im Koran immer wieder Aufforderung, welche Allah den Menschen anordnete, ist das Einhergehen auf der Erde und um zu schauen, wie das Ende der vorigen Zivilisationen war bzw. das Ende der Menschen vor ihnen.
Der psychologische Effekt der Erwähnung, dieser Geschichten ist, dass die mekkanischen Götzendiener eine Lehre aus dieser Geschichte ziehen und gewarnt sein sollten. Denn das, was die Völker vor innen untergehen ließ, war, dass Sie ihre Propheten der Lüge bezichtigten. Letztendlich geschah das mit ihnen, wovor der Koran sie warnte. Sie wurden besiegt und zu einer Anekdote in den Geschichtsbüchern.

Ob Ägypter, Römer oder Maya – noch jede Hochkultur erlebte bislang ihren Niedergang. Laut einer Studie könnte unsere Zivilisation dasselbe Schicksal ereilen. Doch ein genauerer Blick zeigt: Jeder Kultur-Kollaps hat seine eigenen Gesetze.
Ewig schien es und unerschütterlich – und doch ging das römische Imperium schließlich unter. Die Hochkultur der Maya, von der noch heute die Ruinen mächtiger Pyramiden und Paläste zeugen, erlebte vor mehr als 1000 Jahren einen dramatischen Niedergang. Und bereits vor über vier Jahrtausenden war im alten Ägypten ein Reich ins Chaos gestürzt, dessen Pharaonen mit bis dahin unbekannter Pracht und Machtfülle geherrscht und Weltwunder wie die mächtigen Pyramiden von Gizeh erbaut hatten.
Es scheint ein unumstößliches Gesetz der Geschichte zu sein, dass komplexe Gesellschaften und selbst die mächtigsten Reiche irgendwann zusammenbrechen. Auch unserer eigenen Zivilisation könnte ein ähnliches Schicksal drohen – das legt zumindest eine kürzlich erschienene, von der NASA mitfinanzierte Studie nahe. Sie behauptet, dass es ein allgemeines Muster des Untergangs gibt: Wenn eine Gesellschaft die vorhandenen natürlichen Ressourcen übermäßig plündere und zugleich in eine reiche Elite und arme Massen gespalten sei, führe das unweigerlich zum Kollaps. Denn die Leute an den Hebeln der Macht wären als letzte von den Folgen der Krise betroffen und würden es deshalb versäumen, rechtzeitig umzusteuern.

Sie haben eigene Sprachen entwickelt, beeindruckende Kunstwerke und Gebäude geschaffen: frühe Hochkulturen. Ob die Pyramiden der Ägypter oder die Tempel der Maya, für uns ist es heute unbegreiflich, wie Menschen mit einfachen Mitteln solche imposanten Bauwerke erschaffen konnten. Bauwerke die wir noch heute, Jahrhunderte später, bestaunen können. Diese Völker waren fortschrittlicher als ihre Zeitgenossen und dennoch sind sie verschwunden.

Betrachtet man den Untergang verschiedener Hochkulturen, scheint dieser oft dieselben Ursachen zu haben. Durch den erreichten Wohlstand kommt es zu einem Bevölkerungswachstum. Daraus folgt ein erhöhter Bedarf an Ressourcen. Häufig folgt darauf eine Dürreperiode, welche teilweise durch Rodung selbst verursacht wurde. Die Bevölkerung kann dann nicht mehr ausreichend versorgt werden.

Die Maya

Die große Zeit der Maya begann etwa 400 n.Chr. und endete um 900 nach Christus. In dieser Zeit lebten zehntausende Menschen in den Siedlungen rund um Mexiko, Guatemala, Belize, Honduras und El Salvador. Um 900 n.Chr. verschwanden die Maya. Grund dafür sind drei Faktoren: Krieg, Abholzung und eine Dürreperiode.
Dabei hatte die Maya sogar ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem um ihre Versorgung zu sichern.

In der Maya Stadt Tikal sollen während der Blütezeit etwa 50.000 Menschen gelebt haben. Um so viele Menschen versorgen zu können, werden viele Ressourcen für die Nahrung und Erhalt der Lebensqualität benötigt. Dafür legten die Bewohner der Stadt große Gärten an, in denen sie mit Bohnen, Mais, Kürbis und Süßkartoffel anpflanzten.

Um die großen Flächen zu bewässern, wurden Kanäle und Stauseen angelegt. Durch die Stauseen wurden die Felder in regelmäßigen Abständen geflutet. Leider ließ dieses statische System keine Möglichkeiten um auf eine Dürre zu reagieren.
Ohne regelmäßige Regenfälle konnten die Felder nicht ausreichend bewässert werden. Die Maya begannen die Städte zu verlassen und die Hochburgen gerieten in Vergessenheit.

Die Steinstatuen „Moai“ auf den Osterinseln

Als die Polynesier die Osterinseln fanden, war die Insel komplett mit Palmen Wäldern bedeckt. Sie reisten mehr als 3000 km auf Holzbooten über das offene Meer und entdecken dieses Paradies.
Im Jahr 1722, bei der Entdeckung durch holländische Seefahrer, gab es auf der gesamten Insel keine Palmen mehr.

Die Insel war überbevölkert, bis zu 15.000 Menschen sollen dort gelebt haben. Um diese vielen Menschen zu ernähren wurden unter anderem sämtliche Vogelarten auf der Insel ausgerottet.
Die Bewohner hatten die komplette Insel abgeholzt und sich damit selbst die Lebensgrundlage genommen. Der Boden wurde ohne die Palmen unfruchtbar und eignete sich nicht mehr für den Anbau von Pflanzen.
Warum sie so massiv Holz abbauten ist noch nicht sicher. Es gibt verschiedene Theorien, wie die, dass sie Holz für den Transport der Moai, also der Steinfiguren, brauchten.
Die Folge waren Hungersnöte und Kriege unter den Stämmen. Man vermutet, dass dabei der Stamm, der die geistige Elite bildete, verlor und ausgerottet wurde. Dafür spricht, dass in diesem Zeitraum die Herstellung der Moai stoppte und die bereits bestehenden Steinfiguren umgekippt

Die Ägypter

Das Ägyptische Reich bestand von 305 bis 30 v. Chr.
Noch heute können wir an den riesigen Pyramiden die beeindruckenden Leistungen der alten Ägypter erkennen.

Damals wie heute leben die meisten Ägypter in unmittelbarer Nähe zum Nil. Denn der Nil wird aus gutem Grund als die Lebensader Ägyptens bezeichnet. Der Großteil des Landes besteht aus Wüstenlandschaften, während das Nildelta Nahrung und Wasser bietet.
Durch die regelmäßige Nilschwemme werden die Felder überflutet und der fruchtbare Nilschlamm verteilt. Also ist die Nilschwemme der Grund dafür, dass rund um den Fluss ein vergleichsweise hoher Lebensstandard herrscht.
Als die Nilschwemme ausblieb kam es zu einer Dürre. Die Hungersnot und zahlreiche Seuchen setzten dem fortschrittlichen Volk zu, sodass sie sich letztendlich den Römern ergeben mussten.

Und heute?

Sicher wäre es zu einfach zu sagen, dass diese Völker an drei Faktoren gescheitert sind. Zum Kollaps dieser komplexen Kulturen gehören aber noch mehr Gründe wie: Kriege, schwindende Macht der Herrscher oder ausländische Kolonisten, die Krankheiten einschleppten. Und dennoch spielen die Faktoren wie Überbevölkerung, Ressourcenverbrauch und Klimaveränderungen eine wichtige Rolle.
Vor allem zeigen sie uns, wie gut entwickelt eine Kultur sein und jahrhundertelang bestehen kann – und dennoch plötzlich verschwindet. Durch einen nachhaltigeren Lebensstil hätten Fehler vermieden- und möglicherweise einen Zusammenbruch der Gesellschaft verhindert werden können.
Leider findet man dieselben Faktoren auch in unserer modernen Welt.
Wir haben weltweit ein starkes Bevölkerungswachstum. Aktuell leben 7,6 Milliarden Menschen auf dieser Erde und pro Jahr kommen 80 Millionen Menschen dazu.
Durch unseren rücksichtslosen Umgang mit Ressourcen und unserer Umwelt haben wir uns einen globalen Klimawandel selbst geschaffen.

Es gibt aber auch Völker, die durch Anpassung an die Gegebenheiten bis heute überleben konnten.

Die Insel Tikopia
Seit 900 v.Chr. lebt das Volk der Lapita auf der Insel Tikopia. Etwa im Jahr 1200 kamen Polynesier dazu. Die Bevölkerung stieg also plötzlich stark an. Innerhalb von 100 Jahren wurde beinahe der gesamte Wald der Insel abgeholzt. Die Bewohner reagierten darauf mit einer Geburtenkontrolle, der Einführung einer effektiven Landwirtschaft und geregeltem Fischfang. Um das Jahr 1600 wurden alle Hunde und Schweine auf der Insel getötet, da ihre Versorgung mehr Kalorien verbrauchte, als das Tier brachte.

Die hier wichtigste Aussage, die wir festhalten wollen, ist die folgende:

Durch unseren rücksichtslosen Umgang mit Ressourcen und unserer Umwelt haben wir uns einen globalen Klimawandel selbst geschaffen.“ Hierbei handelt es sich um eine Ursache für den Untergang.

Sure 17, Vers 15

وإذا أردنا أن نهلك قرية أمرنا مترفيها ففسقوا فيها فحق عليها القول فدمرناها تدميرا
„Und wenn Wir eine Stadt zu zerstören beabsichtigen, lassen Wir Unseren Befehl an ihre Wohlhabenden ergehen; wenn sie in ihr freveln, so wird der Richtspruch gegen sie fällig, und Wir zerstören sie bis auf den Grund.“

Allah sagt hier, dass er die wohlhabenden unter den Menschen aufforderte Gutes zu tun, aber sie wandten sich ab. Sie widersprachen dieser Anordnung und strebten weiter nach dem Wohlstand, welcher der Grund für ihren Untergang war. Dies führte letztendlich zur Zerstörung der Gesellschaft.

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Quellen:
Aṭ-Ṭanṭāwī, Tafsīr al-Wasīṭ
Ṭāhir b. ʿĀšūr, Tafsīr at-Taḥrīr wa at-Tanwīr
Dr. Fāḍil as-Samarāʾī, Lamasāt Bayānyyah

Der Untergang von Hochkulturen


https://www.focus.de/wissen/mensch/geschichte/warum-zivilisationen-untergehen-werden-wir-scheitern-wie-die-alten-roemer_id_3738906.html

Die Allmacht Allahs und Seine Milde

Der Koran erwähnt an etlichen Stellen die Allmacht Allahs und dass Er derjenige ist, Der die Menschen schützt.

Die physische, metaphysische Regel im Leben lautet, dass sobald ein Ungleichgewicht aufkommt, dies eine Wirkung bzw. Ursache hat. Zu viel Nahrung führt zu Übergewicht als Beispiel.
Allah spricht im folgendem Koranversers das Ungleichgewicht an, welches durch die menschliche Korruption und Sünden zu Stande gekommen ist, indem Er sagt:

Sure 35, Vers 41:

Allah hält die Himmel und die Erde, daß sie nicht vergehen. Und wenn sie vergehen würden, so könnte niemand nach Ihm sie halten. Gewiss, Er ist Nachsichtig und Allvergebend.

Der Vers bedeutet, dass durch die Sünden, Korruption und Götzenanbetung der Menschen die Himmel auf die Erde fallen werde, wenn Allah sie nicht aufrecht halten würde. Denn Er ist milde. Er gewährt den Menschen Aufschub, weil Er nicht von der Zeit umzingelt und bedrückt wird. Er ist frei von der Zeit. Er kann geduldig und milde sein, weil Er in der Ewigkeit agiert. Dies bedeutet, auf Fehler andere sanft zu reagieren und ihnen trotzdem Schutz zu gewähren.

Sayid Qutb pflegte sinngemäß den Vers wie folgt zu kommentieren:

„Wenn du in den Himmel schaust und diese unzählbare Anzahl von Himmelskörper siehst, und siehst das jeder seinen Platz hat und in seiner Umlaufbahn schwebt, diese weder verlässt und noch müde wird in ihrem umkreisen oder zu schnell wird,

wenn du diese mit offenen Augen betrachtest, stellt sich die Frage, wer schuf diese und wer lässt diese in ihrer Umlaufbahn schweben und wer ist die kraft dahinter?“

Wir sehen also wie diese astrologsiche Wahrheit angesprochen wird und durch sie die Milde Allahs manifestiert wird, Welcher in der Lage wäre, jederzeit alles aus Seiner Umlaufbahn geraten zu lassen.

Die pädagogische Anwendung der koranischen Geschichten

Das Lehren der Geschichte ist eine wichtige Disziplin, mit der sich Lehrinstitutionen wie Schulen und Universitäten beschäftigen. Ebenfalls wird die Geschichte in historischen Filmen, Literatur, Theater usw. thematisiert.

Im Kindesalter wurden wir bereits in der Schule mit den Ereignissen des Dritten Reiches konfrontiert, um uns für die Abscheulichkeiten  dieser Taten zu sensibilisieren und gewarnt und vorbereitet zu sein.

Auch ein Arzt wird den Patienten nach dessen Krankheitsgeschichte (sog. Anamnese) fragen, damit er den jetzigen Zustand seines Patienten nachvollziehen kann.

Die Lehren aus der Geschichte helfen uns also, den Status quo (der gegenwärtige Zustand) zu begreifen. Sie (die Lehren) beinhalten darüberhinaus eine warnende Funktion.

Genau diese Warnungen finden wir auch im Koran. Der Koran nutzt die Geschichte der früheren als Lehrmethode, um den Propheten bewusst zu machen, das diese Ereignisse das Vorbild der früheren war.

Die Geschichte wird damit in einen zeitlich passenden Kontext offenbart, in dem dem Prophet Muhammad ﷺ mit seinem Volk die gleichen Anfeindungen  widerfahren sind, wie es den früheren Propheten widerfuhr.

Dies hilft die Herzen des Propheten ﷺ und der Gläubigen zu stärken, dass die Unterdrückung und Bekämpfung nichts Neues ist und Allah ihnen beistehen wird, so wie Er auch den früheren beistand.

Erstes Beispiel

Die letzte Sure, welche in Mekka offenbart wurde, bevor der Prophet Muhammad ﷺ von seinem Volk vertrieben wurde und nach Medina auswanderte, war die Sure Nr. 28 (Al-Qasas).

Die Sure handelt davon, wie Mūsā als Baby von seiner Mutter getrennt wurde, ins Haus des Pharaos gebracht wurde, aber Allah versprach der Mutter, dass ihr Baby wieder zu ihr zurückkehren werde.

Sure 28, Vers 7:

إِنَّا رَادُّوهُ إِلَيْكِ وَجَاعِلُوهُ مِنَ الْمُرْسَلِينَ
„Und Wir gaben der Mutter Mūsās ein: „Stille ihn. Und wenn du um ihn fürchtest, dann setze ihn in das Wasser und fürchte dich nicht und sei nicht traurig. Wir werden ihn dir zurückbringen und ihn zu einem der Gesandten machen.“

Des Weiteren erwähnt die Sure den Zustand, in dem sich Mūsā befand. Er musste Ägypten verlassen, wei die führende Schar Pläne schmiedete Gege ihn. Also  geht es in dieser Sura darum wie moses Ägypten verliess, weil die führende Schar Pläne schmiedete, um ihn zu töten.

وَجَاءَ رَجُلٌ مِّنْ أَقْصَى الْمَدِينَةِ يَسْعَىٰ قَالَ يَا مُوسَىٰ إِنَّ الْمَلَأَ يَأْتَمِرُونَ بِكَ لِيَقْتُلُوكَ فَاخْرُجْ إِنِّي لَكَ مِنَ النَّاصِحِينَ (20) فَخَرَجَ مِنْهَا خَائِفًا يَتَرَقَّبُ ۖ قَالَ رَبِّ نَجِّنِي مِنَ الْقَوْمِ الظَّالِمِينَ
„Und es kam ein Mann vom äußersten Ende der Stadt gelaufen. Er sagte: „O Mūsā, die führende Schar berät über dich, um dich zu töten. So geh fort, gewiß, ich gehöre zu denjenigen, die dir guten Rat geben. * So ging er furchtsam aus ihr fort und hielt (immer wieder) Ausschau. Er sagte: „Mein Herr, errette mich von dem ungerechten Volk.“

(Notiz hier in den Versen heisst es „chaaifen“ (furchtsam), welches ein Nominativ ist und deutet auf ständige Angst hin sprich permanent Zustand und „Yetaraqab“ (hielt (immer wieder) Ausschau) ist eine Verbform warum wechselt der Koran hier in, weil das Verb in der arabischen Sprache deutet auf Erneuerung.Also ist diese ein total bildliche beschriebung wie Mūsā der  entflieht sich ständig aufs neue umdrehend im Zustand der Angst, dieses Bild wird anhand der Sprache festgehalten.)

Als Mūsā in Madyan (auch: Midian) ankam, verweilte er dort 10 Jahre. Er kam erfolgreich nach Ägypten zurück und befreite die Kinder Israels.
Also sehen wir das es in der Geschichte des Moses, welche hier offenbart würde um den Auszug des Moses aus seinem Land . Bzw seinem Volk geht und die späterer Rückkehr nach Ägypten.

Warum ist dieses Teilstück der Geschichte von Mūsā ausgewählt worden?

Die Antwort finden wir   in der Lebensgeschehnissen des Propheten ﷺ nach der Offenbarung dieser Koranverse. Schließlich waren sie letzen Verse, die in Mekka offenbart wurden. Er ﷺ musste nach Medina auswandern, sodass ein Teil der Sure hierfür offenbart wurde.Also war diese Sure die letzte in Mekka offenbarte Sure, welche genau vor der Auswanderung des Propheten Mohammeds stattfand. Um ihn geistige auf diese Auswanderung vorzubereiten mit dem Versrpechen, dass er zurückkehren wird. Wie es in der Geschichte des Moses geschah, welche einen absoluten kontextuallen Charakter in sich trägt. Es ist als wenn dieses Teilstück der Geschcihte moses Hier als Lehrmethode offenabt würde und es ein Parallellaufen zwischen Offenbarung und Realität ist.

Als er ﷺ sich von Mekka wendete und auf dem Weg nach Medina machte, verspürte er Heimweh und Trauer. Daraufhin offenbarte Allah folgenden Koranvers:

إِنَّ الَّذِي فَرَضَ عَلَيْكَ الْقُرْآنَ لَرَادُّكَ إِلَىٰ مَعَادٍ…

„Derjenige, Der dir den Koran verpflichtend gemacht hat, wird dich sicher zu einem Ort der Wiederkehr (Mekka) zurückkehren lassen…“ [28:85]

Wie es in der Geschichte von Mūsā hieß bzw. seine Mutter folgende Offenbarung erhielt:

„Wir werden ihn dir zurückbringen und ihn zu einem der Gesandten machen.“ [28:7]

So wie Allah der Mutter Mūsās versprach ihn zurück zu bringen, so versprach er es dem Propheten in der selben Sure.

Zwei Parallelen

Der Prophet verbrachte 8 Jahre in Medina, bis er im 10. Jahr Mekka eroberte und zurückkehrte

1. Zum Vergleich in der Geschichte Mūsās:

Sure 28, Vers 27:

„Er sagte: „Ich will dich mit einer dieser meiner beiden Töchter verheiraten unter der Bedingung, daß du acht Jahre in meinen Dienst trittst. Wenn du sie aber auf zehn vollmachst, so steht es bei dir. Ich will dir keine Härte auferlegen. Du wirst mich, wenn Allah will, als einen der Rechtschaffenen finden.“

So wie Mūsā die Jahre in Madyan verbrachte und erfolgreich zurückkehrte, so tat es auch der Prophet Muhammad.

2. Sure 28, Vers 5:

وَنُرِيدُ أَن نَّمُنَّ عَلَى الَّذِينَ اسْتُضْعِفُوا فِي الْأَرْضِ وَنَجْعَلَهُمْ أَئِمَّةً وَنَجْعَلَهُمُ الْوَارِثِينَ
وَنُمَكِّنَ لَهُمْ فِي الْأَرْضِ وَنُرِيَ فِرْعَوْنَ وَهَامَانَ وَجُنُودَهُمَا مِنْهُم مَّا كَانُوا يَحْذَرُونَ

„Wir aber wollten denjenigen, die im Land unterdrückt wurden, eine Wohltat erweisen und sie zu Vorbildern machen und zu Erben machen.“

Und ihnen eine feste Stellung im Land verleihen und Pharao, Hāmān und deren Heerscharen durch sie das erfahren lassen, wovor sie sich immer vorzusehen suchten.“

Genau wie Mūsā und die Kinder Israels das Land beerbten und Pharao und seine Herrschaften dem Untergang geweiht waren, so war es auch der Prophet Muhammad der Mekka eroberte und die mekkanischen Götzendiener bezwang.

Fazit

Wir sehen wie der Koran welches ein Drehbuch des göttlichen Autors ist, der die Geschichte gestaltet wie Er will, dem Propheten dieses Ereignisse offenbarte, um ihn auf das gleiche Szenario vorzubereiten. Dadurch wurde sein Herz gestärkt und so auch dasjenige Herz des aufmerksamen Lesers gestärkt und zwar bis zum Ende der Zeit.