Die perfekte Verwendung von Synonymen im Koran

In diesem Beitrag wollen wir auf die koranische Synonymverwendung eingehen und zeigen, warum jedes Synonym an seinem ihm entsprechenden Ort platziert wurde, um ein perfektes Bild der Bedeutung abzuzeichnen.
Darüber hinaus wollen wir aufzeigen, wie der Koran Symboliken der alt-arabischen Sprache adoptiert und diese bedeutsam in den Kontext integriert.

Das erste Beispiel – fard & waḥīd

Die Wörter „fard“ und „waḥīd“ welche beiden „einzeln“ bedeutet bzw. „einzig“. Das erste Wort darf nicht mit „farḍ“ (islam. „verpflichtend“) verwechselt werden.

Infarada“ ist laut Ibn Mandhūr derjenige, der sich in einer Gruppe befand und diese verlassen hat und nun alleine ist.

In der Etymologie (Sprachurspung) wurde der Begriff für ein Kamel verwendet, das aufgrund von Krätze in Quarantäne gebracht wurde, also und von den anderen abgesondert bzw. isoliert wurde.

إلى أنْ تحامتني العشيرة كلها وأُفردت إفرادَ البعيرِ المُعَبَّدِ

― طرفة بن العبد, ديوان طرفة بن العب

So heißt es in einem Gedicht aus vorislamischer Zeit vor Tarfa Ibn ‚Abd: „… wie die „ifrād“-Vereinzelung des Kamels.“

In einem anderen Gedicht eines arabischen Beduinen, hatte eine Mutter neun Kinder, die allesamt starben, welche neun Kinder hatte. In diesem Zusammenhang wurde der Begriff „ifrad“ (bzw. أُفْرِدْتُ) genutzt, da sie nun alleine ist, „vereinzelt“ sozusagen.

وا رَبَّيْتُهُمْ تِسْعَةً حَتَّى إِذَا اتَّسَقُوا… أُفْرِدْتُ مِنْهُمْ كَقَرْنِ الْأَعْضَبِ الْوَحِدِ

وَكُلُّ أُمٍّ وَإِنْ سُرَّتْ بِمَا وَلَدَتْ … يَوْمًا سَتَثْكَلُ مَا رَبَّتْ مِنَ الْوَلَدِ

„Ich erzog alle neun (Kinder) bis sie zu einem wurden, und dann wurde ich von Ihnen vereinzelt (ufridtu) wie das einzelne Horn eines Kalbs (wenn es rauswächst).
Jede Mutter wird – sei sie auch froh darüber was sie gebährte – eines Tages eines ihrer (aufgezogenen) Kindern verlieren.“

Der Begriff des „fard“ ist nicht auf Allah anwendbar, da Allah niemals in der Gruppe war.

Jetzt werden wir schauen, wie der Koran dieses Synonym „Furāda“ (فُرَادَى) verwendet bzw. wie diese Wortbedeutung im Koran herangezogen wird, um ein bildliches Szenario wiedergegeben wird.

Sure 6, Vers 94

وَلَقَدْ جِئْتُمُونَا فُرَادَى كَمَا خَلَقْنَاكُمْ أَوَّلَ مَرَّةٍ وَتَرَكْتُمْ مَا خَوَّلْنَاكُمْ وَرَاءَ ظُهُورِكُمْ وَمَا نَرَى مَعَكُمْ شُفَعَاءَكُمُ الَّذِينَ زَعَمْتُمْ أَنَّهُمْ فِيكُمْ شُرَكَاءُ لَقَدْ تَقَطَّعَ بَيْنَكُمْ وَضَلَّ عَنْكُمْ مَا كُنْتُمْ تَزْعُمُونَ
„Nun seid ihr einzeln (furadan) zu Uns gekommen, so wie Wir euch das erste Mal erschaffen haben, und ihr habt hinter euch zurückgelassen, was Wir euch übertragen hatten.“

Sure 19, Vers 95

وَكُلُّهُمْ آتِيهِ يَوْمَ الْقِيَامَةِ فَرْدًا
„Und jeder von ihnen wird am Tage der Auferstehung allein (fardan) zu Ihm kommen.“

Im folgenden Vers geht es um Ibn Wā‘el, welcher zum Propheten Muhammad ﷺ sagte: „Wenn es einen Tag der Auferstehung gibt, so werde ich gewiss besser dastehen in Geld und Kindern. So sandte Allah folgende die Koranverse herab, dass jeder er ganz alleine und herausgezogen aus seiner Familie und Geld sein wird.

Sure 19, Verse 79–80

كَلَّا سَنَكْتُبُ مَا يَقُولُ وَنَمُدُّ لَهُ مِنَ الْعَذَابِ مَدًّا * وَنَرِثُهُ مَا يَقُولُ وَيَأْتِينَا فَرْدًا
„Nein; Wir werden aufschreiben, was er sagt, und Wir werden für ihn die Strafe verlängern. Und Wir werden all das von ihm erben, wovon er redet, und er wird allein zu Uns kommen.“

Jedes Mal, wenn der Begriff „fardan“ (einzeln) verwendet wird, geht es kontextual um die Begegnung vor Allah am Tag der Auferstehung – alleine ohne Kinder und ohne Vermögen. Die Adoption dieses Begriffes veranschaulicht bzw. visualisiert wie wir Menschen am Tag der Auferstehung herangezogen werden uns alleine vor unserem Herren stehen, ohne jegliche Hilfe.

Dieser Begriffsverwendung ist zugleich eine kulturgesellschaftliche Richtigstellung falscher Glaubenslehren, welche Menschen pflegten als sie Hab und Gut mit ihren Leichnam vergraben ließen, um sich dadurch im Jenseits zu sichern. Andere teilweise beerdigten ihren Hofstaat mit, da sie glaubten, dies wird einem im Jenseits nützlich sein, wenn man dort mit Leibwächtern und Untertanen und Armen auftaucht.

Aber all dies negiert der Koran durch die Verwendung eines einzigen Wortes, welches die Entzweiung, ja das Loslösen aller gewohnten Dinge beschreibt, auf die man sich verließ und durch die man Hilfe ersuchte. Dieses Synonym bzw. die Adoption dieser Symbolik visualisiert wie der Mensch losgelöst von allem und jedem ohne jeglichen Hilfsmittel vor seinen Herren gezogen wird.

Auf der anderen Seite haben wir den Begriff „wahīd“, der für „einzeln“ ebenfalls verwendet wird. Der Unterschied: Das Wort wird nur für Allah allein verwendet.

Sure 74, Vers 11

ذَرْنِي وَمَنْ خَلَقْتُ وَحِيدًا
„Lass Mich mit dem, den Ich als Einsamen geschaffen habe.“

Sure 20, Vers 98

إِنَّمَا إِلَٰهُكُمُ اللَّهُ الَّذِي لَا إِلَٰهَ إِلَّا هُوَ ۚ وَسِعَ كُلَّ شَيْءٍ عِلْمًا
„Euer Gott ist allein Allah, außer Dem es keinen Gott gibt. Er umfasst alles mit (Seinem) Wissen.“

Hier im obigen Vers sehen wir den Begriff „Einsamen“, welcher im arabischen „wahīdan“ (وَحِيدًا) heißt. Dieses Synonym für einzeln bzw. einsam ist mit der Charakteristik der Stärke und Fähigkeit verbunden.
Deswegen sagte Ibn Mandhur: „Al-Wahīd ist der, von dem es keinen zweiten gibt.“ Man könnte sagen „The only one“ wäre das passende Pendant. Jemand, der keinen zweiten braucht bzw. unabhängig von allem ist.

Weiteres Beispiel: der Mensch

Für den „Menschen“ verwendet der Koran u.a. drei Begriffe

نَفْس Nafs
البشر Baschar
الإنسان Insān

  1. Nafs

Das Wort „nafs, نَفْسٍ“, welches von dem Wort „nafasa“ kommt, welches „atmen“ bedeutet.
Der Begriff „Nafs“ deutet also auf Leben hin, da wenn eine Person noch atmet, auch lebend ist. Der Begriff wird 20-mal im Zusammenhang mit dem Tod erwähnt.

Da der Atem (nafas) entweder durch das Sterben aufhört bzw. das Wort den lebenden Menschen darstellt, ist es ein Kontrast zu den Versen über den Tod. Dadurch wir die Dramatik erzeugt, wie ein atmender Mensch sich dem Tod nährt.

Nun folgen die Verse.

Sure 3, Vers 185

كُلُّ نَفْسٍ ذَائِقَةُ الْمَوْتِ وَإِنَّمَا تُوَفَّوْنَ أُجُورَكُمْ يَوْمَ الْقِيَامَةِ فَمَنْ زُحْزِحَ عَنِ النَّارِ وَأُدْخِلَ الْجَنَّةَ فَقَدْ فَازَ وَمَا الْحَيَاةُ الدُّنْيَا إِلا مَتَاعُ الْغُرُورِ
„Jede Seele (Nafs) wird den Tod kosten. Und erst am Tag der Auferstehung wird euch euer Lohn in vollem Maß zukommen. Wer dann dem (Höllen-)Feuer entrückt und in den (Paradies)garten eingelassen wird, der hat fürwahr einen Erfolg erzielt. Und das diesseitige Leben ist nur trügerischer Genuss.“

Sure 89, Verse 27–28

يَا أَيَّتُهَا النَّفْسُ الْمُطْمَئِنَّةَ * ارْجِعِي إِلَى رَبِّكِ رَاضِيَةً مَرْضِيَّةً
„O du Seele (Nafs), die du Ruhe gefunden hast.“

Sure 5, Vers 32

مِنْ أَجْلِ ذَٰلِكَ كَتَبْنَا عَلَىٰ بَنِي إِسْرَائِيلَ أَنَّهُ مَن قَتَلَ نَفْسًا بِغَيْرِ نَفْسٍ أَوْ فَسَادٍ
„Aus diesem Grunde haben Wir den Kindern Isrāʾīls vorgeschrieben: Wer ein menschliches Wesen (nafs) tötet, ohne (dass es) einen Mord (begangen) oder auf der Erde Unheil gestiftet (hat), so ist es, als ob er alle Menschen getötet hätte.“

Sure 63, Vers 11

وَلَن يُؤَخِّرَ اللَّهُ نَفْسًا إِذَا جَاءَ أَجَلُهَا ۚ وَاللَّهُ خَبِيرٌ بِمَا تَعْمَلُونَ
„Allah wird aber keine Seele (nafs) zurückstellen, wenn ihre Frist kommt. Und Allah ist Kundig dessen, was ihr tut.“

Wir sehen in allen erwähnten Versen, dass der Begriff „nafs“ für den Menschen benutzt wird, da der Kontext der Tod ist. Es heißt weder „insān“, noch „baschar“.

  1. Insān

Das Wort kommt von „nasiya“ (vergessen) und wir sehen die Vorkommnisse dieses Begriffes als Gegenstück des Erinnert-werden. Allah erinnert die Menschen z.B. daran, dass sie Seine Gaben vergessen haben. Oder Dinge, an die sich die Menschen nicht erinnern können, etwa ihr ursprünglicher Zustand.

Sure 35, Vers 3

يَا أَيُّهَا النَّاسُ اذْكُرُوا نِعْمَتَ اللَّـهِ عَلَيْكُمْ ۚ هَلْ مِنْ خَالِقٍ غَيْرُ اللَّـهِ يَرْزُقُكُم مِّنَ السَّمَاءِ وَالْأَرْضِ ۚ لَا إِلَـٰهَ إِلَّا هُوَ ۖ فَأَنَّىٰ تُؤْفَكُونَ
„O ihr Menschen (Pl nās, Sg insān) gedenkt der Gunst Allahs an euch. Gibt es einen anderen Schöpfer als Allah, Der euch vom Himmel und von der Erde versorgt? Es gibt keinen Gott außer Ihm. Wie lasst ihr euch also abwendig machen?“

Sure 19, Vers 67

أَوَلَا يَذْكُرُ الْإِنسَانُ أَنَّا خَلَقْنَاهُ مِن قَبْلُ وَلَمْ يَكُ شَيْئًا
„Gedenkt der Mensch (insān) denn nicht, dass Wir ihn zuvor erschaffen haben, da er (noch) nichts war?“

Sure 76, Vers 1

هَلْ أَتَىٰ عَلَى الْإِنسَانِ حِينٌ مِّنَ الدَّهْرِ لَمْ يَكُن شَيْئًا مَّذْكُورًا
„Ist (nicht) über den Menschen (insān) eine Spanne der endlosen Zeit gekommen, in der er nichts Nennenswertes ist?“

Sure 46, Vers 15

وَوَصَّيْنَا الْإِنسَانَ بِوَالِدَيْهِ إِحْسَانًا ۖ حَمَلَتْهُ أُمُّهُ كُرْهًا وَوَضَعَتْهُ كُرْهًا ۖ وَحَمْلُهُ وَفِصَالُهُ ثَلَاثُونَ شَهْرًا ۚ حَتَّىٰ إِذَا بَلَغَ أَشُدَّهُ وَبَلَغَ أَرْبَعِينَ سَنَةً
„Und Wir haben dem Menschen (insān) anbefohlen, zu seinen Eltern gütig zu sein. Seine Mutter hat ihn unter Widerwillen getragen und unter Widerwillen zur Welt gebracht. Die (Zeit der) Schwangerschaft mit ihm bis zu seiner Entwöhnung (beträgt) dreißig Monate.“

Der Begriff für Mensch (inṣān) kommt immer vor, wenn der Mensch an eine vergessene Sache erinnert wird. Ebenso wird der Begriff „insān“ verwendet, um aufzuzeigen, dass der Mensch aufgrund seiner Vergesslichkeit undankbar gegenüber Allahs Gaben ist bzw. sie negiert.

Beispiele

Sure 100, Vers 6

إِنَّ الإنْسَانَ لِرَبِّهِ لَكَنُود
„Der Mensch ist seinem Herrn gegenüber wahrlich undankbar.“

Sure 43, Vers 15

وَجَعَلُوا لَهُ مِنْ عِبَادِهِ جُزْءًا ۚ إِنَّ الْإِنسَانَ لَكَفُورٌ مُّبِينٌ
„Und sie stellen Ihm einen Teil von Seinen Dienern (als Seinesgleichen zur Seite). Der Mensch (insān) ist ja offenkundig sehr undankbar.“

إِنَّ الإنسان لَظَلُومٌ كَفَّارٌ
„Wahrlich, der Mensch (insān) neigt sehr zum Unrecht und ist sehr undankbar.“

  1. Baschar

Das Wort „baschar“ kommt wie es in den Sprachlexika heißt „von der obersten Haut des Menschen.“ Dies ist bei Ibn Mandhur in [Lisān al-ʿArab] und auch bei Ibn Faris überliefert. Weiter heißt es, dass der Begriff deshalb „Mensch“ bedeutet, weil dieser durch seine Haut erkennbar ist. Die Idee dahinter ist, dass wir durch unsere Haut wahrnehmbar bzw. zu erkennen sind, wohingegen die Haut der Tiere mit Haaren bedeckt ist oder Geisterweisen nicht wahrnehmbar sind.
Quasi: „Ich bin ein Baschar für dich und du bist ein Baschar für mich, weil wir einander sehen.“

Diese Hervortreten bzw. die Erkennbarkeit durch unsere Haut ist der Begriff für die Menschen. Er (der Begriff) wurde z.B. verwendet, als Muhammad ﷺ als Prophet hervorgetreten ist. Jetzt folgen einige Beispiele, um aufzuzeigen, dass das Wort „baschar“ für Mensch jedes Mal im Zusammenhang des Hervortretens bzw. Erscheinens genutzt wird.
Sure 19, Vers 17

فَاتَّخَذَتْ مِن دُونِهِمْ حِجَابًا فَأَرْسَلْنَا إِلَيْهَا رُوحَنَا فَتَمَثَّلَ لَهَا بَشَرًا سَوِيًّا
„Und sich vor ihr abschirmte, da sandten Wir Unseren Engel (Gabriel) zu ihr, und er erschien ihr in der Gestalt eines vollkommenen Menschen (baschar).“

Sure 15, Vers 28

وَإِذْ قَالَ رَبُّكَ لِلْمَلَائِكَةِ إِنِّي خَالِقٌ بَشَرًا مِّن صَلْصَالٍ مِّنْ حَمَإٍ مَّسْنُونٍ
„Und als dein Herr zu den Engeln sagte: ‚Ich bin dabei, ein menschliches (baschar) Wesen aus trockenem Ton, aus fauligem schwarzen Schlamm zu erschaffen.‘“

Sure 12, Vers 31

فَلَمَّا رَأَيْنَهُ أَكْبَرْنَهُ وَقَطَّعْنَ أَيْدِيَهُنَّ وَقُلْنَ حَاشَ للَّهِ مَا هذا بَشَراً إِنْ هاذآ إِلاَّ مَلَكٌ كَرِيمٌ
„Als sie von ihren Ränken hörte, da sandte sie ihnen (Einladungen) und bereitete ein Gastmahl für sie und gab einer jeden von ihnen ein Messer und sagte (zu Yūsuf): ‚Komm heraus zu ihnen!‘ Als sie ihn sahen, bestaunten sie ihn und schnitten sich (dabei) in die Hände und sagten: ‚Allah bewahre! Das ist kein Mensch (baschar), das ist nichts als ein edler Engel.‘“

Des Weiteren wird das Wort „baschar“ im Kontext verwendet, wenn der Mensch lediglich auf seine Zusammensetzung reduziert wurde, sprich Fleisch, Knochen, Blut etc. Wenn also gesagt wurde, „dies sei nur ein Mensch“ in dem Sinne, dass er keinen Vorrang gegenüber anderen hat, weil er aus Fleisch und Blut besteht.

Beispiele

Sure 36, Vers 15

قَالُوا مَا أَنتُمْ إِلَّا بَشَرٌ مِّثْلُنَا وَمَا أَنزَلَ الرَّحْمَٰنُ مِن شَيْءٍ إِنْ أَنتُمْ إِلَّا تَكْذِبُونَ
„Sie sagten: ‚Ihr seid nur menschliche Wesen (baschar) wie wir. Nichts (an Offenbarung) hat der Allerbarmer herabgesandt. Ihr lügt nur.‘“

Sure 17, Vers 94

وَمَا مَنَعَ النَّاسَ أَن يُؤْمِنُوا إِذْ جَاءَهُمُ الْهُدَىٰ إِلَّا أَن قَالُوا أَبَعَثَ اللَّهُ بَشَرًا رَّسُولًا
„Und nichts anderes hielt die Menschen (insān) davon ab zu glauben, als die Rechtleitung zu ihnen kam, außer dass sie sagten: ‚Hat denn Allah ein menschliches Wesen (baschar) als Gesandten geschickt?‘“

Hinweis: Wir sehen wie in diesem Vers das Wort „insān“ für Mensch vorkommt, als es um das Nicht-glauben geht, also das Vergessen des göttlichen Abkommens und seiner Gaben, indem sie ihn negieren und dann das Wort „baschar“ für Mensch, weil es darum geht das Allah Menschen aus Haut und Knochen als Propheten schickte.

Sure 18, Vers 110

قُلْ إِنَّمَا أَنَا بَشَرٌ مِثْلُكُمْ يُوحَى إِلَيَّ أَنَّمَا إِلَهُكُمْ إِلَهٌ وَاحِدٌ فَمَنْ كَانَ يَرْجُو لِقَاءَ رَبِّهِ فَلْيَعْمَلْ عَمَلًا صَالِحًا وَلَا يُشْرِكْ بِعِبَادَةِ رَبِّهِ أَحَدًا
„Sag: Gewiss, ich bin ja nur ein menschliches Wesen (baschar) gleich euch; mir wird (als Offenbarung) eingegeben, dass euer Gott ein Einziger Gott ist. Wer nun auf die Begegnung mit seinem Herrn hofft, der soll rechtschaffen handeln und beim Dienst an seinem Herrn (Ihm) niemanden beigesellen.“

Das Wort wurde also im Kontext der Erscheinung von Propheten und Menschen erwähnt und dass der Mensch aus Haut und Knochen ist. Ob es Allah ist der einen Menschen schafft und dieser als „baschar“ in Erscheinung tritt, oder ob, es der Prophet ist, welcher den Menschen in Erscheinung tritt es wird immer das Synonym für Mensch erwähnt, welches diese Charakteristik der Erscheinung enthält.

Zusammenfassung
Wir sehen, dass die Begriffe نَفْس Nafs, البشر Baschar und الإنسان Insān als Synonyme für den Menschen verwendet werden und jeweils in ihrer kontextualen angebrachten Stelle auftauchen. Würde auch nur einmal ein Synonym an der unpassende Stelle stehen aufgrund des Kontexts, würde das architektonische Meisterwerk des Korans in sich zusammenfallen.

Der Wechsel von feminin zu maskulin Teil 2

Der Wechsel von feminin zu maskulin Teil 2

Der Wechsel von feminin zu maskulin Teil 2

Lesedauer: 1 Minute

Sure 7, Vers 56:
إِنَّ رَحْمَتَ اللّهِ قَرِيبٌ مِّنَ الْمُحْسِنِينَ

„Gewiss, die Barmherzigkeit Allahs ist den Gutes Tuenden nahe.“

In diesem Vers haben wir das Wort (رَحْمَتَ)„Rahma“, welches Barmherzigkeit bedeutet und feminin ist, weil es besser zu dieser erziehenden und gebenden Natur dieses Wortes passt.

Das beschreibende Wort dieser „Rahma“ ist (قَرِيبٌ), (Nähe), dies ist – im arabischen – männlich. Dies ist der Fall, um aufzuzeigen, dass die Barmherzigkeit von Allah kraftvoll und überwältigend kommt, weil wie wir erwähnten der Wechsel von der erwartenden femininen Beschreibung ins Maskuline die Aufmerksamkeit des Zuhörers auf sich zieht und auf Stärke und Kraft hindeutet. Durch das Maskulin wird die Stärke der Nähe der Barmherzigkeit Allahs wiedergespiegelt.

Darüber hinaus kann der Koranvers eine weitere Bedeutung enthalten. Da das Wort „Nähe“ (قَرِيبٌ) männlich ist, kann es sich auch als Beschreibung auf Allah selbst beziehen, das heißt, Allah ist nah zu den Gutes Tuenden.

Durch gute Taten spürt der Mensch die Präsens Gottes bei und in sich.
Dies ist eine weitere, wunderschöne Bedeutung, welche absolut gewollt ist.
Diese ambivalente Leseweise dieses Koranverses zeigt, wie Allah sich in seiner Schrift den Menschen offenbart. Die tiefe Theologie im Syntax wird wiedergegeben und die Gnade Gottes ist den Gutes Tuenden nahe und zugleich verspüren die Gutes Tuenden die Nähe Gottes.

Quelle
Dr. Fadhil Samaray, Lämäsät bayaniah

Die koranische Feinheit in einem einzigen Buchstaben

Die koranische Feinheit in einem einzigen Buchstaben

Die koranische Feinheit in einem einzigen Buchstaben
Lesedauer ~2 Minuten

Im Koran finden wir immer wieder Koranverse mit ähnlichem Inhalt und ähnlicher Struktur, die bei genauerem Hinsehen allerdings eine minimale Unterscheidung bieten, in einem Wort oder gar einem Buchstaben.

Wie wir sehen werden, dient dies dem Hinzufügen einer weiteren Bedeutungsebene oder der Verstärkung der kontextuellen Bedeutung. Es vermag eine bildliche Darstellung vor dem inneren Auge heraufzubeschwören. Diese Feinheiten sind in keiner Übersetzung zu erfassen und diese Nuancen gehen dabei verloren.

Wir betrachten im Folgenden zwei Koranverse aus zwei aufeinanderfolgenden Suren:

1. In Sure al-An’am spricht Allah:

وَلَقَدْ أَرْسَلنَآ إِلَى أُمَمٍ مِّن قَبْلِكَ فَأَخَذْنَاهُمْ بِالْبَأْسَاء وَالضَّرَّاء لَعَلَّهُمْ يَتَضَرَّعُونَ (42)
„Wir haben ja schon zu Gemeinschaften vor dir (Gesandte) gesandt und über sie Not und Leid kommen lassen, auf dass sie unterwürfig flehen mögen.“ (6:42)

2. In Sure al-A’raf zeigt sich der Inhalt wie folgt:

وَمَا أَرْسَلْنَا فِي قَرْيَةٍ مِّن نَّبِيٍّ إِلاَّ أَخَذْنَا أَهْلَهَا بِالْبَأْسَاء وَالضَّرَّاء لَعَلَّهُمْ يَضَّرَّعُونَ (94)
„Und Wir haben in keine Stadt (einen) Propheten gesandt, ohne dass Wir über ihre Bewohner Not und Leid hätten kommen lassen, auf dass sie in Unterwürfigkeit flehen mögen.“ (7:49)

Auf den ersten Blick sind zwei Unterschiede zu erkennen:

a)
1. إِلَى أُمَمٍ – zu Gemeinschaften
2. فِي قَرْيَةٍ – in einer Stadt

Und b)

1. يَتَضَرَّعُونَ [yataḍarraʿūn]
2. يَضَّرَّعُونَ [yaḍḍarraʿūn]

Erstmal zu letzterem Unterschied (b), der zwei Verben enthält, die morphologisch fast identisch sind und beide die Bedeutung von „unterwürfig, demütig sein“ besitzen. Sie sind im Grunde genommen eins, sowohl in der Wurzel ض ر ع [ḍa – ra – ‚a], als auch im in der morphologischen Form. Denn die zweite Form ist nur eine Abzweigung der ersteren. Sie entsteht durch Umwandlung des Buchstaben تَ [ta] in den Buchstaben ضَ [ḍa], sodass dadurch der Doppellaut ضَّ [ḍḍ] entsteht,
also يَتَضَرَّعُونَ [yataḍarraʿūn] -> [ta] = [ḍa] -> يَضَّرَّعُونَ [yaḍḍarraʿūn]

Diese feinste Unterscheidung hat zwei Implikationen:

– Die erste Verbform ist länger (5 Silben statt 4), umfasst daher in ihrer Bedeutung eine größere Gruppe an Betroffenen (weil ein Zusatz im Wortbau einen Zusatz in der Bedeutung bewirkt) und deutet darauf, dass etwas schrittweise erfolgt.

– Die zweite Verform ist kürzer (4 Silben statt 5), umfasst somit eine kleinere Gruppe an Betroffenen, aber trägt eine intensivere Bedeutung und intensivere Ausübung (vermittelt durch den zweifachen Doppellaut).

Diese beiden Formen entfalten ihre Wirkung und perfekte Auswahl in ihrem Kontext:

Auf der einen Seite spricht Allah im erstgenannten Koranvers von „ أُمَمٍ – Gemeinschaften“, zu denen Er Propheten entsandte. Dies umfasst eine größere Menge an Menschen, die die Botschaft erhalten haben als „قَرْيَةٍ – Stadt“ im zweitgenannten Koranvers.

Dementsprechend wurde die erste Verbform verwendet, die eine größere Gruppe an Betroffenen beinhaltet und auf das schrittweise Erfolgen hindeutet, da die Gemeinschaften eine nach der anderen gewarnt wurden. Im Gegenzug wurde bei „قَرْيَةٍ – Stadt“ im zweiten Koranvers die kürzere Verbform verwendet, die eine kleinere Gruppe impliziert.

Auf der anderen Seite spricht Allah in der zweiten Ayah von „أَرْسَلْنَا فِي قَرْيَةٍ – (Wir) sandten in eine Stadt (…)“. Die hier verwendete Präposition „IN (eine Stadt)“ deutet im Gegensatz zu „ZU (Gemeinschaften)“ wie im ersten Koranvers darauf hin, dass die Propheten die Botschaft nicht nur überbracht haben, sondern auch unter den Menschen verweilten und geblieben sind. Es drückt eine intensivere Auseinandersetzung der Propheten mit ihren Leuten aus. Die intensive Debatte und Warnung, die bildliche Darstellung des Aufenthalts der Propheten IN der Stadt – all das wird subtil ausgedrückt durch die zweite Verbform „يَضَّرَّعُونَ [yaḍḍarraʿūn]“, die der ersten entspringt, aber zwei Doppellaute enthält, und damit sowohl eine kräftigere Aussprache als auch eine intensivere Bedeutung vermittelt.

Auf den Punkt gebracht, ist im ersten Vers von Gemeinschaften und damit von einer größeren Menschenmenge die Rede, sodass die längere Verbform يَتَضَرَّعُونَ [yataḍarraʿūn] passenderweise verwendet wurde; im zweiten Vers wird von einer Stadt und damit kleineren Gruppe gesprochen, daher kommt hier die kürzere Verbform „يَضَّرَّعُونَ [yaḍḍarraʿūn]“ vor.

Allerdings verweilten die Propheten IN der Stadt, sodass die Debatte zwischen einem Propheten und seinem Volk intensiver war, was in der zweiten (kürzeren) Verbform im zweifachen Doppellaut ضّ [ḍḍ] festgehalten wird; im Gegensatz dazu wurden die Propheten zu den Gemeinschaften bloß geschickt, ohne unter ihnen zu verweilen, sodass hier das nicht verstärkte Verb vorkommt.

Eine solche ausführliche Analyse ist nötig, um einen minimalen morphologischen Unterschied zweier Wörter und seine Auswirkung zu erklären, während der Koran all diese Bedeutungsebenen, die dem Kontext passend sind und ihn zugleich erweitern, in einem Buchstaben festhält.

Gepriesen sei Der, Der dieses Buch als Wunder herabsandte und für alle Zeiten wahrnehmbar gestaltete.

Teuflisch genau

Teuflisch genau

„Der Teufel steckt im Detail“, sagt man im Volksmund und da es keine Schrift gibt, die genauer auf die Details achtet als der Koran, widmen wir uns ihm.

Sure 41, Vers 3

كِتَابٌ فُصِّلَتْ آيَاتُهُ قُرْآنًا عَرَبِيًّا لِّقَوْمٍ يَعْلَمُونَ
„Ein Buch, dessen Zeichen ausführlich dargelegt sind, als ein arabischer Koran, für Leute, die Bescheid wissen“

Es gibt im Koran mehrere Namen für den Teufel und die Dschinn, etwa Satan, Khannās, Ifrit usw. Jeder dieser Begriffe hat eine gewisse Charakteristik und ist seinem Kontext perfekt angepasst.

  1. Satan (aš-šayṭān الشيطان)
    Der Begriff „Schayṭān“ entspringt der Bedeutung des Wortes „Entfernung“. Der Begriff wurde laut u.a. Ibn Fāris für ein langes Seil verwendet, weil es um die Entfernung der beiden Ende geht, welche hier als Analogieschluss für diesen Begriff gelten. Darüber hinaus wurde der Begriff für einen Brunnen genutzt, der sehr tief ist bzw. der Boden sehr entfernt ist. Aus diesem Grund wurde der Teufel so genannt, da er weit weg von der Wahrheit und von Allahs Gnade ist.

Nun schauen wir uns die Verwendung dieses Begriffes im Koran und werden feststellen, dass dieser Begriff für den Teufel bzw. dieses Synonym immer im Zusammenhang mit dem Entfernen der Menschen vom Weg Gottes genutzt wird.

Vers 2, Sure 36

فَأَزَلَّهُمَا الشَّيْطَانُ عَنْهَا فَأَخْرَجَهُمَا مِمَّا كَانَا فِيهِ وَقُلْنَا اهْبِطُواْ بَعْضُكُمْ لِبَعْضٍ عَدُوٌّ وَلَكُمْ فِي الأَرْضِ مُسْتَقَرٌّ وَمَتَاعٌ إِلَى حِي
„Doch Satan entfernte sie davon, und da vertrieb er sie aus dem, worin sie (an Glückseligkeit) gewesen waren. Wir sagten: ‚Geht fort! Einige von euch seien der anderen Feind. Und auf der Erde sollt ihr Aufenthalt und Nießbrauch auf Zeit haben.‘“

Sure 27, Vers 24

وَجَدتُّهَا وَقَوْمَهَا يَسْجُدُونَ لِلشَّمْسِ مِن دُونِ اللَّهِ وَزَيَّنَ لَهُمُ الشَّيْطَانُ أَعْمَالَهُمْ فَصَدَّهُمْ عَنِ السَّبِيلِ فَهُمْ لَا يَهْتَدُونَ
„‚Ich habe herausgefunden, dass sie und ihr Volk sich vor der Sonne niederwerfen, anstatt vor Allah.‘ Und der Satan hat ihnen ihre Taten ausgeschmückt und sie dann vom Weg abgehalten, sodass sie nicht rechtgeleitet sind.“

Hier sehen wir im Kontext das Ausschmücken der Taten der Leute, um sie vom rechten Weg abzuhalten mit dem Wort „Satan“ erwähnt wird.

Sure 4, Vers 60

وَيُرِيدُ الشَّيْطَانُ أَنْ يُضِلَّهُمْ ضَلالا بَعِيدًا
„Aber der Satan will sie weit abirren.“

Hier sehen wir auch, dass der Name Verwendung findet, da es um das Abhalten der Menschen von der Wahrheit geht.
Dies waren nur einige Beispiele, aber es ist eine konsequente Regel im Koran: Immer wenn der Kontext einer ist, der beschreibt, wie der Satan die Menschen vom Wege Allahs abbringen bzw. entfernen will, wird der Begriff des „Satans“ verwendet. Denn der Satan entfernt den Menschen von der Rechtschaffenheit und den guten Taten bzw. Gehorsam ggü. Allah.

  1. Khannās („der Heimtückische“ oder auch: „der erscheint und sich wieder versteckt“)
    In der Wortherkunft (Etymologie) bedeutet das Wort „untertauchen“, „sich verstecken“ und es beschreibt, dass etwas erscheint und wieder verschwindet. So verhält es sich auch mit den Einflüsterungen des „Khannās“. Er verschwindet, sobald man Allahs gedenkt. Allerdings nicht für immer, sondern die Einflüsterungen tauchen (später) wieder auf.


Sure 114, Verse 3–4

مِن شَرِّ الْوَسْوَاسِ الْخَنَّاسِ * الَّذِي يُوَسْوِسُ فِي صُدُورِ النَّاسِ
„Vor dem Übel des Einflüsterers, des Davonschleichers (Khannās), der in die Brüste der Menschen einflüstert.“

So wurde das Wort auch für Sterne in Sure 81 verwendet, deren Licht erstrahlt und wieder verschwindet.

فَلَا أُقْسِمُ بِالْخُنَّسِ الْجَوَارِ الْكُنَّسِ
„Nein, ich schwöre bei den (rückläufigen) Sternen, die dahineilen und sich wieder verbergen.“ – Sure 81, Verse 15–16

  1. Iblis (إبليس)
    Dieser Begriff kommt immer in demjenigen Kontext vor, als der Teufel die Niederwerfung vor Adam verweigerte. Der Begriff „Iblis“ wird immer als Pendant zum Menschen in der Schöpfungsgeschichte erwähnt: Er ist der Vater der „Schayāṭīn“ (Plural) und Adam ist der Vater der Menschen.

Sure 2, Vers 34

وَإِذْ قُلْنَا لِلْمَلَائِكَةِ اسْجُدُوا لِآدَمَ فَسَجَدُوا إِلَّا إِبْلِيسَ أَبَىٰ وَاسْتَكْبَرَ وَكَانَ مِنَ الْكَافِرِينَ
„Und als Wir zu den Engeln sagten: ‚Werft euch vor Ādam nieder!“ Da warfen sie sich nieder, außer Iblis. Er weigerte sich und verhielt sich hochmütig und gehörte zu den Ungläubigen.“

Sure 7, Vers 11

وَلَقَدْ خَلَقْنَاكُمْ ثُمَّ صَوَّرْنَاكُمْ ثُمَّ قُلْنَا لِلْمَلَائِكَةِ اسْجُدُوا لِآدَمَ فَسَجَدُوا إِلَّا إِبْلِيسَ لَمْ يَكُن مِّنَ السَّاجِدِينَ
„Und Wir haben euch ja erschaffen. Hierauf haben Wir euch gestaltet. Hierauf haben Wir zu den Engeln gesagt: ‚Werft euch vor Ādam nieder!‘ Da warfen sie sich nieder, außer Iblis. Er gehörte nicht zu denjenigen, die sich niederwerfen.“

Sure 20, Vers 116

وَإِذْ قُلْنَا لِلْمَلَائِكَةِ اسْجُدُوا لِآدَمَ فَسَجَدُوا إِلَّا إِبْلِيسَ أَبَىٰ
„Und als Wir zu den Engeln sprachen: ‚Werft euch vor Ādam nieder.‘ Da warfen sie sich nieder, außer Iblis. Er weigerte sich.“

Sure 17, Vers 61

وَإِذْ قُلْنَا لِلْمَلَائِكَةِ اسْجُدُوا لِآدَمَ فَسَجَدُوا إِلَّا إِبْلِيسَ قَالَ أَأَسْجُدُ لِمَنْ خَلَقْتَ طِينًا
„Und als Wir zu den Engeln sprachen: ‚Werft euch vor Ādam nieder!‘, da warfen sie sich nieder, außer Iblis. Er sagte: „Soll ich mich vor einem niederwerfen, den Du aus Ton erschaffen hast?“

Wir merken uns also: Wenn es um die Akzeptanz von Adam als Schöpfung Allahs geht, wird der Teufel „Iblis“ genannt.


  1. Ifrit (عِفْرِيت) („Derjenige, der die Superlative erreicht“ oder: „unüberwindlich ist“)

Sure 27, Vers 39

قَالَ عِفْرِيتٌ مِّنَ الْجِنِّ أَنَا آتِيكَ بِهِ قَبْلَ أَن تَقُومَ مِن مَّقَامِكَ ۖ وَإِنِّي عَلَيْهِ لَقَوِيٌّ أَمِينٌ
„Ein unüberwindlicher von den Dschinn sagte: ‚Ich bringe ihn dir, bevor du dich von deiner Stelle erhebst. Und ich bin wahrlich stark (genug) dazu und vertrauenswürdig.‘“

Der Begriff wird für den starken Löwen verwendet, so Ibn Fāris. Er überliefert von Khalīl al-Farāhīdī:
.وَالْأَصْلُ الثَّالِثُ: الشِّدَّةُ وَالْقُوَّةُ. قَالَ الْخَلِيلُ: رَجُلٌ عِفْرٌ بَيِّنُ الْعَفَارَةِ
„Die Grundlage des Wortes ist die Stärke und Kraft. Khalīl nannte folgenden Beispielsatz: ‚Ein Mann, der kräftig (عِفْرٌ) ist und dessen Stärke (عَفَارَةِ) deutlich hervortritt.‘“
Kontext des Koranverses: Das Herbringen des Thrones des Königs von Saba (Jemen) zum Palast von Sulaimān. Bei dieser schwierigen Aufgabe, dass ein Thron in kürzester Zeit aus so einer Distanz gebracht wird, ist es nur kontextual passend, dass Ifrit von den Dschinn antwortet. Denn nur der stärkste Dschinn wäre fähig gewesen, diese Aufgabe zu bewältigen.

  1. Schayṭān mārid („rebellischer Satan“ شيطان مَارِد)
    Bedeutung: Jemand, der eine Ordnung verlässt. Es kommt von dem Begriff „rausgehen“ bzw. „übertreten“.

In [Tafsīr aṭ-Ṭanṭāwī] heißt es:

.والمارد : الشديد العتو والخروج عن طاعة الله – تعالى – المتعرى من كل خير
„Der „Mārid“ ist derjenige, welcher extrem widerspenstig ist, der Gottes Gehorsam verlassen hat und losgelöst von allem Guten ist.“
Deswegen wird der Begriff für den Schayṭān verwendet, wenn es um die Aufgaben der Sterne geht. Sie dienen als Schmuck und Schutz für den Himmel. Sie wehrten die Eindringlinge, also die Schayāṭīn, ab. Denn die Schayāṭīn versuchten ein für sie verbotenes Territorium zu betreten.*
Zu vergleichen ist dies mit Luftabwehrraketen, welche ein Kampfjet abschießt, weil die Raketen des Feindes in ein nicht erlaubtes Territorium eingetreten sind bzw. Grenzen übertreten haben.
Die Verwendung des Begriffs „Schayṭān“ in Verbindung mit „mārid“ ist hier somit passend, da es um die Überschreitung von Grenzen geht.

Sure 37, Verse 7–9:

إِنَّا زَيَّنَّا السَّمَاءَ الدُّنْيَا بِزِينَةٍ الْكَوَاكِبِ * وَحِفْظاً مِنْ كُلِّ شَيْطانٍ مارِدٍ * لا يَسَّمَّعُونَ إِلَى الْمَلَإِ الْأَعْلى وَيُقْذَفُونَ مِنْ كُلِّ جانِبٍ * دُحُوراً وَلَهُمْ عَذابٌ واصِبٌ * إِلاَّ مَنْ خَطِفَ الْخَطْفَةَ فَأَتْبَعَهُ شِهابٌ ثاقِبٌ
„Wir haben den untersten Himmel mit einem Schmuck geziert: mit den Himmelskörpern; und als Schutz vor jedem rebellischen Satan. So können sie der höchsten führenden Schar (der Engel) nicht zuhören, und sie werden von allen Seiten beworfen.“

  1. Dschinn (al-ǧinn الْجِنِّ)
    Das Wort beinhaltet die Buchstaben „ǧīm“ (ج) und „nūn“ (ن). Die Wortwurzel deutet darauf auf eine Sache hin die verborgen ist. Das Embryo z.B. wird auf Arabisch „ǧanīn“ (جنين) genannt, denn ist mit den Sinnen nicht wahrnehmbar und sich verborgen im Mutterleib befindet. Der Paradiesgarten wird „ǧanna“ (جنّة), weil derjenige, der ihn betritt, durch dessen Fülle verdeckt wird. Die Dschinn (oder auch: „Jinn“) heißen deshalb so, weil sie im Gegensatz zu uns Menschen verdeckt sind. Wir können sie mit unseren Sinnen nicht wahrnehmen.

Dschinn“ ist der Oberbegriff der Geisteswesen. Allah erwähnt aus diesem Grund Ifrit und Iblis als Dschinn. Der Begriff kommt 16-mal als Gegenpart zum Menschen vor. Es folgen einige Beispiele:

Sure 6, Vers 112

وَكَذَلِكَ جَعَلْنَا لِكُلِّ نَبِيٍّ عَدُوًّا شَيَاطِينَ الْإِنْسِ وَالْجِنِّ يُوحِي بَعْضُهُمْ إِلَى بَعْضٍ زُخْرُفَ الْقَوْلِ غُرُورًا وَلَوْ شَاءَ رَبُّكَ مَا فَعَلُوهُ فَذَرْهُمْ وَمَا يَفْتَرُونَ
„Und so haben Wir jedem Propheten Feinde bestimmt: die Satane der Menschen und der Dschinn, von denen die einen den anderen prunkende Worte eingeben in Trug – und wenn dein Herr gewollt hätte, hätten sie es nicht getan; so lasse sie (stehen) mit dem, was sie an Lügen ersinnen.“

Sure 17, Vers 89

وَلَقَدْ صَرَّفْنَا لِلنَّاسِ فِي هَـٰذَا الْقُرْآنِ مِن كُلِّ مَثَلٍ فَأَبَىٰ أَكْثَرُ النَّاسِ إِلَّا كُفُورًا
„Wir haben ja den Menschen in diesem Koran ein jedes Gleichnis verschiedenartig dargelegt, doch die meisten Menschen weigern sich (und wollen nichts) außer dem Unglauben.“

Sure 27, Vers 17

وَحُشِرَ لِسُلَيْمَانَ جُنُودُهُ مِنَ الْجِنِّ وَالْإِنْسِ وَالطَّيْرِ فَهُمْ يُوزَعُونَ
„Und versammelt wurden für Sulaimān seine Heerscharen – unter den Dschinn, Menschen und Vögeln –, und so wurden sie in Reihen geordnet.“

Sure 32, Vers 13

وَلَوْ شِئْنَا لَآتَيْنَا كُلَّ نَفْسٍ هُدَاهَا وَلَكِنْ حَقَّ الْقَوْلُ مِنِّي لَأَمْلَأَنَّ جَهَنَّمَ مِنَ الْجِنَّةِ وَالنَّاسِ أَجْمَعِينَ
„Und wenn Wir gewollt hätten, hätten Wir jeder Seele ihre Rechtleitung gegeben. Aber (nun) ist das Wort von Mir unvermeidlich fällig geworden: „Ganz gewiss werde Ich die Hölle mit den Dschinn und den Menschen allesamt füllen.“

Fazit
Es gibt unterschiedliche Begriffe für den Teufel und die Dschinn und jedes Wort wurde zum jeweiligen Kontext passend platziert. Damit schafft der Koran die Visualisierung eines Szenarios, die nur mit der Verwendung des Begriffs möglich ist. Wir erinnern uns an dieser Stelle, dass der Koran eine mündliche Tradition ist. Dieser Beitrag gibt nur eine von den unzähligen, koranischen Genauigkeiten wieder.

* Die Dschinn pflegten immer Lauschangriffe bei den Engeln in den anderen Himmeln zu starten, um herauszufinden, was Allah ihnen befahl und diese Information für sich zu nutzen.


Quellen:
Ibn Fāris, Maqaʾīs al-Luġa
Al-Ǧawharī, as-Siḥāḥ al-Ǧawharī
Az-Zamakhscharī, Asās al-Balāġa.
ʿAbdir-Raḥmān Schihrī, Mufradāt al-Qurʾān.
Aṭ-Ṭanṭāwī, Tafsīr al-Wasīṭ

Der Richter ist der Kontext

Der Richter ist der Kontext

Im Koran haben wir das Phänomen, dass an einigen Stellen ein Begriff im Satzbau nach hinten verlagert wird und an anderen Stellen das gleiche Wort in einem ähnlichen Vers nach vorne verlagert wird. Der Grund dafür ist, dass die Araber die Begriffe nach vorne gezogen haben, welche kontextual passender sind. Dies erwähnten wir bereits in unserem Beitrag: „Jedes passende Wort an seinem passenden Ort“.

Nun folgen erneut weitere Beispiele, so Allah will.
Sure 2, Vers 35:

وَقُلْنَا يَا آدَمُ اسْكُنْ أَنتَ وَزَوْجُكَ الْجَنَّةَ وَكُلاَ مِنْهَا رَغَداً حَيْثُ شِئْتُمَا وَلاَ تَقْرَبَا هَـذِهِ الشَّجَرَةَ فَتَكُونَا مِنَ الْظَّالِمِينَ
Und Wir sagten: „O Ādam, bewohne du und deine Gattin den (Paradies-)Garten, und esst von ihm reichlich, wo immer ihr wollt! Aber nähert euch nicht diesem Baum, sonst gehört ihr zu den Ungerechten!“

Hier wird das Wort „reichlich“ (رَغَداً) nach vorne gezogen worden, da Ādam es ums Paradies geht (Jenseits) und er und seine Ehefrau sich dort befanden, wo die Nahrung reichlicher ist. Des Weiteren geht es hier um die Nahrung und den Nutznieß generell.

Sure 2, Vers 58

وَإِذْ قُلْنَا ادْخُلُواْ هَـذِهِ الْقَرْيَةَ فَكُلُواْ مِنْهَا حَيْثُ شِئْتُمْ رَغَداً وَادْخُلُواْ الْبَابَ سُجَّداً وَقُولُواْ حِطَّةٌ نَّغْفِرْ لَكُمْ خَطَايَاكُمْ وَسَنَزِيدُ الْمُحْسِنِينَ
„Und als Wir sagten: ‚Tretet ein in diese Stadt und dann esst, wo immer ihr wollt, reichlich von (dem, was in) ihr (ist).‘“

In diesem Koranvers nun wurde der Begriff „reichlich“ (رَغَداً) nach hinten versetzt. Diesmal geht es nicht um das Paradies, sondern um eine Stadt im Diesseits, welche die Kinder Israels betreten sollten. Selbstverständlich ist also die Nahrung im Paradies reichhaltiger als die Nahrung auf dieser Welt. Darüber hinaus war der Fokus des Kontexts hier die Stadt. Deswegen wurde das Betreten der Stadt im Satzbau nach vorne gezogen.

Zur Gegenüberstellung:

وَكُلاَ مِنْهَا رَغَداً حَيْثُ شِئْتُمَا (Es geht um das Paradies)
فَكُلُواْ مِنْهَا حَيْثُ شِئْتُمْ رَغَداً (Es geht um die Stadt)

Im erstgenannten Koranvers befindet sich das Wort „reichlich“ (رَغَداً) an vierter Stelle, während es im zweiten Koranvers an letzter Stelle steht. Im ersten wurde die Reichhaltigkeit der Nahrung im Paradies hervorgehoben und im zweiten das Betreten der Stadt.

Die Verwendung des koranischen Satzbaus drückt aus, das die Fülle der Nahrung im Paradies, nicht mit den auf Erden zu vergleichen sind.

Neben dem behandelten Prinzip des Vorverlagerns des Wortes oder es nach hinten zu verlegen gibt es noch folgenden dritten Fall: Und zwar tauchen die eben erwähnten Versen nochmals so ähnlich auf in der Sure 7, jedoch wird das Wort „reichlich“ (رَغَداً) nicht erwähnt. Die Fülle der Nahrung wird weder im Zusammenhang mit der Geschichte der Kinder Israels erwähnt, noch in der Geschichte vom Ādam und Eva.

Zur Erinnerung: In der Sure 2 in Vers 35 hieß es:

وَقُلْنَا يَا آدَمُ اسْكُنْ أَنتَ وَزَوْجُكَ الْجَنَّةَ وَكُلاَ مِنْهَا رَغَدًا حَيْثُ شِئْتُمَا وَلاَ تَقْرَبَا هَذِهِ الشَّجَرَةَ فَتَكُونَا مِنَ الظَّالِمِينَ
„Und Wir sagten: „O Ādam, bewohne du und deine Gattin den (Paradies-)Garten, und esst von ihm reichlich, wo immer ihr wollt! Aber nähert euch nicht diesem Baum, sonst gehört ihr zu den Ungerechten!“

Hier verwendet Allah den Begriff „reichlich“ (رَغَداً) und die Ansprache „Und Wir sagten“ (majestätisches Plural), um Seine Gaben gegenüber Seinem Diener aufzuzeigen bzw. aufzuzählen.

In Sure 7, Vers 19 hingegen heißt es:

وَيَا آدَمُ اسْكُنْ أَنتَ وَزَوْجُكَ الْجَنَّةَ فَكُلاَ مِنْ حَيْثُ شِئْتُمَا وَلاَ تَقْرَبَا هَذِهِ الشَّجَرَةَ فَتَكُونَا مِنَ الظَّالِمِينَ
„Und (du,) o Ādam, bewohne du und deine Gattin den (Paradies-)Garten, und dann esst, wo immer ihr wollt. Aber nähert euch nicht diesem Baum, sonst gehört ihr zu den Ungerechten.“

Hier spricht Allah zunächst eine Warnung aus.

وَنَادَاهُمَا رَبُّهُمَا أَلَمْ أَنْهَكُمَا عَن تِلْكُمَا الشَّجَرَةِ وَأَقُل لَّكُمَا إِنَّ الشَّيْطَانَ لَكُمَا عَدُوٌّ مُّبِينٌ
„Ihr Herr rief ihnen zu: ‚Habe Ich euch nicht jenen Baum verboten und euch gesagt: ‚Der Satan ist euch ein deutlicher Feind?‘“ – Sure 7, Vers 22.

Nun wurde weder das Wort „reichlich“ verwendet, noch die Ansprache „Und als Wir sagten“. Denn es geht hier im Kontext von Sure 7 um eine Kritik bzw. einen Tadel. Dass Allah die „Wir-Form“ (majestätisches Plural) nicht mehr verwendet, erklärt die Negativität. Ein weiterer Gesichtspunkt der Kritik ist, dass Allah den Begriff „reichlich“ nicht verwendet. Und dass Allah zu ihnen (Ādam & seine Ehefrau) „ruft“, zeigt eine gewisse Distanz auf. Also da es ein Kontext der Kritik ist, spricht Allah sie nicht direkt an, sondern in der dritten Person wird berichtet und dadurch wird der Kontext schwächer und die Fülle der Nahrung wird nicht erwähnt.

Einfaches Beispiel auf uns übertragen: Wenn ein Mensch dich ruft, dann grundsätzlich immer aus einer Entfernung, selbst wenn sie gering ist, z.B. wenn das Kind im anderen Zimmer seine Eltern ruft. Und diese Entfernung wird in dem Vers festgehalten, weil es ein Kontext der Kritik ist.


Ein weiteres Beispiel

Wir erwähnten bereits, dass der Kontext von Sure 7 Kritik ist, dies auch in Bezug auf die Kinder Israels , welche sich ein Kalb als Götzen nahmen (širk).

Sure 7, Vers 148

وَاتَّخَذَ قَوْمُ مُوسَى مِن بَعْدِهِ مِنْ حُلِيِّهِمْ عِجْلاً جَسَدًا لَّهُ خُوَارٌ أَلَمْ يَرَوْا أَنَّهُ لاَ يُكَلِّمُهُمْ وَلاَ يَهْدِيهِمْ سَبِيلاً اتَّخَذُوهُ وَكَانُواْ ظَالِمِينَ
„Und das Volk Mūsās nahm sich, nachdem er (weggegangen) war, aus ihren Schmucksachen (verfertigt) ein körperhaftes Kalb, das (laut) muhte. Sahen sie denn nicht, dass es nicht zu ihnen spricht und sie nicht den rechten Weg leitet? Sie nahmen es sich (als Götzen) und waren ungerecht.“

Deswegen wird hier das göttliche Plural nicht verwendet. Das Wort „reichlich“ ebenfalls nicht. Der Kontext ist damit wieder ein negativer und der folgende Koranvers beweist dies
Sure 7, Vers 161:

وَإِذْ قِيلَ لَهُمُ اسْكُنُواْ هَذِهِ الْقَرْيَةَ وَكُلُواْ مِنْهَا حَيْثُ شِئْتُمْ وَقُولُواْ حِطَّةٌ وَادْخُلُواْ الْبَابَ سُجَّدًا نَّغْفِرْ لَكُمْ خَطِيئَاتِكُمْ سَنَزِيدُ
الْمُحْسِنِينَ
„Und als zu ihnen gesagt wurde: ‚Bewohnt diese Stadt und esst von (dem, was in) ihr (ist), wo immer ihr wollt!‘ und sagt: ‚Vergebung!‘ und tretet, euch niederwerfend, durch das Tor ein, so vergeben Wir euch eure Verfehlungen. Und Wir werden den Gutes Tuenden noch mehr erweisen.“

Fazit
Die Syntax spielt eine aussagekräftige, entscheidende Rolle im Koran. Sie bestätigt den Kontext und zeigt die Systematik auf, warum jedes Wort an seinem jeweiligen Platz ist und nicht wo anders steht.
Quelle: Lamasāt Bayyanyyah, Dr. Fāḍil Samaray.

Jedes passende Wort an seinem passenden Ort

In diesem Artikel wollen wir ein anhand eines Beispieles aufzeigen, wie genau der Koran Worte verwendet, um das Gesamtbild der Bedeutung aufzuzeigen. Darüber hinaus ist auch der Syntax (der Satzbau) entsprechend dieser Ordnung angepasst.

Im Koran wird eine bestimmte Redewendung oft wiederholt und zwar einmal „Allah ist dem was ihr tut „Chabīra“ (Allkundig)
والله بما تعملون خبير

und „Allah ist dem was ihr tut Basira (Allsehend)“.
بما تعملون بصير

Das Wort „Allkundig“ (Chabīra) steht für die Kenntnis des Inneren einer Sache bzw. einer Person. Die frühen Araber pflegten zu sagen „erdh chabīra“. Das bedeutet so viel wie weiche Erde, die so weich ist, dass der Menschen mit seinen Füßen dort einsinkt, wenn er sie betritt, also er erreicht das Innere.

Daher wurde der Begriff für das einsinken als Sinnbild für die Eigenschaft Allahs und seinem Namen „al-Chabīr“ genutzt.

Definition: Derjenige welcher Kenntnis besitzt über die Tiefe bzw. das innere der Dinge.
So heißt es in einem anderen Vers in Sure 67: „Weiß denn nicht, Derjenige der schuf und er ist der al-Latīf, al-Chabīr (Allkundige).“ Gerade weil Er derjenige ist, Der schuf, ist Er allkundig über die inneren Angelegenheiten.

Folgende Frage stellte sich nun: Frage „Warum heißt es an einige Stellen „Chabīr“ (allkundig) und an anderen „Basīr“ (allsehend), in Bezug auf die Taten der Menschen?

Die Antwort ist sehr simpel und in dieser Einfachheit liegt Schönheit. Das simpele, sich selbsterklärende ist das, was wir als schön empfinden. Eleganz liegt in der Einfachheit.

Jedes Mal, wenn im Koran die äußeren (physischen) Taten der Menschen erwähnt werden, wird abschliessend im Vers die Redewendung genutzt, dass Allah sieht, was der Mensch tut. Dies weil es physische, sichtbare Dinge sind. Und jedesmal wenn es versteckte Taten oder inneren Herzensangelegenheiten sind, wie falsche Absichten, Pläne schmieden und Hass und Neid in den Herzen, wird das Wort „allkundig“ (chabīra) benutzt. Dies das passende Worte für diese inneren Angelegenheiten ist.

Beispiele für die physischen bzw. äußeren Taten, welche Allah sieht.

Sure 2, Vers 110

وَأَقِيمُوا الصَّلَاةَ وَآتُوا الزَّكَاةَ وَمَا تُقَدِّمُوا لِأَنفُسِكُم مِّنْ خَيْرٍ تَجِدُوهُ عِندَ اللَّهِ إِنَّ اللَّهَ بِمَا تَعْمَلُونَ بَصِيرٌ

„Und verrichtet das Gebet und entrichtet die Abgabe. Und was ihr für euch selbst an Gutem vorausschickt, werdet ihr bei Allah finden. Was ihr tut, sieht Allah wohl.“

Sure 34, Vers 11

أَنِ اعْمَلْ سَابِغَاتٍ وَقَدِّرْ فِي السَّرْدِ وَاعْمَلُوا صَالِحًا إِنِّي بِمَا تَعْمَلُونَ بَصِيرٌ

„Fertige Panzergewänder an und füge im richtigen Maß die Panzermaschen aneinander. Und handelt rechtschaffen, denn Ich sehe wohl, was ihr tut.“

Da in den eben zitierten Verse Taten in den obigen Versen erwähnten Taten sind alles physiche, mit dem Auge wahrnehmbare Taten sind, wird der Begriff des Sehens (basīr) im Arabischen genutzt.

Einige Beispiele für die inneren Angelegenheiten und die Verwendung des Wortes „allkundig“ (chabīr) für die Kenntnis der inneren bzw. nicht augenscheinlichen Taten

Sure 3, Vers 180

سَيُطَوَّقُونَ مَا بَخِلُوا بِهِ يَوْمَ الْقِيَامَةِ وَلِلَّهِ مِيرَاثُ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضِ وَاللَّهُ بِمَا تَعْمَلُونَ خَبِيرٌ

„Und diejenigen, die mit dem geizen, was Allah ihnen von Seiner Huld gewährt hat, sollen ja nicht meinen, das sei (so) besser für sie. Nein! Vielmehr ist es schlecht für sie. Mit dem, womit sie gegeizt haben, werden sie am Tag der Auferstehung umschlungen werden. Und Allah gehört das Erbe der Himmel und der Erde, und Allah ist dessen, was ihr tut, allkundig.“

In diesem Vers geht es um Geiz, was eine Herzensangelgenheit ist deswegen wird der Begriff „chabīr“, sprich (all-)kundig genutzt.

Sure 4, Vers 128

وَأُحْضِرَتِ الْأَنفُسُ الشُّحَّ وَإِن تُحْسِنُوا وَتَتَّقُوا فَإِنَّ اللَّهَ كَانَ بِمَا تَعْمَلُونَ خَبِيرًا

„Und wenn eine Frau von ihrem Ehemann Widersetzlichkeit oder Meidung befürchtet, so ist es keine Sünde für sie (beide), sich in Frieden zu einigen; denn friedliche Einigung ist besser. Und die Seelen sind der Habsucht zugänglich. Doch wenn ihr wohltätig seid und gottesfürchtig, so ist Allah dessen, was ihr tut, gewiss allkundig.“

In diesem Vers geht es wieder um eine innere Angelegenheit und zwar Habsucht.

Sure 2, Vers 271:

إِن تُبْدُوا الصَّدَقَاتِ فَنِعِمَّا هِيَ وَإِن تُخْفُوهَا وَتُؤْتُوهَا الْفُقَرَاءَ فَهُوَ خَيْرٌ لَّكُمْ وَيُكَفِّرُ عَنكُم مِّن سَيِّئَاتِكُمْ وَاللَّهُ بِمَا تَعْمَلُونَخَبِيرٌ
„Wenn ihr Almosen offen zeigt, so ist es trefflich. Wenn ihr sie aber verbergt und den Armen gebt, so ist es besser für euch, und Er (Allah) wird etwas von euren bösen Taten tilgen. Allah ist dessen, was ihr tut, allkundig.“

Normalerweise ist die Almose etwas, was öffentlich gegeben wird und sie gehört zu den physischen Dingen, die wahrnehmbar sind. Nach unserer Regel müsste es hier „basīra“ heißen, d.h. Allah sieht die Tat.

Schaut man sich jedoch den Kontext an, so ist von versteckten Almose die Rede, die eben nicht öffentlich ist bzw nicht augenscheinlich. Daher ist die Verwendung des Begriffes „allkundig“ (chabīr) genau passend, weil es um eine versteckte Tat geht.

Wir sehen hier also, dass entsprechend dem Kontext das passende Wort gewählt wurde. wir hier wie jedesmal das dem Kontext entsprechendere Synonym gewählt würde.

Der Syntax (Satzbau)

Neben der im ersten Teil genannten Wortverwendung ist auch der Syntax (Satzbau) entsprechend der Bedeutung genauestens angepasst.

Wir wollen hier mit einer logischen Regel der arabischen Sprache beginnen, um den Verlauf des weiteren Textes zu verstehen. Die Araber pflegten es in ihrer Sprache dasjenige Wort nach vorne zu stellen, was dem Kontext entsprechender ist bzw. was sie am dringlichsten ausdrücken wollten. Dies erwähnte al-Sibaway.

Das heißt, jedes Mal wenn die Taten der menschen erwähnt werden, wird das Wort „Taten“ (‚amal) nach vorne gebracht und jedesmal wenn es im Kontext um die Eigenschaften Allahs und seines Wesens geht, wird entsprechend der Begriff Allah nach vorne gestellt im Satzbau.

Beispiel:

والله خبير بما تعملون
„Allah ist allkundig dessen was ihr tut“

بصير بما تعملون
Allah ist allsehend dessen, was ihr tut“

1. Koranvers

وَأَقِيمُواْ الصَّلاَةَ وَآتُواْ الزَّكَاةَ وَمَا تُقَدِّمُواْ لأَنفُسِكُم مِّنْ خَيْرٍ تَجِدُوهُ عِندَ اللّهِ إِنَّ اللّهَ بِمَا تَعْمَلُونَ بَصِيرٌ (110

„Und verrichtet das Gebet und entrichtet die Abgabe. Und was ihr für euch selbst an Gutem vorausschickt, werdet ihr bei Allah finden. Was ihr tut, sieht Allah wohl.“

Hier geht es um die Taten der Menschen. Aus diesem Grund wurde „was ihr tut“ nach vorne gestellt. Der Kontext handelt von den Taten der Menschen.

2. Koranvers

فَاسْتَقِمْ كَمَا أُمِرْتَ وَمَن تَابَ مَعَكَ وَلاَ تَطْغَوْاْ إِنَّهُ بِمَا تَعْمَلُونَ بَصِيرٌ (112) هود)

„So verhalte dich recht, wie dir befohlen wurde, (du) und diejenigen, die mit dir bereuen, und lehnt euch nicht auf. Gewiss, was ihr tut, sieht Er wohl“. Sure 11, Vers 112

Hier geht es um die Aufrichtigkeit in der Religion, um Reue und um das Nicht-Auflehnen, also um die Taten des Menschen. Deshalb wurde „was ihr tut“ nach vorne gestellt.
Ferner wird das Wort des göttlichen Attributes nach vorne gezogen, wenn es um die göttlichen Eigenschaften im Kontext geht.

„إِنَّ اللَّهَ يَعْلَمُ غَيْبَ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضِ وَاللَّهُ بَصِيرٌ بِمَا تَعْمَلُونَ (18) الحجرات)

„Gewiss, Allah kennt das Verborgene der Himmel und der Erde. Und Allah sieht wohl, was ihr tut.“

Hier geht es um Allah und seine Eigenschaften. Somit wurde „Allah sieht“ nach vorne gestellt, weil es in diesem Kontext um ihn und seine Eigenschaften geht. Und „was ihr tut“ wurde nach hinten gestellt, weil dieser Kontext nicht von den Taten der Menschen handelt.

وَحَسِبُواْ أَلاَّ تَكُونَ فِتْنَةٌ فَعَمُواْ وَصَمُّواْ ثُمَّ تَابَ اللّهُ عَلَيْهِمْ ثُمَّ عَمُواْ وَصَمُّواْ كَثِيرٌ مِّنْهُمْ وَاللّهُ بَصِيرٌ بِمَا يَعْمَلُونَخَبِيرٌ

„Und sie meinten, dass es keine Versuchung gäbe. Sie waren blind und taub. Hierauf nahm Allah ihre Reue an. Dann aber wurden (wieder) viele von ihnen blind und taub. Und Allah sieht wohl, was sie tun.“

Auch in diesem Vers geht es um seine Fähigkeiten und nicht um die taten der Menschen, folglich kommt „Allah sieht wohl“ am anfang vor und „was sie tun“ nach hinten, weil es nicht in erster Linie um die Tat des Menschen geht.

Abschließend
Diese genannten Beispiele sind nur ein Teilstück, um das Ganze zu verstehen, sprich den gesamten Koran. Jeder Vers enthält eine genauste dem Kontext und der Bedeutung entsprechenden Anordnung.