Nominal- und Verbalsatz im Koran

Nominal- und Verbalsatz im Koran

Eine Regel besagt, dass in der arabischen Sprache der Nominalsatz (Djumla Ismiya) auf Permanenz und Beständigkeit hindeutet. Der Verbalsatz hingegen eine temporäre Charakteristik besitzt.

Das Verb deutet auf Erneuerung, welche Bewegung bedarf und das Nomen auf Beständigkeit bzw Permanenz. Nachdem wir diese Regel verstanden haben, wollen wir uns ein Fallbeispiel der koranischen Verwendung dieses Prinzips anschauen.

Beispiel

Sure 16, Vers 96

مَا عِندَكُمْ يَنفَدُ ۖ وَمَا عِندَ اللَّهِ بَاقٍ
„Was bei euch ist, geht zu Ende; was aber bei Allah ist, ist bleibend.“

In diesem Vers wird das Wort „يَنفَدُ“ (yenfidh) verwendet, welches für das Vergehen steht und dies wird als Verb konjugiert, welches den Satz zu einem Verbalsatz macht.
Wohingegen es bei dem Wort für bleibend „ بَاقٍ“ (bāq) als Nomen verwendet wird.
An der Stelle, wo es darum geht zu zeigen, dass die Reichtümer Allahs niemals enden werden und, wurde der Nominalsatz verwendet, welcher wie wir sagten auf Beständigkeit deutet.

Und an der Stelle wo erwähnt wird, dass der Besitz der Menschen vergänglich ist, würde der Verbalsatz benutzt, welcher temporären (vergänglichen)Charakter besitzt verwendet.Dies um den Inhalt des Verses im Syntax zu untermauern, dass alles was der Mensch besitzt ein kurzer Niesbrauch ist.
Unter anderem ist deswegen der Koran Gotteswort. Denn er offenbart sich dem Intellekt des Menschen in der Syntax bzw. in einer Symbolik, welche auf Vollkommenheit hindeutet.
Das vollkommende Wort, sprich der Koran, spiegelt den vollkommenden Gott wider.

Ein weiteres Beispiel:

1. Sure 7, Vers 118

وَبَطَلَ مَا كَانُواْ يَعْمَلُونَ
„(…) und zunichte wurde das, was sie taten.“

2. Sure 7, Vers 139

وَبَاطِلٌ مَّا كَانُوا يَعْمَلُونَ
„ (…) und zunichte wird, was sie zu tun pflegten.“

Hier haben wir zwei fast identische Verse in der Sure 7 (Al-Araf)
Es gibt nur einen minimalen Unterschied, welche den einen Satz zu einem Nominalsatz und den anderen zu einem Verbalsatz macht.

وَبَاطِلٌ
Ist ein Nomen
وَبَطَلَ
ist ein Verb , welche beide auf das zu Nichte gehen bzw. vernichtet sein hindeuten.
Die Frage, die sich nun stellt, ist: Warum ist das eine ein Nominalsatz und das andere ein Verbalsatz? Was ist der Grund dafür, dass die Hinzugabe eines Buchstabens – des Buchstabens Alif (ا) – den einen Satz zu einem Verbal- und der andere zu einem Nominalsatz macht?

Die Antwort darauf lautet: der Kontext.
In dem Vers, in dem die Verbalform des Verses verwendet wird, geht es um die Zauberer in der Zeit des Pharaos, welche gegen Moses verloren hatten und deren Zauber verblasst war. Es handelte sich um eine Bestandsaufnahme, die in diesem Vers dargestellt wird. Ein schneller Akt Musa machte „kurzen Prozess“. Das verschlingen des Stockes deutet auf Schnelligkeit.
Sie warfen ihre Stöcker und Moses warf sein Stab, mit dem er die Zauberer besiegte. Wir sehen also, dass hier ein Zustand der Tat und Schnelligkeit beschrieben wird und deswegen findet hier das Verb Verwendung.
„(…) und Wir gaben Mūsā ein: „Wirf deinen Stock hin!“ Da verschlang er sogleich, was sie vortäuschten.
So bestätigte sich die Wahrheit, und „وَبَطَلَ“ zunichte wurde das, was sie taten.
Sie wurden dort besiegt und kehrten gering geachtet zurück.“

Im Vers hingegen, wo das Nomen benutzt wird, geht es um ein Volk das lange Zeit vor einer Götze in Anbetung verweilte, um einen permanenten Zustand sozusagen. „3kafa“ bedeutet lange Zeit an einem Ort oder in Andacht zu verweilen. Daher auch das Wort „i’tikāf“, was das Verweilen in der Moschee über einen langen Zeitraum beschreibt.

„Und Wir ließen die Kinder Isrāʾīls das Meer durchschreiten. Sie kamen zu Leuten, die sich zur Andacht an ihren Götzen zurückzogen. (Akafu) Sie sagten: „O Mūsā, mache uns einen Gott, so wie sie Götter haben!“ Er sagte: „Ihr seid ja Leute, die töricht sind.
Gewiss, was diese da betreiben, wird zerstört, und وَبَاطِلٌ zunichte wird, was sie zu tun pflegten.“

Wie wir im obigen Vers sehen, deutet der zweite Vers, in dem das Nomen verwendet wurde mit seiner Charakteristik auf Permanenz hin. Um eine absolute Synchronität zwischen Begriff und Inhalt zu schaffen wurde hier passenderweise das Nomen بَاطِلٌ benutzt. Da, wie wir sagten, das Nomen auf Permanenz hindeutet, ergibt es absolut Sinn, dass es im Zusammenhang mit dem langen Verweilen vor der Götze verwendet wird.

Die Unterscheidung zwischen Nominalsatz und Verbalsatz im Koran

Die Unterscheidung zwischen Nominalsatz und Verbalsatz im Koran

Die Unterscheidung zwischen Nominalsatz und Verbalsatz im Koran

Instsgram.com/Licht.Verse
Lesedauer 2-3 Minuten.

Eine Regel der Nomen in der arabische Sprache besagt, dass ihre Verwendung als Nominalsatz auf die Beständig- und Dauerhaftigkeit hindeutet. Ein Verbalsatz jedoch auf Wiederholung und Erneuerung bzw. Auffrischung.

Beispiel: „Thomas trinkt Alkohol“. Dies bedeutet, er trinkt (gerade) Alkohol. Anders ist es, wenn es heißt „Thomas ist ein Trinker.“ Das zweite Beispiel, ein Nominalsatz, deutet auf die Fortwährigkeit des der Tat.

Der Verbalsatz „Thomas trinkt Alkohol“ beinhaltet hingegen die Aussage, dass er einmal getrunken hat und/ oder ab und zu trinkt — jedenfalls unbeständig.

Im Koran wechselt Allah oft von einem Verbalsatz bzw. in einen Nomianlsatz, im selben Kontext. Wir sehen, dass jeder dieser Wechsel eine tiefgründige Bedeutung mit sich trägt. Es folgen einige Beispiele:

Sure 9 Vers 40

وَجَعَلَ كَلِمَةَ الَّذِينَ كَفَرُواْ السُّفْلَى وَكَلِمَةُ اللّهِ هِيَ الْعُلْيَا وَاللّهُ عَزِيزٌ حَكِيمٌ“ [التوبة : 40]

„Die ihr nicht saht, und erniedrigte das Wort derjenigen, die ungläubig waren, während Allahs Wort (doch) das hohe ist. Allah ist Allmächtig und Allweise.“

Hier sehen wir den Satz „und erniedrigte das Wort „derjenige“ als Verbalsatz und den Satz „Allahs Wort (doch) das hohe ist“ als Nominalsatz. Die rhetorische und zugleich tief-theologische Lehre ist, das Gottes Wort ständig permanent bzw. das Höchste ist. Wohingegen das Wort von jedem anderen mal steigt, mal fällt. Doch Gottes Wort ist permanent oben. Das verstehen wir allein aus dem Wechsel von Verbalsatz in den Nominal Satz.

Weiteres Beispiel:

Sure 88, Verse 15–16
يَصْلَوْنَهَا يَوْمَ الدِّينِ (*) وَمَا هُمْ عَنْهَا بِغَائِبِينَ

„Sie werden dort brennen am Tage des Gerichts. * Und sie werden nicht imstande sein, daraus zu entrinnen.“

In diesen Versen ist „Sie werden dort brennen“ in der arabischen Sprache gesehen ein Verbalsatz, weil die Strafe im Höllenfeuer eine sich ständig Wiederholende erneuernde ist. Der darauffolgende Satz, „und sie werden nicht imstande sein, daraus zu entrinnen“, dagegen formuliert Allah im Nominalsatz, welche auf die Permanenz und Ewigkeit ihres Aufenthalts deutet.

Wir sehen alleine an der Verwendung der Verb- und Nominalsätze wie erschreckend die Strafe im Feuer ist. Das Bestrafen ist im Verbalsatz, welcher auf die ständige Erneuerung deutet. Und der Aufenthalt ist, in einem Nominalsatz, welcher auf Permanenz und Fortwährigkeit deutet, dass keine Hoffnung auf dem entrinnen aus dem Feuer besteht.

Das sich die Strafe im Feuer immer wieder aufs neue kommt zeigt sich in einem anderen Vers :

Sure 4, Vers 56
إِنَّ الَّذِينَ كَفَرُوا بِآيَاتِنَا سَوْفَ نُصْلِيهِمْ نَارًا كُلَّمَا نَضِجَتْ جُلُودُهُمْ بَدَّلْنَاهُمْ جُلُودًا غَيْرَهَا لِيَذُوقُوا الْعَذَابَ

„Jedesmal, wenn ihre Haut verbrannt ist, tauschen Wir sie ihnen gegen eine andere Haut aus, damit sie die Strafe (auf’s Neue) kosten. Allah ist Allmächtig und Allweise.“

Weiteres Beispiel

Sure 67, Vers 19
أو لم يروا إلى الطيرِ فوقهم صافّات ويقبضن

„Sehen sie denn nicht auf die Vögel über ihnen, wie sie ihre Flügel ausgebreitet halten und einziehen? Nur der Allerbarmer hält sie. Gewiss, Er sieht alles wohl.“

Hier heißt es ausgebreitet halten, im Arabischen arabisch (saffat) ein Nominalsatz und der Satz danach „einziehen“
(„yaqbidhina“) im arabischen ist ein Verbalsatz.
Das Gleiten kommt im Nominalsatz, weil es der konstanter Zustand ist und das Schlagen mit dem Flügel ist eine Handlung, die sich ständig wiederholt, welche deswegen im Verbalsatz kommt.

Unbeschreiblich genau wie der Koran für das gleiten der Vögel den Nominalsatz nutzt und für das schlagen mit den Flügel die Verbform, um eine total exakte Beschreibung dieses bildlichen Vorgangs in der Verwendung von Nomen und Verben festzuhalten.